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        <title>GkII73-1877_Missionsfeld</title>
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          <resp>Transcribed with</resp>
          <name>Tesseract</name>
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        <p>This work is protected by copyright or related property rights but available in Open Access. The right of use and especially the right to reproduction is only granted within the legal limits of copyright law or due to the consent of the copyright holder.</p>
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          <title>Ein Blick auf das indische Missionsfeld, Bd. 21, S. 3-16</title>
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        <line lrx="1065" lry="2049" ulx="569" uly="2009">N12506945919 021</line>
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        <line lrx="1078" lry="2141" ulx="867" uly="2122">08 TObingen</line>
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        <line lrx="1391" lry="815" ulx="312" uly="740">Ein Blick auf das indiſche Miſſionsfeld.</line>
      </zone>
      <zone lrx="1429" lry="2268" type="textblock" ulx="287" uly="867">
        <line lrx="1427" lry="974" ulx="291" uly="867">SNaprerd des verfloſſenen Jahres ſind ſoviele und neue Dinge</line>
        <line lrx="1427" lry="1028" ulx="293" uly="971">6N theils in, theils für Afrika geſchehen, daß wir genöthigt</line>
        <line lrx="1428" lry="1068" ulx="427" uly="1026">waren uns mehr als gewöhnlich mit dieſem Erdtheil zu</line>
        <line lrx="1426" lry="1119" ulx="288" uly="1075">beſchäftigen. Es iſt jetzt an der Zeit, daß wir anfangen uns auch</line>
        <line lrx="1428" lry="1169" ulx="289" uly="1126">auf den anderen Miſſionsgebieten, wo das Werk ebenfalls nicht</line>
        <line lrx="1427" lry="1218" ulx="290" uly="1175">ſtillgeſtanden iſt, gründlich umzuſehn und namentlich dem alten In⸗</line>
        <line lrx="934" lry="1267" ulx="290" uly="1227">dien mehr Anfmerkſamkeit zu ſchenken.</line>
        <line lrx="1428" lry="1318" ulx="370" uly="1276">Mit Indien geht es einem wie mit dem Meere: je weiter</line>
        <line lrx="1428" lry="1367" ulx="289" uly="1320">man ſeinen Fuß hineinſetzt, deſto tiefer findet man es, oder wie</line>
        <line lrx="1429" lry="1416" ulx="287" uly="1374">mit den Sandkörnern der Wüſte: je länger man ſich abgemüht</line>
        <line lrx="1428" lry="1467" ulx="287" uly="1425">hat ſie zu zählen, deſto zahlloſer ſindet man ſie. Früher nahm</line>
        <line lrx="1429" lry="1517" ulx="288" uly="1475">man gewöhnlich an, die Bevölkerung dieſes Landes ſei mit</line>
        <line lrx="1427" lry="1568" ulx="290" uly="1525">160 bis 180 Millionen hoch genug angeſchlagen, dann ſprach man</line>
        <line lrx="1427" lry="1617" ulx="288" uly="1575">von 200 Millionen, dann etwas ſchüchtern von mehr als 200 Mil⸗</line>
        <line lrx="1428" lry="1667" ulx="289" uly="1626">lionen, und jetzt, nachdem die erſte vollſtändige Volkszählung</line>
        <line lrx="1426" lry="1717" ulx="289" uly="1675">ſtattgefunden hat, weiß man, daß alle dieſe Angaben zu niedrig</line>
        <line lrx="1426" lry="1767" ulx="288" uly="1725">waren und in Wirklichkeit die Einwohnerzahl der direkt oder in⸗</line>
        <line lrx="1426" lry="1817" ulx="288" uly="1775">direkt unter engliſcher Herrſchaft ſtehenden Länder von Oſtindien</line>
        <line lrx="1422" lry="1867" ulx="288" uly="1825">über 239 Millionen (genau 239,938,695) beträgt. Es war keine</line>
        <line lrx="1428" lry="1917" ulx="288" uly="1875">leichte Aufgabe, dieſe Zählung vorzunehmen. Zwar waren einzelne</line>
        <line lrx="1425" lry="1967" ulx="288" uly="1925">Verſuche dieſer Art ſchon zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhun⸗</line>
        <line lrx="1423" lry="2016" ulx="288" uly="1975">derts von einigen Beamten gemacht worden, welche in ihren eige⸗</line>
        <line lrx="1425" lry="2067" ulx="288" uly="2025">nen Bezirken die Zahl der Einwohner auf indirektem Wege an⸗</line>
        <line lrx="1427" lry="2117" ulx="288" uly="2075">nähernd feſtzuſtellen ſuchten, indem ſie von der Zahl der Häuſer</line>
        <line lrx="1427" lry="2167" ulx="289" uly="2126">oder von dem Umfang des angebauten Landes auf die Volksmenge</line>
        <line lrx="1426" lry="2217" ulx="288" uly="2175">ſchloſſen. Von der Regierung ſelbſt wurde die Sache erſt im J.</line>
        <line lrx="1425" lry="2268" ulx="289" uly="2221">1851 in die Hand genommen und ſeit jener Zeit ſind auch in ver⸗</line>
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        <line lrx="332" lry="344" ulx="316" uly="318">4</line>
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      <zone lrx="1484" lry="2021" type="textblock" ulx="300" uly="376">
        <line lrx="1455" lry="419" ulx="316" uly="376">ſchiedenen Gegenden mit mehr oder weniger Erfolg eigentliche</line>
        <line lrx="1454" lry="469" ulx="315" uly="426">Zählungen veranſtaltet worden. Aber erſt im J. 1871 ſollte es</line>
        <line lrx="1454" lry="518" ulx="315" uly="476">zur Aufnahme eines vollſtändigen, den Anforderungen der modernen</line>
        <line lrx="1453" lry="568" ulx="314" uly="527">Statiſtik entſprechenden Cenſus von ganz Indien kommen,</line>
        <line lrx="1453" lry="619" ulx="313" uly="578">nicht nur über die Zahl, ſondern auch über die Kaſte, Religion,</line>
        <line lrx="1452" lry="669" ulx="312" uly="627">Beſchäftigung, den Bildungs⸗ und Geſundheitsſtand, das Alter und</line>
        <line lrx="1452" lry="719" ulx="311" uly="677">andere Verhältniſſe der Eingebornen. Was für eine enorme Ar⸗</line>
        <line lrx="1451" lry="769" ulx="310" uly="727">beit und wie maſſenhafte Schreibereien dies Unternehmen mit ſich</line>
        <line lrx="1452" lry="819" ulx="309" uly="772">brachte, das kann man u. A. daraus ſchließen, daß nachher von</line>
        <line lrx="1444" lry="870" ulx="311" uly="823">der Madras⸗Regierung allein 70 Tonnen Makulatur⸗Papier ver⸗</line>
        <line lrx="1484" lry="920" ulx="308" uly="877">kauft wurden, das von den Cenſus⸗Tabellen übrig geblieben war!</line>
        <line lrx="1450" lry="969" ulx="391" uly="927">Im Ganzen kann man ſagen, daß die Sache gelungen iſt,</line>
        <line lrx="1449" lry="1019" ulx="308" uly="977">obgleich die Vielſprachigkeit, das Mißtrauen des Volkes, die Lü⸗</line>
        <line lrx="1447" lry="1069" ulx="308" uly="1027">genhaftigkeit und Beſtechlichkeit der Unterbeamten die Arbeit außer⸗</line>
        <line lrx="1449" lry="1119" ulx="308" uly="1077">ordentlich erſchwert hat. Allgemein war z. B. das Gerücht ver⸗</line>
        <line lrx="1448" lry="1170" ulx="306" uly="1128">breitet, die Regierung wolle neue Abgaben einführen und laſſe zu</line>
        <line lrx="1447" lry="1220" ulx="306" uly="1178">dieſem Zweck alle Steuerpflichtigen aufſchreiben, weil aber nicht nur</line>
        <line lrx="1441" lry="1270" ulx="305" uly="1229">die Köpfe gezählt, ſondern auch nach Kaſte und Religionsbekenntniß</line>
        <line lrx="1446" lry="1321" ulx="306" uly="1279">gefragt wurde, ſo entſtand die Meinung, es handle ſich darum, das</line>
        <line lrx="1444" lry="1371" ulx="305" uly="1329">ganze Volk mit Gewalt zu Chriſten zu machen. In Oriſſa, wo</line>
        <line lrx="1442" lry="1422" ulx="304" uly="1380">früher die Regierung großartige Anſtrengungen zur Linderung der</line>
        <line lrx="1446" lry="1472" ulx="303" uly="1430">Hungersnoth gemacht hatte, kam die Anſicht auf, jetzt wolle die⸗</line>
        <line lrx="1445" lry="1521" ulx="303" uly="1480">ſelbe ſich für die damals gebrachten Qpfer entſchädigen und an ei⸗</line>
        <line lrx="1445" lry="1571" ulx="303" uly="1530">nigen Orten munkelte man ſogar, die Bevölkerung ſei zu groß, die</line>
        <line lrx="1445" lry="1622" ulx="303" uly="1580">Regierung gehe deßwegen mit dem Gedanken um ſie durch Aus⸗</line>
        <line lrx="1445" lry="1672" ulx="302" uly="1630">wanderung oder Hinſchlachtung zu verringern. Andere ſprengten</line>
        <line lrx="1445" lry="1720" ulx="302" uly="1680">aus, man brauche Weiber für die europäiſchen Soldaten oder es</line>
        <line lrx="1444" lry="1771" ulx="302" uly="1730">ſeien Frohnarbeiter für irgend ein großes Bauwerk oder Truppen</line>
        <line lrx="1444" lry="1822" ulx="301" uly="1780">zu einem Krieg gegen Rußland nöthig. Das Luſtigſte aber war</line>
        <line lrx="1444" lry="1871" ulx="302" uly="1830">ein Gerücht, die Königin von England leide ſo an Hitze, daß ſie</line>
        <line lrx="1443" lry="1921" ulx="300" uly="1879">beſtändig bei Tag und Nacht gefächelt werden müſſe, und für die⸗</line>
        <line lrx="1482" lry="1971" ulx="306" uly="1924">ſen Dienſt ſollten jetzt aus allen Dörfern Indiens je zwei junge</line>
        <line lrx="1239" lry="2021" ulx="300" uly="1978">Mädchen ausgehoben und übers Meer geſchickt werden.</line>
      </zone>
      <zone lrx="1440" lry="2273" type="textblock" ulx="292" uly="2080">
        <line lrx="1440" lry="2123" ulx="299" uly="2080">möglichſt Lügen zu ſtrafen, den Leuten die wohlwollenden Abſichten</line>
        <line lrx="1440" lry="2173" ulx="300" uly="2130">der Regierung auseinanderzuſetzen und überhaupt die ganze Cen⸗</line>
        <line lrx="1440" lry="2223" ulx="292" uly="2180">ſus⸗Angelegenheit ſo populär als möglich zu machen. Es wurden</line>
