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        <title>GkII73-1876_HG-Freretown</title>
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          <resp>Provided by</resp>
          <name>University Library of Tübingen</name>
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