        <line lrx="1439" lry="2273" ulx="299" uly="2228">daher die Dorfhäupter zugezogen, ihnen, und nicht fremden Beam⸗</line>
      </zone>
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      </zone>
      <zone lrx="1440" lry="2260" type="textblock" ulx="247" uly="357">
        <line lrx="1419" lry="414" ulx="280" uly="357">ten, das Geſchäft des Zählens übertragen und überhaupt ihnen</line>
        <line lrx="1419" lry="461" ulx="281" uly="408">alles Vertrauen entgegengebracht. Das war in manchen Fällen</line>
        <line lrx="1421" lry="516" ulx="249" uly="458">nicht ohne Erfolg. In den Santal⸗Perganas z. B., wo einige</line>
        <line lrx="1420" lry="565" ulx="283" uly="508">Dörfer bei der Zählung überſehen worden waren, kamen die Ein⸗</line>
        <line lrx="1421" lry="615" ulx="282" uly="558">wohner ſelbſt zu den Beamten und fragten, was ſie denn verbro⸗</line>
        <line lrx="1421" lry="666" ulx="284" uly="608">chen hätten, daß man an ihren Häuſern vorüber gegangen ſei.</line>
        <line lrx="1421" lry="711" ulx="284" uly="658">Aber natürlich werden immer noch manche Fehler und wohl auch</line>
        <line lrx="1416" lry="766" ulx="285" uly="708">hie und da abſichtliche Fälſchungen mit untergelaufen und ſchließ⸗</line>
        <line lrx="1423" lry="814" ulx="285" uly="758">lich im Cenſus ſtehen geblieben ſein. Hatten doch an mehreren</line>
        <line lrx="1425" lry="859" ulx="285" uly="808">Orten die Leute auch ihre Schutzgötter mitgezählt und wie bei allen</line>
        <line lrx="1423" lry="913" ulx="247" uly="859">anderen Familiengliedern, Geſchlecht, Alter n. ſ. w. derſelben ge⸗</line>
        <line lrx="1425" lry="962" ulx="286" uly="908">treulich angegeben, und noch öfter wird es vorgekommen ſein, daß</line>
        <line lrx="1427" lry="1013" ulx="287" uly="959">aus Furcht vor neuen Steuern oder dergl. die Zahlen zu klein an⸗</line>
        <line lrx="1426" lry="1065" ulx="292" uly="1007">gegeben wurden, ſo daß wahrſcheinlich ein künftiger Cenſus, auch</line>
        <line lrx="1425" lry="1115" ulx="290" uly="1059">abgeſehn von dem beſtändigen Wachſen der Bevölkerung, noch grö⸗</line>
        <line lrx="913" lry="1164" ulx="290" uly="1115">ßere Zahlen wird aufzuweiſen haben.</line>
        <line lrx="1426" lry="1210" ulx="371" uly="1158">Und wie vertheilen ſich nun jene 239 Millionen auf die ver⸗</line>
        <line lrx="1431" lry="1264" ulx="292" uly="1208">ſchiedenen Berufs⸗ und Religionsabtheilungen? oder wenigſtens die</line>
        <line lrx="1427" lry="1310" ulx="295" uly="1259">190 Millionen, welche unmittelbar unter engliſcher Herrſchaft ſte⸗</line>
        <line lrx="1432" lry="1364" ulx="292" uly="1308">hen? denn bei dieſen allein war es möglich ſolche Unterſchiede zu</line>
        <line lrx="1432" lry="1409" ulx="294" uly="1360">ermitteln. Die Antwort auf dieſe Frage iſt wohl geeignet den</line>
        <line lrx="1432" lry="1464" ulx="296" uly="1410">chriſtlichen Miſſionsfreund theils mit Schrecken theils mit Scham</line>
        <line lrx="1434" lry="1515" ulx="294" uly="1456">zu erfüllen! Neben 140 Millionen eigentlichen Hindus, welche</line>
        <line lrx="1434" lry="1562" ulx="295" uly="1510">unter brahmaniſcher Prieſter⸗, Bücher⸗ und Götzenherrſchaft ſtehen,</line>
        <line lrx="1434" lry="1610" ulx="295" uly="1561">40 Millionen Muhammedanern, welche jeden Augenblick bereit</line>
        <line lrx="1434" lry="1664" ulx="295" uly="1610">ſind das Schwert gegen ihre ungläubigen Unterdrücker und Mit⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="1713" ulx="296" uly="1660">unterthanen zu ziehen, 2 —3 Millionen Buddhiſten und Dſchai⸗</line>
        <line lrx="1437" lry="1762" ulx="297" uly="1710">nas, die eigentlich lauter Gottesleugner ſind, 1 Million Sikhs</line>
        <line lrx="1436" lry="1813" ulx="297" uly="1760">oder kriegeriſchen Schülern des berühmten Reformators Nanak, und</line>
        <line lrx="1438" lry="1863" ulx="296" uly="1811">mehreren Millionen Parſis, Teufelanbetern und ſonſtigen</line>
        <line lrx="1438" lry="1915" ulx="297" uly="1860">Heiden, neben all' dieſen in Finſterniß und Schatten des Todes</line>
        <line lrx="1435" lry="1963" ulx="298" uly="1907">ſitzenden Menſchenſchaaren gibt es in Britiſch⸗Indien im Ganzen</line>
        <line lrx="1437" lry="2009" ulx="299" uly="1960">nur 900,000 Chriſten, von denen erſt noch die Mehrzahl un⸗</line>
        <line lrx="1439" lry="2061" ulx="299" uly="2010">wiſſende, oft über die Heiden nicht ſehr hoch erhabene Verehrer des</line>
        <line lrx="1439" lry="2111" ulx="300" uly="2055">Papſtes und überdies 250,000 Europäer und Halbeuropäer ſich</line>
        <line lrx="1440" lry="2160" ulx="300" uly="2110">befinden, ſo daß das Häuflein wirklich eingeborner, evangeliſcher</line>
        <line lrx="1440" lry="2211" ulx="303" uly="2160">Chriſten auf nur 2 — 300, 000 zuſammenſchmilzt. Unter einer Schaar</line>
        <line lrx="1440" lry="2260" ulx="303" uly="2211">von mehr als 200 Leuten, die man alſo in Indien zu ſehen bekommt,</line>
      </zone>
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      <zone lrx="1449" lry="2270" type="textblock" ulx="294" uly="322">
        <line lrx="326" lry="347" ulx="311" uly="322">6</line>
        <line lrx="1449" lry="426" ulx="309" uly="380">dürfte man ſich nach dieſer Rechnung vielleicht Einen Getauften und</line>
        <line lrx="1063" lry="472" ulx="311" uly="429">unter je 5— 600 Einen Proteſtanten denken!</line>
        <line lrx="1448" lry="525" ulx="393" uly="480">Da haben freilich wir europäiſche Chriſten viel verſäumt und</line>
        <line lrx="1448" lry="578" ulx="308" uly="524">wenig gethan, ſo daß des Landes noch gar viel einzunehmen übrig</line>
        <line lrx="1447" lry="627" ulx="307" uly="582">iſt und wir keinen Augenblick zögern dürfen, mit neuem Eifer und</line>
        <line lrx="1447" lry="677" ulx="307" uly="631">neuen Opfern unſere Schuldigkeit gegenüber dieſen Millionen</line>
        <line lrx="1447" lry="724" ulx="306" uly="681">Indiens willig zu thun. Denſelben Eindruck bekommt man aber</line>
        <line lrx="1446" lry="778" ulx="306" uly="732">auch, wenn man die verſchiedenen Beſchäftigungen dieſer Leute an⸗</line>
        <line lrx="1445" lry="826" ulx="305" uly="782">ſieht. Denn obgleich zwar  aller Einwohner Ackerbau treiben und</line>
        <line lrx="1444" lry="880" ulx="305" uly="833">eine entſprechende Anzahl Kaufleute und Handwerker ſind, ſo figu⸗</line>
        <line lrx="1443" lry="928" ulx="304" uly="883">riren in den Liſten doch immer noch 10,000 Aſtrologen, 3000 reli⸗</line>
        <line lrx="1445" lry="980" ulx="305" uly="933">giöſe Schwärmer und Bettler, 103,000 ſog. Gäſte oder richtiger</line>
        <line lrx="1443" lry="1031" ulx="304" uly="983">Schmarotzer und Bummler, 465 Teufelaustreiber, 5 Hexenmeiſter,</line>
        <line lrx="1442" lry="1082" ulx="303" uly="1032">361 profeſſionsmäßige Diebe, eine Menge Schlangenbändiger,</line>
        <line lrx="1442" lry="1130" ulx="304" uly="1082">Gaukler*), Zauberer und überdies die ungezählten Schaaren von</line>
        <line lrx="1442" lry="1182" ulx="302" uly="1133">Prieſtern, Teufelsdienern, Mönchen, Tanzmädchen, öffentlichen</line>
        <line lrx="1442" lry="1231" ulx="303" uly="1182">Dirnen und wie ſie alle heißen, dieſe unglücklichen Menſchen, welche</line>
        <line lrx="1442" lry="1282" ulx="299" uly="1232">vom Götzendienſt und für den Götzendieſt leben, halb als Verführer</line>
        <line lrx="715" lry="1323" ulx="301" uly="1282">und halb als Verführte!</line>
        <line lrx="1440" lry="1386" ulx="383" uly="1332">Wenn man fragt, woher es komme, daß Indien nicht ſchon</line>
        <line lrx="1438" lry="1432" ulx="302" uly="1382">längſt ein chriſtliches Land geworden, ſo liegt die Antwort vorzüglich</line>
        <line lrx="1437" lry="1481" ulx="301" uly="1432">auch im Vorhandenſein all' dieſer Tauſende, welche, wie einſt De⸗</line>
        <line lrx="1437" lry="1529" ulx="298" uly="1482">metrius der Goldſchmied und ſeine ganze Zunft in Epheſus, das</line>
        <line lrx="1436" lry="1581" ulx="299" uly="1532">größte Intereſſe haben, daß die Tempel und Götzen in Ehren</line>
        <line lrx="1436" lry="1686" ulx="362" uly="1644">*) Dieſe indiſchen Gaukler und Schlangenbeſchwörer haben ihren alten, wohl⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="1725" ulx="296" uly="1686">begründeten Ruf auch dem britiſchen Thronfolger gegenüber bewährt und durch</line>
        <line lrx="1433" lry="1774" ulx="296" uly="1727">ihre Künſte zu wiederholten Malen ihn und ſeine Begleiter in Staunen geſetzt.</line>
        <line lrx="1438" lry="1811" ulx="299" uly="1769">„Zum erſtenmal ließ er ſich ſolche Brüder der Magierzunft während ſeines Auf⸗</line>
        <line lrx="1438" lry="1857" ulx="298" uly="1810">enthalts zu Parell bei Bombay vorführen. Es waren ein paar alte zerlumpte</line>
        <line lrx="1438" lry="1892" ulx="297" uly="1851">Geſellen, gefolgt von einer Schaar gleichfalls alter Weiber in Flitterſtaat, die den</line>
        <line lrx="1437" lry="1936" ulx="296" uly="1894">muſikaliſchen Theil der Vorſtellung beſorgten. Dieſe ſelbſt wurde durch Kunſt⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="1977" ulx="296" uly="1935">ſtücke eingeleitet, welche auch abendländiſchen Taſchenſpielern nicht unbekannt ſind</line>
        <line lrx="1435" lry="2018" ulx="295" uly="1977">und theilweiſe mit gutem Erfolg auf Jahrmärkten zu ſehen ſind, wie beſonders</line>
        <line lrx="1433" lry="2066" ulx="295" uly="2020">das Feuerverſchlingen und Feuerſpeien. Die höheren Zauberkünſte wurden durch</line>
        <line lrx="1434" lry="2102" ulx="295" uly="2061">den Tanz zweier Kobras eingeleitet. Dieſe bösartigen Schlangen, die jedoch ihrer</line>
        <line lrx="1432" lry="2144" ulx="296" uly="2104">Giftzähne beraubt waren, ziſchten ganz unerwartet aus zwei Körben hervor, nach⸗</line>
        <line lrx="1431" lry="2184" ulx="294" uly="2145">dem ſich zuerſt Jedermann von deren Leerheit feſt überzeugt hatte. Wuth und</line>
        <line lrx="1430" lry="2228" ulx="294" uly="2187">Furcht drückten ſich in ihren Tanzbewegungen aus, und es ſchien als ob ſie ſich</line>
        <line lrx="1430" lry="2270" ulx="295" uly="2228">am liebſten auf ihre Beſchwörer geſtürzt und den angethanen Zwang mit tödt⸗</line>
      </zone>
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      <zone lrx="1438" lry="371" type="textblock" ulx="1423" uly="348">
        <line lrx="1438" lry="371" ulx="1423" uly="348">7</line>
      </zone>
      <zone lrx="1439" lry="1400" type="textblock" ulx="298" uly="400">
        <line lrx="1438" lry="447" ulx="300" uly="400">bleiben. Der wahre Gott der indiſchen Welt zwar iſt nicht Brahma,</line>
        <line lrx="1439" lry="496" ulx="300" uly="450">Viſchnu, Schiwa oder ein anderer der 333 Millionen Götter, an</line>
        <line lrx="1438" lry="547" ulx="299" uly="501">welche die Hindus vorgeben zu glauben, ſondern — wie auch ander⸗</line>
        <line lrx="1438" lry="598" ulx="300" uly="551">wärts — Mammon, der Geldgott; und dieſer hält eigentlich das</line>
        <line lrx="1437" lry="648" ulx="300" uly="601">ganze Götzenweſen aufrecht, mit allem was drum und dran hängt.</line>
        <line lrx="1439" lry="697" ulx="299" uly="651">Die Zahl derer, welche ihren Lebensunterhalt oder auch Gewinnſt</line>
        <line lrx="1439" lry="750" ulx="299" uly="701">und Reichthum aus dem Götzendienſt und Aberglauben ziehen, iſt</line>
        <line lrx="1438" lry="799" ulx="299" uly="751">viel größer als man ſich vorſtellt. Wenn man die Verehrung der</line>
        <line lrx="1438" lry="845" ulx="300" uly="800">Götzen in Indien abſchaffen wollte, ſo wäre das, wie wenn in</line>
        <line lrx="1437" lry="897" ulx="299" uly="851">Europa das Wein⸗ und Biertrinken aufhören ſollte. Es würden</line>
        <line lrx="1436" lry="949" ulx="298" uly="902">ſich nicht nur die Liebhaber dieſer Getränke dagegen auflehnen,</line>
        <line lrx="1437" lry="1000" ulx="298" uly="952">ſondern auch alle Wirthe, Ausſchenker, Bierbrauer, Weinpflanzer</line>
        <line lrx="1437" lry="1051" ulx="299" uly="1003">und das zahlloſe Heer der von dieſen mehr oder weniger abhängigen</line>
        <line lrx="1436" lry="1100" ulx="299" uly="1052">Arbeiter Einſprache erheben. Und ſo ſind in Indien zuerſt die</line>
        <line lrx="1436" lry="1148" ulx="300" uly="1102">Tempelbeſitzer mit ihren Familien und Verwandten da, dann die</line>
        <line lrx="1436" lry="1202" ulx="299" uly="1154">Pudſcharis, welche den täglichen Tempeldienſt beſorgen, den Gott</line>
        <line lrx="1433" lry="1251" ulx="299" uly="1204">waſchen, kleiden, putzen u. ſ. w., dann der Puranik, der die Puranas</line>
        <line lrx="1434" lry="1303" ulx="299" uly="1254">oder Religionsbücher vorliest, dann die Goſavis, Veiragis, San⸗</line>
        <line lrx="1435" lry="1353" ulx="298" uly="1304">jaſis, Sadhus, Jogis, Varekaris und das ganze Heer frommer</line>
        <line lrx="1435" lry="1400" ulx="298" uly="1353">Bettler und Mönche, dann die Upadhjajas, welche dis Leute in</line>
      </zone>
      <zone lrx="1436" lry="2301" type="textblock" ulx="295" uly="1471">
        <line lrx="1436" lry="1514" ulx="297" uly="1471">lichem Gifte vergolten hätten. Sodann ließ das Künſtlerpaar in kürzeſter Zeit</line>
        <line lrx="1436" lry="1552" ulx="298" uly="1513">einen niedlichen 18 Zoll hohen Mangobaum unter einem alten Tuch aus der Erde</line>
        <line lrx="1436" lry="1597" ulx="299" uly="1556">emporwachſen, nachdem ſie erſt den Samenkern ſorgfältig eingelegt hatten. Darauf</line>
        <line lrx="1435" lry="1638" ulx="298" uly="1598">wurde ein zwölfjähriger Knabe an Händen und Füßen feſtgebunden und, in ein</line>
        <line lrx="1434" lry="1679" ulx="297" uly="1639">Netz gewickelt, in einen Korb verpackt. Bald rührte ſich's im Korb; Strick und</line>
        <line lrx="1434" lry="1722" ulx="297" uly="1681">Netz wurden unter dem Deckel durchgeſchoben. Als nun der Alte, darüber erbost,</line>
        <line lrx="1434" lry="1764" ulx="298" uly="1722">den Korb zertrat und zerſtampfte, und einen ſpitzen Stock durch das Geflechte ſtieß,</line>
        <line lrx="1434" lry="1805" ulx="297" uly="1764">da regte ſich bei den Zuſchauern das Gefühl des Mitleids für den armen Jungen</line>
        <line lrx="1434" lry="1853" ulx="296" uly="1805">und der Entrüſtung gegen den grauſamen Alten. Aber ſiehe da — der Junge</line>
        <line lrx="1435" lry="1887" ulx="298" uly="1847">lachte vom nächſten Baum herunter, und der Korb war leer. Inzwiſchen aber</line>
        <line lrx="1434" lry="1928" ulx="296" uly="1889">waren dem kleinen Mangobaum unter der ſchützenden Decke allerliebſte kleine</line>
        <line lrx="1434" lry="1970" ulx="297" uly="1930">Früchte entwachſen! So führten die Gaukler ihr ganzes Programm durch, die⸗</line>
        <line lrx="1433" lry="2011" ulx="296" uly="1972">ſelben Stücke, wie ſie ſchon viele hundert Mal geſehen und beſchrieben wurden und</line>
        <line lrx="1021" lry="2047" ulx="296" uly="2013">immer aufs Neue mit Grauſen bewundert werden“.</line>
        <line lrx="1431" lry="2096" ulx="361" uly="2056">Uebrigens mißlingt es dieſen Künſtlern auch bisweilen, wie denn erſt neulich</line>
        <line lrx="1433" lry="2138" ulx="295" uly="2097">in Kadapa ein ſolcher Gaukler, der ſich für unverletzlich ausgab und auf ſich ſchießen</line>
        <line lrx="1430" lry="2180" ulx="295" uly="2138">ließ, getroffen wurde und fiel. Gegen den nun vor Gericht gezogenen „Mörder“</line>
        <line lrx="1431" lry="2218" ulx="296" uly="2181">war es ſchwer zu verfahren, weil auch die Verwandten des Gauklers ihn von aller</line>
        <line lrx="1431" lry="2263" ulx="296" uly="2222">Schuld freiſprachen, da er bloß auf Verlangen des Getödteten geſchoßen habe und</line>
        <line lrx="892" lry="2301" ulx="296" uly="2264">dieſer früher immer unverletzt geblieben ſei.</line>
      </zone>
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        <line lrx="329" lry="379" ulx="313" uly="353">8</line>
      </zone>
      <zone lrx="1461" lry="2307" type="textblock" ulx="297" uly="412">
        <line lrx="1451" lry="459" ulx="313" uly="412">ihren Häuſern beſuchen und für ihre Gebete oder Ceremonien ſich</line>
        <line lrx="1451" lry="510" ulx="313" uly="462">bezahlen laſſen, dann die Schaſtris oder Gelehrten, welche die hei⸗</line>
        <line lrx="1451" lry="558" ulx="313" uly="512">ligen Bücher ſtudiren und erklären, dann die Kathakaris oder</line>
        <line lrx="1453" lry="607" ulx="314" uly="561">Geſchichtenerzähler, die Muſiker, Sänger, Schauſpieler, dann die</line>
        <line lrx="1452" lry="659" ulx="313" uly="612">Haridaſas, Bhattas und Maharadſchas, welch letztere, als Inkar⸗</line>
        <line lrx="1452" lry="709" ulx="313" uly="663">nationen der Gottheit angeſehen, zahlloſe Opfer in Empfang neh⸗</line>
        <line lrx="1453" lry="758" ulx="312" uly="714">men, dann das ganze Geſchlecht der Brahmanen überhaupt, die</line>
        <line lrx="1453" lry="805" ulx="313" uly="763">Götzenfabrikanten und noch viele andere, die um Brod und Amt</line>
        <line lrx="1454" lry="859" ulx="312" uly="813">kommen würden, wenn es kein Heidenthum mehr gäbe Das iſt</line>
        <line lrx="1453" lry="909" ulx="314" uly="863">aber noch nicht alles. Jedes Götzenbild muß auch ſeine Lampen</line>
        <line lrx="1452" lry="958" ulx="313" uly="912">und Möbel und Schmuckſachen, Räucherwerk, Blumen und Opfer</line>
        <line lrx="1455" lry="1006" ulx="313" uly="963">haben. Dann kommen die zahlreichen Götzenfeſte, bei denen wieder</line>
        <line lrx="1454" lry="1058" ulx="314" uly="1014">allerlei gebraucht wird, vom heiligen Aſchenpulver aus Kuhmiſt bis</line>
        <line lrx="1453" lry="1109" ulx="313" uly="1064">zu den koſtbarſten Kleidern und Putzſachen. All' dieſe Gegenſtände</line>
        <line lrx="1451" lry="1158" ulx="314" uly="1114">anzufertigen und zu verkaufen gibt es eine ganze Klaſſe nie un⸗</line>
        <line lrx="1450" lry="1208" ulx="313" uly="1163">beſchäftigter Handwerker und Kaufleute. Und von den Geldſummen,</line>
        <line lrx="1453" lry="1260" ulx="313" uly="1213">die auf ſolche Weiſe alljährlich umgeſetzt werden, kann man ſich</line>
        <line lrx="1452" lry="1308" ulx="314" uly="1263">einen Begriff machen, wenn man hört, daß z. B. in Bombay allein</line>
        <line lrx="1454" lry="1358" ulx="313" uly="1315">für die immer nach Jahresfriſt zu erneuernden Thonbilder des</line>
        <line lrx="1377" lry="1409" ulx="314" uly="1365">Ganapati jedesmal über 100,000 Gulden ausgegeben werden!</line>
        <line lrx="1453" lry="1458" ulx="399" uly="1415">Man redet oft ſpöttiſch von Reischriſten und denkt dabei an</line>
        <line lrx="1454" lry="1511" ulx="313" uly="1466">ſolche Bekehrte aus den Hindus, welche blos um des Bauches</line>
        <line lrx="1452" lry="1560" ulx="313" uly="1516">willen ihre Religion gewechſelt haben. Mit viel größerem Recht</line>
        <line lrx="1454" lry="1610" ulx="314" uly="1565">aber könnte man von Reisheiden ſprechen, die überhaupt keinen</line>
        <line lrx="1453" lry="1659" ulx="314" uly="1615">Gott haben als ihren Bauch und keine Religion als das Geld⸗</line>
        <line lrx="1453" lry="1710" ulx="313" uly="1665">machen. Vor Kurzem baute z. B. ein reicher Hindu einen herr⸗</line>
        <line lrx="1454" lry="1759" ulx="315" uly="1715">lichen Tempel in Bombay mit enormem Aufwand und ſcheinbar</line>
        <line lrx="1454" lry="1809" ulx="297" uly="1766">aus großer Frömmigkeit. Hintennach aber hört man, daß dieſer</line>
        <line lrx="1453" lry="1859" ulx="315" uly="1816">Tempelbau eine vortrefflich gelungene Geldſpekulation geweſen, in⸗</line>
        <line lrx="1461" lry="1908" ulx="315" uly="1866">dem die Opfer, welche das Volk bringt, in die Taſche des Beſitzers</line>
        <line lrx="1453" lry="1958" ulx="316" uly="1916">fließen und nach Abzug des Unterhaltes aller Angeſtellten als Rein⸗</line>
        <line lrx="1452" lry="2009" ulx="316" uly="1965">gewinn ihm übrig bleiben. Dann gibt es Leute, ſog. Pilgerfänger,</line>
        <line lrx="1452" lry="2059" ulx="315" uly="2015">welche ſich ein Geſchäft daraus machen, im Lande herumzuziehen</line>
        <line lrx="1451" lry="2107" ulx="315" uly="2065">und das Volk zu Wallfahrten zu überreden, um dann die frommen</line>
        <line lrx="1451" lry="2157" ulx="315" uly="2115">Pilger irgendwie auszuſaugen! Was Wunder, wenn unter ſolchen</line>
        <line lrx="1450" lry="2209" ulx="314" uly="2165">Umſtänden jede Miſſionspredigt und jeder Angriff auf das Heiden⸗</line>
        <line lrx="1450" lry="2257" ulx="314" uly="2215">thum als ein Verſuch erſcheint, den Leuten das Brod aus dem</line>
        <line lrx="630" lry="2307" ulx="314" uly="2264">Mund zu nehmen!</line>
      </zone>
    </surface>
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      </zone>
      <zone lrx="1478" lry="2293" type="textblock" ulx="287" uly="395">
        <line lrx="1446" lry="448" ulx="389" uly="395">Und zu dem allen kommt noch die Kaſte mit ihren in alle</line>
        <line lrx="1441" lry="499" ulx="307" uly="446">Einzelheiten des Lebens und in alle Schichten der Geſellſchaft ein⸗</line>
        <line lrx="1444" lry="551" ulx="308" uly="494">greifenden, bindenden und abſchließenden Wirkungen. Schulgerecht</line>
        <line lrx="1447" lry="594" ulx="308" uly="546">redet man in Europa meiſt nur von den vier urſprünglichen Kaſten</line>
        <line lrx="1449" lry="647" ulx="308" uly="597">der Brahmanen, Kſchatrias, Veiſchias und Schudras, es iſt mit</line>
        <line lrx="1447" lry="698" ulx="309" uly="647">dieſen aber gegangen wie mit den vier alten Vedas: es haben</line>
        <line lrx="1447" lry="748" ulx="309" uly="692">ſich eine Menge von Anhängſeln, Unterabtheilungen und Nach⸗</line>
        <line lrx="1448" lry="797" ulx="311" uly="748">ahmungen gebildet, ſo daß jetzt wie neben jenen ehrwürdigen alten</line>
        <line lrx="1449" lry="847" ulx="312" uly="796">Religionsbüchern eine Unzahl neuerer, weniger werthvoller Mach⸗</line>
        <line lrx="1451" lry="895" ulx="312" uly="849">werke, ſo neben den vier eigentlichen Kaſten ein weitverzweigtes</line>
        <line lrx="1451" lry="947" ulx="313" uly="897">Syſtem von Kaſtenabſtufungen ſpäteren Urſprungs ſich feſtgeſetzt hat.</line>
        <line lrx="1452" lry="998" ulx="313" uly="946">In Bengalen allein hat der letzte Cenſus nicht weniger als 1000</line>
        <line lrx="1451" lry="1047" ulx="313" uly="998">ſolcher nach unten wie nach oben gleich ſtreng abgeſchloſſener Geſell⸗</line>
        <line lrx="1453" lry="1097" ulx="315" uly="1046">ſchaftsgruppen herausgebracht, deren Mitglieder unter einander feſt</line>
        <line lrx="1453" lry="1148" ulx="316" uly="1099">zuſammenhalten, mit anderen, außerhalb ihrer Genoſſenſchaft Ste⸗</line>
        <line lrx="1454" lry="1197" ulx="315" uly="1148">henden aber nicht einmal zuſammen eſſen oder aus demſelben</line>
        <line lrx="1455" lry="1250" ulx="318" uly="1198">Brunnen trinken, geſchweige denn Zwiſchenheirathen ſchließen oder</line>
        <line lrx="1453" lry="1295" ulx="318" uly="1248">andere Gemeinſchaft pflegen können. Man mag über dies Kaſten⸗</line>
        <line lrx="1455" lry="1346" ulx="319" uly="1298">weſen noch ſo milde urtheilen, es bleibt dabei, daß es ein Haupt⸗</line>
        <line lrx="1454" lry="1396" ulx="318" uly="1348">bollwerk gegen die Ausbreitung des Chriſtenthums abgibt und auch</line>
        <line lrx="1453" lry="1446" ulx="318" uly="1399">von aufgeklärteren Hindus trotz aller Reformbewegungen und groß⸗</line>
        <line lrx="1455" lry="1496" ulx="320" uly="1449">ſprecheriſchen Fortſchrittsbemühungen noch mit faſt krampfhafter</line>
        <line lrx="773" lry="1547" ulx="321" uly="1505">Zähigkeit feſtgehalten wird.</line>
        <line lrx="1458" lry="1594" ulx="402" uly="1549">Der alte Feind merkt wohl überhaupt, daß es ihm in Indien</line>
        <line lrx="1478" lry="1646" ulx="320" uly="1600">nachgerade doch ans Leben geht, und deßwegen nimmt er noch ein⸗</line>
        <line lrx="1456" lry="1694" ulx="320" uly="1651">mal alle Kraft zuſammen um dem langſam aber ſiegreich voran⸗</line>
        <line lrx="1459" lry="1745" ulx="320" uly="1700">ſchreitenden Evangelium verzweifelten Widerſtand zu leiſten. Was</line>
        <line lrx="1459" lry="1794" ulx="321" uly="1750">anderes iſt es, wenn in neuerer Zeit die Heiden ſelbſt anfangen</line>
        <line lrx="1458" lry="1844" ulx="322" uly="1799">eine Art Gegenmiſſion zu treiben, götzendieneriſche Traktate</line>
        <line lrx="1459" lry="1894" ulx="321" uly="1850">zu verbreiten und ſogar öffentlich gegen das Chriſtenthum zu pre⸗</line>
        <line lrx="1460" lry="1944" ulx="321" uly="1900">digen? So ſchreibt z. B. Miſſ. Sandegren aus Koimbatur: „Bis</line>
        <line lrx="1460" lry="1995" ulx="321" uly="1951">jetzt waren es hauptſächlich die heidniſchen Verwandten, welche un⸗</line>
        <line lrx="1459" lry="2045" ulx="321" uly="2001">ſere Chriſten zum Abfall zu bewegen ſuchten, ſeit einiger Zeit reiſt</line>
        <line lrx="1457" lry="2093" ulx="322" uly="2050">nun aber ein heidniſcher Brahmane umher und predigt öffentlich</line>
        <line lrx="1460" lry="2144" ulx="287" uly="2099">gegen das Chriſtenthum. Er kennt die Bibel ſehr gut — oder rich⸗</line>
        <line lrx="1461" lry="2193" ulx="322" uly="2151">tiger ſehr ſchlecht — und citirt immer Stellen daraus um die</line>
        <line lrx="1462" lry="2243" ulx="323" uly="2198">Leute zu überzeugen, daß unſere Lehre ganz falſch und die Bibel</line>
        <line lrx="1461" lry="2293" ulx="323" uly="2250">voller Widerſprüche ſei. Es ſind ja viele Bücher gegen das</line>
      </zone>
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        <line lrx="342" lry="360" ulx="313" uly="335">10</line>
      </zone>
      <zone lrx="1445" lry="2302" type="textblock" ulx="283" uly="392">
        <line lrx="1445" lry="450" ulx="309" uly="392">Chriſtenthum herübergebracht und auch unter den Heiden verbreitet</line>
        <line lrx="1444" lry="504" ulx="307" uly="444">worden, und dieſe ſcheint jener Brahmane beſonders ſtudirt zu</line>
        <line lrx="1443" lry="553" ulx="306" uly="492">haben. Der Beſuch deſſelben ſcheint übrigens das Gute gehabt zu</line>
        <line lrx="1443" lry="602" ulx="305" uly="542">haben, daß die Heiden dort etwas aus ihrer Gleichgültigkeit auf⸗</line>
        <line lrx="1439" lry="653" ulx="305" uly="596">gerüttelt ſind und jetzt anfangen nach der Wahrheit zu fragen.“</line>
        <line lrx="1438" lry="702" ulx="304" uly="643">Da haben wir ein Beiſpiel von dem großen Kampf, der jetzt in</line>
        <line lrx="1437" lry="753" ulx="302" uly="694">Indien gekämpft wird, dem Kampf zwiſchen Wahrheit und Lüge,</line>
        <line lrx="1438" lry="802" ulx="302" uly="745">Licht und Fiuſterniß, Neuheit des Geiſtes und altem Sauerteig des</line>
        <line lrx="1438" lry="854" ulx="301" uly="795">Fleiſches. Und dazu kommt, daß von dieſem Sauerteig ſich begreiflicher</line>
        <line lrx="1438" lry="905" ulx="301" uly="845">Weiſe auch unter den bekehrten und getauften Heiden noch ein gut</line>
        <line lrx="1436" lry="954" ulx="301" uly="895">Stück findet, ſo daß jener Kampf ſich innerhalb der chriſtlichen</line>
        <line lrx="1438" lry="1006" ulx="300" uly="945">Gemeinden, ja im Schooße jeder einzelnen Familie und ſchließlich</line>
        <line lrx="1437" lry="1051" ulx="300" uly="997">im Herzen eines jeden Angefaßten fortſetzt. Hievon nur Ein</line>
        <line lrx="1337" lry="1094" ulx="298" uly="1040">Beiſpiel.</line>
        <line lrx="1437" lry="1158" ulx="380" uly="1098">Bekanntlich halten die Hindus, ſowie die meiſten orientaliſchen</line>
        <line lrx="1437" lry="1204" ulx="297" uly="1148">Völker, es für eine große Schande, erwachſene unverheirathete Töchter</line>
        <line lrx="1435" lry="1255" ulx="296" uly="1198">im Hauſe zu haben. Dies Vorurtheil war früher die Quelle zahl⸗</line>
        <line lrx="1435" lry="1300" ulx="297" uly="1249">loſer Mädchenmorde. Der Familienvater wußte, daß die Ver⸗</line>
        <line lrx="1434" lry="1355" ulx="294" uly="1298">heirathung jeder Tochter eine oft ſeine Kräfte überſteigende Ansgabe</line>
        <line lrx="1430" lry="1405" ulx="294" uly="1350">verurſachen würde, wie es denn bis auf den heutigen Tag noch</line>
        <line lrx="1431" lry="1453" ulx="293" uly="1398">Leute in Indien gibt, die in Schulden ſtecken wegen der Unkoſten,</line>
        <line lrx="1431" lry="1507" ulx="293" uly="1449">welche die Verheirathung ihrer Großeltern mit ſich brachte! Daher</line>
        <line lrx="1432" lry="1551" ulx="292" uly="1500">wurde natürlich und wird immer noch die Geburt einer Tochter in</line>
        <line lrx="1432" lry="1608" ulx="290" uly="1549">jedem Hinduhauſe von mittelmäßigen Umſtänden als eine fin anzielle</line>
        <line lrx="1428" lry="1652" ulx="289" uly="1599">Kalamität angeſehen. Seit Jahrhunderten hat auf dieſe Weiſe der</line>
        <line lrx="1427" lry="1703" ulx="290" uly="1649">Gott Mammon jährlich Tauſende unſchuldiger Kinder zum blutigen</line>
        <line lrx="1428" lry="1757" ulx="289" uly="1699">Opfer bekommen und das Geſchrei der Gemordeten iſt aufgeſtiegen</line>
        <line lrx="1427" lry="1803" ulx="288" uly="1750">zum Himmel, bis durch das Einſchreiten der britiſchen Geſetzgebung</line>
        <line lrx="1425" lry="1852" ulx="287" uly="1801">dieſem Greuel wenn auch nicht völlig ein Ende gemacht, ſo doch</line>
        <line lrx="1429" lry="1902" ulx="287" uly="1850">Einhalt gethan wurde. Nur das Chriſtenthum kann auch dieſe</line>
        <line lrx="1424" lry="1952" ulx="286" uly="1900">Wunde von Grund aus heilen, der Arm der Regierung wird durch</line>
        <line lrx="1166" lry="1999" ulx="286" uly="1951">ſelbſt heidniſche Unterbeamte nur zu oft aufgehalten.</line>
        <line lrx="1423" lry="2051" ulx="368" uly="2002">Aber auch die Chriſten in Indien leiden noch von den Nach⸗</line>
        <line lrx="1445" lry="2102" ulx="285" uly="2050">wehen ſolch' heidniſcher Anſchauungen und Sitten. Laſſen ſie z. B</line>
        <line lrx="1425" lry="2150" ulx="284" uly="2100">ihre Töchter unverlobt aufwachſen, ſo werden namentlich an kleineren</line>
        <line lrx="1422" lry="2202" ulx="284" uly="2150">Orten die Mädchen dadurch ein Gegenſtand des widerwärtigſten</line>
        <line lrx="1424" lry="2250" ulx="285" uly="2200">Spottes, und ſo unrein ſind eben die geſellſchaftlichen Zuſtände unter</line>
        <line lrx="1422" lry="2302" ulx="283" uly="2250">den Hiudus, daß ſolche Mädchen einfach als feile Dirnen betrachtet</line>
      </zone>
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        <line lrx="1441" lry="329" ulx="1411" uly="304">11</line>
        <line lrx="1441" lry="405" ulx="302" uly="361">und behandelt werden. Ueberdies denken manche indiſche Chriſten,</line>
        <line lrx="1440" lry="456" ulx="302" uly="414">daß wenn ſie nicht ihre Töchter ſchon als Kinder verſorgen, dies</line>
        <line lrx="1440" lry="506" ulx="301" uly="464">ſpäter ſehr ſchwer fallen würde und ebenſo, daß ihre Söhne keine</line>
        <line lrx="1442" lry="556" ulx="299" uly="513">paſſenden Frauen finden würden, wenn ſie ſich nicht ſchon als</line>
        <line lrx="1439" lry="605" ulx="301" uly="563">Knaben verloben. Nichts wird mehr gefürchtet, als daß ein Mäd⸗</line>
        <line lrx="1435" lry="656" ulx="301" uly="613">chen eine alte Jungfer wird und jedes Mittel gilt für recht, wenn</line>
        <line lrx="1436" lry="706" ulx="301" uly="664">es nur ein ſolches Unglück abwendet. So iſt es denn erſt kürzlich</line>
        <line lrx="1438" lry="757" ulx="300" uly="713">z. B. unter den eingebornen Gemeindegliedern der amerikaniſchen</line>
        <line lrx="1441" lry="808" ulx="300" uly="765">biſchöflichen Methodiſtenmiſſion vorgekommen, daß einige von ihnen,</line>
        <line lrx="1438" lry="858" ulx="300" uly="814">dem Druck heidniſcher Verwandten und Nachbarn endlich nachgebend,</line>
        <line lrx="1442" lry="907" ulx="300" uly="865">ihre Kinder wieder nach der alten Sitte verloben ließen, und da</line>
        <line lrx="1436" lry="958" ulx="300" uly="915">natürlich kein chriſtlicher Geiſtlicher zur Einſegnung der Betreffen⸗</line>
        <line lrx="1437" lry="1007" ulx="300" uly="965">den zu haben war, ſo wandten ſie ſich an ihre alten heidniſchen</line>
        <line lrx="1437" lry="1058" ulx="301" uly="1016">Prieſter, welche nur zu froh waren, dadurch wenigſtens theilweiſe</line>
        <line lrx="1334" lry="1108" ulx="300" uly="1066">ihren alten Einfluß in ſolchen Familien wieder zu gewinnen.</line>
        <line lrx="1435" lry="1158" ulx="383" uly="1116">Eine andere Schwierigkeit beſteht darin, daß manche Kinder</line>
        <line lrx="1439" lry="1210" ulx="300" uly="1166">ſchon vor der Bekehrung ihrer Eltern mit Heiden verlobt worden</line>
        <line lrx="1438" lry="1259" ulx="299" uly="1217">ſind und die Angehörigen dieſer letztern ſich nun weigern, ihre</line>
        <line lrx="1437" lry="1309" ulx="299" uly="1267">Anſprüche aufzugeben. Was iſt nun in einem ſolchen Falle zu</line>
        <line lrx="1436" lry="1359" ulx="297" uly="1317">thun? Die meiſten eingebornen Chriſten ſtehen doch noch ſo ſehr</line>
        <line lrx="1430" lry="1410" ulx="299" uly="1368">unter der Nachwirkung ihrer früheren heidniſchen Lebens⸗ und</line>
        <line lrx="1432" lry="1461" ulx="299" uly="1417">Denkungsart, daß ſie in all' dieſen Dingen kaum etwas Verfäng⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="1510" ulx="300" uly="1467">liches und Unchriſtliches erkennen, ſondern blos eine Sache der</line>
        <line lrx="1433" lry="1560" ulx="300" uly="1517">Nationalſitte darin ſehen, wie etwa in Kleidungs⸗ und Nahrungs⸗</line>
        <line lrx="1435" lry="1611" ulx="300" uly="1567">eigenthümlichkeiten auch. Unter ſolchen Verhältniſſen iſt es freilich,</line>
        <line lrx="1436" lry="1660" ulx="299" uly="1617">wie ein Miſſionar bemerkt, nicht genug „fromm“ zu ſein, ſondern</line>
        <line lrx="1437" lry="1710" ulx="300" uly="1666">es iſt auch ein nicht geringes Maaß von Weisheit nothwendig, um</line>
        <line lrx="1433" lry="1759" ulx="300" uly="1716">auf der einen Seite nicht durch Nachgiebigkeit gegen das wieder</line>
        <line lrx="1437" lry="1811" ulx="299" uly="1766">einreißende heidniſche Weſen, auf der andern Seite nicht durch allzu</line>
        <line lrx="1432" lry="1860" ulx="300" uly="1815">große Strenge gegen dieſe Kinder im Glauben etwas zu verderben.</line>
        <line lrx="1439" lry="1911" ulx="382" uly="1867">Nimmt man hiezu noch all' die andern Schwierigkeiten, welche</line>
        <line lrx="1438" lry="1962" ulx="299" uly="1916">durch das Kaſtenweſen, durch das ſchlechte Beiſpiel vieler Europäer*),</line>
        <line lrx="1441" lry="2020" ulx="371" uly="1982">*) Als unlängſt in Bombay ein neuer Stapelplatz für die Baumwolle eröffnet</line>
        <line lrx="1439" lry="2062" ulx="300" uly="2024">und durch die götzendieneriſchen Ceremonien ein'ger Brahmanen eingeweiht wurde,</line>
        <line lrx="1441" lry="2102" ulx="298" uly="2065">hatten ſich auch einige der reichſten „chriſtlichen“ Kaufleute dazu eingeſtellt Ja Einer</line>
        <line lrx="1441" lry="2144" ulx="299" uly="2107">derſelben, welcher ſein Vermögen ebenfalls dem Baumwollhandel verdankt, hat vor</line>
        <line lrx="1441" lry="2186" ulx="299" uly="2148">einiger Zeit um mehrere tauſend Rupies einen ſchönen Götzentempel in Palita nu</line>
      </zone>
      <zone lrx="1439" lry="2266" type="textblock" ulx="299" uly="2190">
        <line lrx="1439" lry="2228" ulx="299" uly="2190">erbaut, natürlich aus Liebe nicht zu irgend einem bekannten oder unbekannten Gott,</line>
        <line lrx="665" lry="2266" ulx="299" uly="2232">ſondern zum Mammon!</line>
      </zone>
    </surface>
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        <line lrx="340" lry="332" ulx="311" uly="309">12</line>
      </zone>
      <zone lrx="1447" lry="1116" type="textblock" ulx="301" uly="366">
        <line lrx="1447" lry="417" ulx="307" uly="366">durch die einreißende Trunkſucht, durch die zwiſchen Eingebornen</line>
        <line lrx="1446" lry="469" ulx="307" uly="416">und Ausländern herrſchende Spannung u. ſ. w. bereitet werden, ſo</line>
        <line lrx="1446" lry="522" ulx="305" uly="467">muß man ſagen: es iſt wahrhaftig keine Kleinigkeit ein indiſcher</line>
        <line lrx="1446" lry="567" ulx="305" uly="515">Miſſionar zu ſein! Andrerſeits freilich iſt's auch wahr, daß es</line>
        <line lrx="1444" lry="618" ulx="305" uly="566">kein größeres, einladenderes, ausſichtsvolleres Arbeitsfeld geben kann,</line>
        <line lrx="1443" lry="668" ulx="303" uly="617">als dies gegenwärtig in einen ſo merkwürdigen Gährungsprozeß</line>
        <line lrx="1443" lry="718" ulx="304" uly="667">eingetretene Indien. Hört man, wie hie und da gerade die edel⸗</line>
        <line lrx="1445" lry="768" ulx="303" uly="717">ſten Geiſter ſich von Chriſtus angezogen fühlen, wie das Evangelium</line>
        <line lrx="1440" lry="814" ulx="303" uly="768">in den Zenanas als eine ſüße Botſchaft und als eine Ouelle des</line>
        <line lrx="1445" lry="868" ulx="301" uly="818">reichſten Troſtes begrüßt wird,*) wie eingeborne Bekehrte zu</line>
        <line lrx="1443" lry="917" ulx="303" uly="868">immer mehr Anſehen und Ein fluß gelangen, ja wie einige von ih⸗</line>
        <line lrx="1443" lry="968" ulx="305" uly="919">nen alles darangeben, um dem Heiland Seelen zu gewinnen; und</line>
        <line lrx="1444" lry="1016" ulx="304" uly="968">ſieht man, wie die alten Syſteme zuſammenbrechen und ſelbſt der</line>
        <line lrx="1439" lry="1067" ulx="302" uly="1018">Tempel eines Dſchagannath**) in Verfall geräth, wie ſogar Heiden</line>
        <line lrx="1441" lry="1116" ulx="304" uly="1067">(z3. B. der bekannte Dajanand Saraſwati) anfangen gegen den</line>
      </zone>
      <zone lrx="1442" lry="1361" type="textblock" ulx="316" uly="1167">
        <line lrx="1442" lry="1208" ulx="316" uly="1167">*) Der eingeb. Miſſ. Narajan Scheſchadri allein hat 8 Bibelfrauen unter ſich,</line>
        <line lrx="1441" lry="1249" ulx="366" uly="1210">von denen jede monatlich 30 — 40 Familien beſucht. Gelegentlich ertheilen ſie</line>
        <line lrx="1437" lry="1291" ulx="365" uly="1251">auch Leſeunterricht und tragen chriſtliche Lieder vor. Ueberall finden ſie</line>
        <line lrx="1440" lry="1333" ulx="365" uly="1293">freundliche Aufnahme und zum Abſchied heißt's immer: „wann kommt Ihr</line>
        <line lrx="486" lry="1361" ulx="371" uly="1335">wieder?“</line>
      </zone>
      <zone lrx="1443" lry="2265" type="textblock" ulx="298" uly="1393">
        <line lrx="1443" lry="1433" ulx="298" uly="1393">**) Ein großer Stein am herrlichen, ganz nur aus großen Felsblöcken und ohne</line>
        <line lrx="1437" lry="1474" ulx="365" uly="1435">Mörtel erbauten Dome der Pagode des Odſchagannath in Puri iſt vor eini⸗</line>
        <line lrx="1438" lry="1518" ulx="368" uly="1477">ger Zeit los geworden und mit fürchterlicher Wucht dicht neben den ſogen.</line>
        <line lrx="1441" lry="1558" ulx="365" uly="1518">Juwelen⸗Altar niedergeſtürzt, auf welchem der Gott gewöhnlich ſeinen Sitz</line>
        <line lrx="1442" lry="1602" ulx="366" uly="1561">hat. Gerade ein paar Tage vorher aber war dieſer auf ſeinem großen Wagen</line>
        <line lrx="1442" lry="1643" ulx="366" uly="1603">zu einem Beſuch bei ſeinem Schwiegervater, ½ Stunde von der Pagode,</line>
        <line lrx="1443" lry="1683" ulx="365" uly="1645">gebracht worden, während ſeine untröſtliche Gemahlin allein zurückgeblieben</line>
        <line lrx="1443" lry="1724" ulx="368" uly="1687">war und zum Zeichen ihres Kummers alle Lichter im Tempel hatte auslöſchen</line>
        <line lrx="1442" lry="1766" ulx="366" uly="1728">laſſen. Wäre er im Tempel geblieben, ſo wäre er und wohl viele ſeiner</line>
        <line lrx="1442" lry="1808" ulx="367" uly="1771">Prieſter und Anbeter erſchlagen worden. Die britiſchen Behörden haben nun</line>
        <line lrx="1441" lry="1850" ulx="367" uly="1812">eine Unterſuchung des Tempels angeordnet und die Verfügung getroffen, daß</line>
        <line lrx="1441" lry="1893" ulx="366" uly="1853">der Götze nicht zurückkehren dürfe, bis alles wieder in Ordnung und Sicher⸗</line>
        <line lrx="1441" lry="1934" ulx="367" uly="1896">heit ſei. Da der ganze Tempel aber ſehr baufällig iſt, dürfte es wenigſtens</line>
        <line lrx="1439" lry="1974" ulx="365" uly="1938">14 Jahre dauern, bis er wiederhergeſtellt iſt, denn ſeit 700 Jahren — 1150</line>
        <line lrx="1438" lry="2017" ulx="366" uly="1980">wurde er erbaut — iſt keine Kelle an ſein Gemäuer gekommen! Dſchagan⸗</line>
        <line lrx="1440" lry="2058" ulx="364" uly="2021">nath muß alſo vorläufig bei ſeinem Schwiegervater bleiben, wo er aber faſten</line>
        <line lrx="1439" lry="2100" ulx="366" uly="2063">muß, d. h. bloß Zuckerſachen, keine eigentliche Nahrung, namentlich keinen</line>
        <line lrx="1438" lry="2141" ulx="365" uly="2104">Reis, zu ſich nehmen darf. In Puri ſind daher ſeine armen Prieſter und</line>
        <line lrx="1437" lry="2182" ulx="366" uly="2146">Verehrer, welche ſonſt an ſeiner Tafel ſpeisten, in großer Noth. Ueberdies</line>
        <line lrx="1437" lry="2224" ulx="366" uly="2188">gibt es eine alte Weiſſagung, daß, wenn der erſte Stein von jenem Gewölbe</line>
        <line lrx="851" lry="2265" ulx="366" uly="2229">falle, der Tempel untergehen werde.</line>
      </zone>
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      <zone lrx="1437" lry="336" type="textblock" ulx="1407" uly="310">
        <line lrx="1437" lry="336" ulx="1407" uly="310">13</line>
      </zone>
      <zone lrx="1440" lry="2255" type="textblock" ulx="299" uly="368">
        <line lrx="1431" lry="411" ulx="299" uly="368">Götzendienſt zu predigen und doch durch den Bankrott des Brahma</line>
        <line lrx="1435" lry="461" ulx="299" uly="419">Samadſch bewieſen iſt, daß etwas ganz Neues nöthig iſt, ſo kann</line>
        <line lrx="1437" lry="512" ulx="300" uly="469">man über den Ausgang jenes Kampfes nicht zweifelhaft ſein. Hiefür</line>
        <line lrx="1438" lry="563" ulx="299" uly="520">ſpricht auch wieder die neueſte Miſſionsſtatiſtik von Indien, welche</line>
        <line lrx="1438" lry="612" ulx="300" uly="566">ſich in einem intereſſanten, zu Laknau erſchienenen Buche „The In-</line>
        <line lrx="1438" lry="661" ulx="301" uly="619">dian Missionary Directory“ findet: darnach gab es Ende</line>
        <line lrx="1437" lry="712" ulx="303" uly="668">1875 in ganz Indien zuſammen 607 evangeliſche Miſſionare, 311</line>
        <line lrx="1438" lry="762" ulx="301" uly="720">ordinirte Eingeborne und 266,391 Bekehrte. Verglichen mit den</line>
        <line lrx="1439" lry="813" ulx="300" uly="770">Zahlen vom Schluß des J. 1871 ergibt ſich als Fortſchritt der</line>
        <line lrx="1439" lry="862" ulx="302" uly="819">letzten vier Jahre ein Zuwachs von 15 Miſſionaren, 86 ordinirten</line>
        <line lrx="1439" lry="913" ulx="302" uly="869">Eingebornen und 42,133 Bekehrten, — doch ein Beweis dafür daß</line>
        <line lrx="1288" lry="962" ulx="302" uly="921">es vorwärts geht.</line>
        <line lrx="1435" lry="1011" ulx="383" uly="969">Die engliſch⸗indiſche Regierung, obgleich ausgeſprochener</line>
        <line lrx="1440" lry="1062" ulx="301" uly="1018">Maaßen vollſtändig neutral in allen Religionsſachen, muß indirekt</line>
        <line lrx="1435" lry="1112" ulx="301" uly="1068">doch das Ihrige zu dieſem ſchließlichen Siege des Chriſtenthums</line>
        <line lrx="1437" lry="1161" ulx="300" uly="1118">beitragen. Sieht man z. B. den letzten, 90 Folioſeiten umfaſſenden</line>
        <line lrx="1438" lry="1211" ulx="301" uly="1169">Bericht an, welcher über den „moraliſchen und materiellen Fort⸗</line>
        <line lrx="1438" lry="1261" ulx="301" uly="1217">ſchritt Indiens“ während der Jahre 1874 und 1875 ans britiſche</line>
        <line lrx="1436" lry="1309" ulx="301" uly="1266">Parlament erſtattet worden iſt, ſo kann man nicht anders als ſich</line>
        <line lrx="1436" lry="1360" ulx="301" uly="1314">freuen über den wohlwollenden, im Gruͤnde eben doch chriſtlichen</line>
        <line lrx="1439" lry="1409" ulx="302" uly="1366">Geiſt, mit welchem da alle möglichen Anſtren gungen zur Hebung</line>
        <line lrx="1439" lry="1459" ulx="301" uly="1417">des Volkes gemacht werden. Wir erwähnen nur einige Punkte.</line>
        <line lrx="1438" lry="1510" ulx="301" uly="1468">Lange war es eine Quelle der Unzufriedenheit, daß Eingeborne</line>
        <line lrx="1437" lry="1559" ulx="302" uly="1518">nicht zu höhern Verwaltungs⸗Aemtern zugelaſſen wurden; jetzt ar⸗</line>
        <line lrx="1430" lry="1608" ulx="302" uly="1567">beitet man neue Ordnungen aus, nach welchen dies möglich werden</line>
        <line lrx="1439" lry="1658" ulx="301" uly="1616">ſoll und bietet der ſtrebſamen Jugend unter Muhammedanern wie</line>
        <line lrx="1436" lry="1710" ulx="302" uly="1667">Hindus Gelegenheit dar, ſich auf ſolche Regierungsanſtellungen vor⸗</line>
        <line lrx="1439" lry="1758" ulx="302" uly="1717">zubereiten. Unter den früheren Landesherrn war der Ack erbau</line>
        <line lrx="1440" lry="1807" ulx="302" uly="1766">und die Ertragsfähigkeit des von Natur doch ſo fruchtbaren Bodens</line>
        <line lrx="1439" lry="1858" ulx="302" uly="1812">in erſchreckender Weiſe heruntergekommen und die Bauern dadurch</line>
        <line lrx="1439" lry="1906" ulx="302" uly="1865">in die äußerſte Armuth gerathen: jetzt werden keine Ausgaben ge⸗</line>
        <line lrx="1437" lry="1956" ulx="303" uly="1915">ſcheut, um durch rationelle Landwirthſchaft, durch Einführung eu⸗</line>
        <line lrx="1439" lry="2007" ulx="303" uly="1964">ropäiſcher Methoden und Werkzeuge, durch Muſterfarmen u. dgl.</line>
        <line lrx="1439" lry="2057" ulx="304" uly="2013">auch auf dieſem Gebiete eine Reform herbeizuführen. Früher war</line>
        <line lrx="1439" lry="2106" ulx="305" uly="2063">es bei ausbrechenden Hungersnöthen faſt unmöglich, aus benach⸗</line>
        <line lrx="1440" lry="2155" ulx="305" uly="2113">barten, vielleicht überreichen Provinzen, ſchnell genug das nöthige</line>
        <line lrx="1439" lry="2205" ulx="306" uly="2162">Getreide herbeizuſchaffen und Tauſende kamen jedesmal nach einer</line>
        <line lrx="1439" lry="2255" ulx="307" uly="2212">Mißernte durch Hunger und Mangel ums Leben: jetzt durchziehen</line>
      </zone>
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        <line lrx="341" lry="345" ulx="310" uly="319">14</line>
      </zone>
      <zone lrx="1447" lry="2121" type="textblock" ulx="294" uly="377">
        <line lrx="1447" lry="421" ulx="306" uly="377">bereits zahlreiche Eiſenbahnen, auf welche 2000 Millionen Mark</line>
        <line lrx="1446" lry="470" ulx="307" uly="428">engliſchen Kapitals verwandt worden ſind, das Land und wirken in</line>
        <line lrx="1441" lry="524" ulx="305" uly="478">Zeiten der Noth wie die Blutgefäße des menſchlichen Körpers, ab⸗</line>
        <line lrx="1441" lry="574" ulx="306" uly="528">geſehen von den ſonſtigen civiliſatoriſchen Einflüſſen?*) des vermehr⸗</line>
        <line lrx="1444" lry="624" ulx="308" uly="580">ten und beſchleunigten Verkehrs. Früher geſchah nichts zur Ab⸗</line>
        <line lrx="1444" lry="674" ulx="305" uly="630">wendung von Epidemien und anderen Landplagen, außer daß viel⸗</line>
        <line lrx="1444" lry="724" ulx="304" uly="679">leicht die ſtummen Götzen angerufen und ihnen zu Ehren Wall⸗</line>
        <line lrx="1443" lry="775" ulx="303" uly="729">fahrten veranſtaltet wurden, welche das Uebel nur ſteigerten und</line>
        <line lrx="1443" lry="822" ulx="303" uly="780">durch Anſteckung verbreiteten: jetzt werden überall Sanitätsmaß⸗</line>
        <line lrx="1443" lry="874" ulx="302" uly="831">regeln getroffen und eigene Beamte ſind angeſtellt über ihre Aus⸗</line>
        <line lrx="1442" lry="924" ulx="303" uly="879">führung zu wachen. Da das Fieber ſo große Verheerungen an⸗</line>
        <line lrx="1443" lry="975" ulx="302" uly="929">richtet und das einzige wirkſame Mittel dagegen, Chinin, für die</line>
        <line lrx="1439" lry="1026" ulx="303" uly="979">Eingebornen unerſchwinglich theuer war, ſo hat die Regierung große</line>
        <line lrx="1443" lry="1075" ulx="302" uly="1030">Pflanzungen von Chincona⸗Bäumen angelegt, in welchen jetzt ſchon</line>
        <line lrx="1441" lry="1125" ulx="302" uly="1079">2 ¾ Million Stämme ſtehen. Um der Quackſalberei entgegen</line>
        <line lrx="1439" lry="1175" ulx="300" uly="1131">zu arbeiten und auch den ärmſten Kranken Hilfe zu verſchaffen,</line>
        <line lrx="1439" lry="1224" ulx="301" uly="1181">ſind an vielen Orten Spitäler und Freiapotheken errich⸗</line>
        <line lrx="1441" lry="1274" ulx="299" uly="1231">tet, durch welche in Einem Jahre allein 1,840,000 Perſonen ärzt⸗</line>
        <line lrx="1441" lry="1324" ulx="301" uly="1280">liche Behandlung zu Theil wurde. Auch ſind mehrere mediziniſche</line>
        <line lrx="1440" lry="1373" ulx="299" uly="1329">Lehranſtalten errichtet worden, ſo daß in Bengalen allein 1183</line>
        <line lrx="1440" lry="1423" ulx="298" uly="1380">junge Leute ſich in ſolchen zu Doktoren und Chirurgen ausbilden</line>
        <line lrx="1439" lry="1473" ulx="299" uly="1430">laſſen; ja, mit Rückſicht auf die Vorurtheile des Volkes in Betreff</line>
        <line lrx="1438" lry="1522" ulx="298" uly="1480">der Frauen, werden auch weibliche Aerzte und Krankenpflegerinnen</line>
        <line lrx="1439" lry="1572" ulx="301" uly="1529">herangezogen. Ueberhaupt hat das Erziehungsweſen große Fort⸗</line>
        <line lrx="1438" lry="1622" ulx="297" uly="1579">ſchritte gemacht, ſogar die Mädchenſchulen fangen an ſich zu füllen,</line>
        <line lrx="1436" lry="1671" ulx="297" uly="1629">befinden ſich doch in der Präſidentſchaft Madras allein 11,900</line>
        <line lrx="1431" lry="1721" ulx="297" uly="1676">Mädchen in den Regierungsſchulen. Zwar haben aus Sparſam⸗</line>
        <line lrx="1433" lry="1771" ulx="296" uly="1729">keitsgründen in letzter Zeit einige Einſchränkungen in dieſem De⸗</line>
        <line lrx="1432" lry="1821" ulx="296" uly="1780">partement vorgenommen werden müſſen; um ſo erfreulicher aber</line>
        <line lrx="1434" lry="1871" ulx="296" uly="1828">iſt es, daß theils durchs Beiſpiel der Regieruug, theils namentlich</line>
        <line lrx="1432" lry="1920" ulx="296" uly="1878">durch den Beſuch des Prinzen von Wales zahlreiche Eingeborne,</line>
        <line lrx="1432" lry="1970" ulx="296" uly="1929">Fürſten und reiche Privatleute, angeregt worden ſind, große Sum⸗</line>
        <line lrx="1435" lry="2020" ulx="296" uly="1978">men für Unterrichtszwecke zu ſtiften. 11 Millionen Hindus ſollen</line>
        <line lrx="1429" lry="2071" ulx="294" uly="2028">jetzt bereits engliſch leſen und ſchreiben können! Bedeutend ſind</line>
        <line lrx="1434" lry="2121" ulx="295" uly="2079">ferner die Anſtrengungen, welche zur Ausrottung von wilden und</line>
      </zone>
      <zone lrx="1439" lry="2277" type="textblock" ulx="301" uly="2141">
        <line lrx="1439" lry="2193" ulx="301" uly="2141">2*) Freilich können jetzt auch viel mehr Leute zu den verſchiedenen Wallfahrts⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="2236" ulx="363" uly="2199">orten pilgern, als früher, aber durch das Eiſenbahnreiſen verlieren eben dieſe</line>
        <line lrx="941" lry="2277" ulx="364" uly="2242">Wallfahrten an Andacht und Feierlichkeit.</line>
      </zone>
    </surface>
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      <zone lrx="1423" lry="339" type="textblock" ulx="1391" uly="314">
        <line lrx="1423" lry="339" ulx="1391" uly="314">15</line>
      </zone>
      <zone lrx="1458" lry="2267" type="textblock" ulx="285" uly="367">
        <line lrx="1422" lry="411" ulx="286" uly="367">giftigen Thieren von der Regierung gemacht wurden. Viele tau⸗</line>
        <line lrx="1458" lry="464" ulx="286" uly="418">ſend Gulden ſind als Belohnung für getödtete Tiger oder Schlangen</line>
        <line lrx="1419" lry="513" ulx="286" uly="468">ausgegeben worden. Aber gerade hiebei zeigt ſich auch, wie unzu⸗</line>
        <line lrx="1422" lry="564" ulx="285" uly="517">reichend alle ſolche bloß von Oben herab angeordnete Maßregeln</line>
        <line lrx="1422" lry="613" ulx="286" uly="567">ſind. So wurden 1875 in Bengalen für 32,391 getödtete Brillen⸗</line>
        <line lrx="1421" lry="664" ulx="286" uly="617">ſchlangen 7,807 Gulden bezahlt, trotzdem aber in derſelben Zeit</line>
        <line lrx="1423" lry="713" ulx="287" uly="666">nicht weniger als 8,807 Menſchen durch Schlangenbiß getödtet!</line>
        <line lrx="1423" lry="764" ulx="287" uly="711">Wieder eine Zahl, die uns fühlen läßt, mit was für gewaltigen</line>
        <line lrx="1423" lry="814" ulx="286" uly="766">Maſſen und mit was für rieſigen Schwierigkeiten man es in In⸗</line>
        <line lrx="1423" lry="863" ulx="287" uly="817">dien zu thun hat. Während wir dies ſchreiben, kommt die Nach⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="914" ulx="286" uly="866">richt, daß durch einen furchtbaren Sturm am 31. Okt. v. J. allein</line>
        <line lrx="1424" lry="964" ulx="286" uly="916">in drei bengaliſchen Diſtrikten 215,000 Menſchen um's Leben ge⸗</line>
        <line lrx="1425" lry="1013" ulx="286" uly="966">kommen ſind! Drei große und bevölkerte Inſeln, an den Mün⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="1064" ulx="286" uly="1015">dungen des Ganges gelegen, wurden vollſtändig überſchwemmt und</line>
        <line lrx="1424" lry="1114" ulx="288" uly="1066">/4 aller Einwohner in den Fluthen begraben. Da es gerade Mit⸗</line>
        <line lrx="1425" lry="1166" ulx="286" uly="1118">ternacht war und die Leute ſchon ſchliefen, als plötzlich das Waſſer</line>
        <line lrx="1425" lry="1216" ulx="287" uly="1166">um 20 Fuß ſtieg, ſo konnten ſich nur wenige, zuerſt auf die Dächer</line>
        <line lrx="1424" lry="1266" ulx="286" uly="1216">ihrer Häuſer und dann auf die Gipfel ihrer Palmbäume flüchten.</line>
        <line lrx="1426" lry="1314" ulx="287" uly="1266">Ein paar wurden ſammt den Dächern ihrer Häuſer von den Wellen</line>
        <line lrx="1424" lry="1366" ulx="286" uly="1316">nach Tſchittagong an's Feſtland getragen und ſo gerettet. Aber auch</line>
        <line lrx="1422" lry="1413" ulx="286" uly="1365">hier herrſchte eine unſägliche Verheerung. Vieh, Getreide, Vor⸗</line>
        <line lrx="1422" lry="1463" ulx="286" uly="1416">räthe, Gärten, Häuſer — alles war zerſtört, und der Geſtank der</line>
        <line lrx="1423" lry="1520" ulx="286" uly="1464">Leichname verpeſtete weithin die Luft, ſo daß man die Entſtehung</line>
        <line lrx="1424" lry="1565" ulx="287" uly="1517">anſteckender Krankheiten und weiteres Unglück befürchten mußte. So⸗</line>
        <line lrx="1425" lry="1616" ulx="287" uly="1567">gleich hat nun aber auch die Regierung ſich der Heimgeſuchten auf's</line>
        <line lrx="1424" lry="1666" ulx="287" uly="1618">Kräftigſte und Umſichtigſte angenommen und den Eingebornen auf's</line>
        <line lrx="1424" lry="1717" ulx="287" uly="1668">Neue bewieſen, daß ſie nichts als ihr Beſtes ſucht. Aehnliches ge⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="1766" ulx="286" uly="1718">ſchieht im weſtlichen und ſüdlichen Indien, wo Theurung und theil⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="1815" ulx="287" uly="1769">weiſe Hungersnoth eingetreten iſt. Weder Mühe noch Koſten werden</line>
        <line lrx="1318" lry="1865" ulx="287" uly="1818">geſcheut um den davon Betroffenen Erleichterung zu ſchaffen.</line>
        <line lrx="1425" lry="1915" ulx="371" uly="1867">Nun, die Regierung thut was ſie kann. Die Hauptſache aber</line>
        <line lrx="1425" lry="1967" ulx="287" uly="1917">wird doch durch das Evangelium gethan werden müſſen, und zwiſchen</line>
        <line lrx="1425" lry="2017" ulx="287" uly="1967">dieſem und dem ganzen indiſchen Weſen iſt denn auch der Kampf im</line>
        <line lrx="1424" lry="2066" ulx="287" uly="2017">vollen Brennen. Nur ſo darf man ſich die Sache auch nicht vorſtellen,</line>
        <line lrx="1424" lry="2116" ulx="287" uly="2068">wie wenn nun die ganze Macht des Heidenthums mit allen ihren Ver⸗</line>
        <line lrx="1423" lry="2167" ulx="287" uly="2118">tretern auf der einen Seite und ihnen gegenüber in eben ſo ge⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="2216" ulx="287" uly="2166">ſchloſſener Reihe die kleine Schaar der Boten des Evangeliums</line>
        <line lrx="1425" lry="2267" ulx="288" uly="2217">ſtünde, um gleichſam in Einer Schlacht den ganzen großen Kampf</line>
      </zone>
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      <zone lrx="1460" lry="2109" type="textblock" ulx="316" uly="310">
        <line lrx="352" lry="335" ulx="323" uly="310">16</line>
        <line lrx="1460" lry="409" ulx="319" uly="364">zur Entſcheidung zu bringen. In Wirklichkeit geſchieht das an</line>
        <line lrx="1460" lry="458" ulx="319" uly="415">hundert und aberhundert verſchiedenen Punkten, oft ganz abgelegen</line>
        <line lrx="1459" lry="509" ulx="319" uly="465">und ungeſehen von der großen Welt in aller Unſcheinbarkeit und</line>
        <line lrx="1459" lry="559" ulx="318" uly="515">Kleinheit. Es geſchieht in geringen Dorfſchulen und in wiſſen⸗</line>
        <line lrx="1459" lry="610" ulx="320" uly="566">ſchaftlichen Hörſäälen, es geſchieht auf dem Bazar und im Tempel⸗</line>
        <line lrx="1459" lry="659" ulx="318" uly="615">hof, es geſchieht im Studirzimmer und im Gebet⸗Kämmerlein, und</line>
        <line lrx="1459" lry="707" ulx="319" uly="666">auf was wir hier beſonders hinweiſen möchten, es geſchieht an ver⸗</line>
        <line lrx="1459" lry="758" ulx="318" uly="715">ſchiedenen Orten, unter ganz verſchiedenen Stämmen, in verſchie⸗</line>
        <line lrx="1459" lry="807" ulx="318" uly="766">denen Sprachen unter den verſchiedenſten Verhältniſſen. Etwas</line>
        <line lrx="1455" lry="857" ulx="318" uly="814">Anderes iſt die Miſſion in Kalkutta und etwas Anderes die Miſ⸗</line>
        <line lrx="1458" lry="906" ulx="318" uly="865">ſion auf den Blauen Bergen, etwas Anderes im Pandſchab und</line>
        <line lrx="1459" lry="956" ulx="318" uly="915">unter den Kols in Tſchota Nagpur, etwas Anderes in Bombay und in</line>
        <line lrx="1457" lry="1006" ulx="317" uly="965">Tinneweli. Denn, wie geſagt, Indien iſt groß und tief, ja gewiſſer⸗</line>
        <line lrx="1457" lry="1056" ulx="318" uly="1015">maßen eine Welt für ſich mit allen Schattirungen und Nüancen reli⸗</line>
        <line lrx="1456" lry="1107" ulx="320" uly="1065">giöſer, ſprachlicher, geographiſcher und ſonſtiger Eigenthümlichkeiten.</line>
        <line lrx="1455" lry="1161" ulx="403" uly="1112">Es wäre daher eine Illuſion, wenn man meinen würde, durch</line>
        <line lrx="1457" lry="1207" ulx="322" uly="1164">einen flüchtigen „Blick auf das indiſche Miſſionsfeld“ oder auch durch</line>
        <line lrx="1457" lry="1257" ulx="318" uly="1216">eine gedrängte Rundſchau auf demſelben ſich eine richtige Vorſtellung</line>
        <line lrx="1458" lry="1307" ulx="317" uly="1266">von demſelben machen zu können. Freilich, wollte man immer nur</line>
        <line lrx="1457" lry="1372" ulx="317" uly="1316">bei der Betrachtung des Einzelnen ſtehen bleiben, ſo würde man</line>
        <line lrx="1455" lry="1407" ulx="319" uly="1365">„vor lauter Bäumen den Wald nicht ſehen,“ und doch iſt's wichtig,</line>
        <line lrx="1455" lry="1458" ulx="316" uly="1375">daß die Miſſionsfreunde einen Begrif von der Größe und Dichtig⸗</line>
        <line lrx="1457" lry="1508" ulx="316" uly="1467">keit dieſes alten indiſchen Urwaldes bekommen. Möchte die obige</line>
        <line lrx="1457" lry="1558" ulx="319" uly="1516">Schilderung ihnen einigermaßen dazu verholfen haben! Andrer⸗</line>
        <line lrx="1454" lry="1608" ulx="316" uly="1565">ſeits iſt's aber ein oft gemachter Fehler, immer nur ſo in Bauſch</line>
        <line lrx="1452" lry="1658" ulx="317" uly="1614">und Bogen von „Indien“ zu reden und über allem Anſtaunen</line>
        <line lrx="1458" lry="1708" ulx="317" uly="1666">des rieſigen Tropenwaldes am Ende keinen einzigen Baum recht</line>
        <line lrx="1456" lry="1757" ulx="317" uly="1716">zu erkennen. Wir werden daher auch im Laufe dieſes Jahres be⸗</line>
        <line lrx="1457" lry="1807" ulx="318" uly="1765">müht ſein, unſeren Leſern kleinere Stücke aus dem großen Ganzen</line>
        <line lrx="1456" lry="1858" ulx="317" uly="1817">der indiſchen Miſſion vorzuführen und ſie ſo an der Hand einzelner</line>
        <line lrx="1189" lry="1908" ulx="316" uly="1867">Beiſpiele auf den dortigen Kampfplatz zu verſetzen.</line>
        <line lrx="1458" lry="1956" ulx="401" uly="1916">Gott ſelbſt aber wolle uns erwecken, daß wir nicht nur</line>
        <line lrx="1457" lry="2007" ulx="317" uly="1966">darauf aus ſeien, ſtets etwas „Neues zu hören“, ſondern auch be⸗</line>
        <line lrx="1454" lry="2060" ulx="317" uly="2016">tende Herzen und Hände aufheben für die vielen Millionen unſterb⸗</line>
        <line lrx="1455" lry="2109" ulx="319" uly="2066">licher Seelen, denen jetzt in Indien das Evangelium verkündigt wird!</line>
      </zone>
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      <zone lrx="1400" lry="823" type="textblock" ulx="320" uly="744">
        <line lrx="1400" lry="823" ulx="320" uly="744">Ein Blick auf das indiſche Miſſionsfeld.</line>
      </zone>
      <zone lrx="1453" lry="2280" type="textblock" ulx="299" uly="885">
        <line lrx="1437" lry="984" ulx="304" uly="885">N abrend des verfloſſenen Jahres ſind ſoviele und neue Dinge</line>
        <line lrx="1438" lry="1042" ulx="303" uly="978"> theils in, theils für Afrika geſchehen, daß wir genöthigt</line>
        <line lrx="1439" lry="1077" ulx="438" uly="1028">waren uns mehr als gewöhnlich mit dieſem Erdtheil zu</line>
        <line lrx="1438" lry="1133" ulx="299" uly="1076">beſchäftigen. Es iſt jetzt an der Zeit, daß wir anfangen uns auch</line>
        <line lrx="1441" lry="1184" ulx="301" uly="1127">auf den anderen Miſſionsgebieten, wo das Werk ebenfalls nicht</line>
        <line lrx="1440" lry="1233" ulx="302" uly="1177">ſtillgeſtanden iſt, gründlich umzuſehn und namentlich dem alten In⸗</line>
        <line lrx="947" lry="1281" ulx="303" uly="1236">dien mehr Anfmerkſamkeit zu ſchenken.</line>
        <line lrx="1443" lry="1334" ulx="384" uly="1278">Mit Indien geht es einem wie mit dem Meere: je weiter</line>
        <line lrx="1444" lry="1381" ulx="303" uly="1327">man ſeinen Fuß hineinſetzt, deſto tiefer findet man es, oder wie</line>
        <line lrx="1445" lry="1424" ulx="302" uly="1376">mit den Sandkörnern der Wüſte: je länger man ſich abgemüht</line>
        <line lrx="1445" lry="1482" ulx="303" uly="1426">hat ſie zu zählen, deſto zahlloſer ſindet man ſie. Früher nahm</line>
        <line lrx="1446" lry="1532" ulx="304" uly="1477">man gewöhnlich an, die Bevölkerung dieſes Landes ſei mit</line>
        <line lrx="1445" lry="1576" ulx="307" uly="1529">160 bis 180 Millionen hoch genug angeſchlagen, dann ſprach man</line>
        <line lrx="1446" lry="1626" ulx="305" uly="1577">von 200 Millionen, dann etwas ſchüchtern von mehr als 200 Mil⸗</line>
        <line lrx="1447" lry="1679" ulx="307" uly="1629">lionen, und jetzt, nachdem die erſte vollſtändige Vo⸗ lkszählung</line>
        <line lrx="1445" lry="1730" ulx="307" uly="1677">ſtattgefunden hat, weiß man, daß alle dieſe Angaben zu niedrig</line>
        <line lrx="1447" lry="1776" ulx="308" uly="1729">waren und in Wirklichkeit die Einwohnerzahl der direkt oder in⸗</line>
        <line lrx="1447" lry="1829" ulx="307" uly="1777">direkt unter engliſcher Herrſchaft ſtehenden Länoer von Oſtindien</line>
        <line lrx="1443" lry="1878" ulx="309" uly="1827">über 239 Millionen (genau 239,938,695) beträgt. Es war keine</line>
        <line lrx="1450" lry="1930" ulx="309" uly="1877">leichte Aufgabe, dieſe Zählung vorzunehmen. Zwar waren einzelne</line>
        <line lrx="1447" lry="1980" ulx="310" uly="1929">Verſuche dieſer Art ſchon zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhun⸗</line>
        <line lrx="1447" lry="2029" ulx="311" uly="1978">derts von einigen Beamten gemacht worden, welche in ihren eige⸗</line>
        <line lrx="1449" lry="2080" ulx="311" uly="2030">nen Bezirken die Zahl der Einwohner auf indirektem Wege an⸗</line>
        <line lrx="1451" lry="2130" ulx="312" uly="2078">nähernd feſtzuſtellen ſuchten, indem ſie von der Zahl der Häuſer</line>
        <line lrx="1453" lry="2178" ulx="313" uly="2130">oder von dem Umfang des angebauten Landes auf die Volksmenge</line>
        <line lrx="1452" lry="2231" ulx="313" uly="2178">ſchloſſen. Von der Regierung ſelbſt wurde die Sache erſt im J.</line>
        <line lrx="1451" lry="2280" ulx="315" uly="2223">1851 in die Hand genommen und ſeit jener Zeit ſind auch in ver⸗</line>
      </zone>
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        <line lrx="2019" lry="2549" ulx="2000" uly="2541">1</line>
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        <line lrx="2056" lry="822" ulx="2036" uly="303">VierFarbSelector Standard*- Euroskala Offset</line>
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        <line lrx="2064" lry="2425" ulx="2039" uly="1775">Copyright 4/1999 VxyMaster GmbhH wwWW.yymaster. com</line>
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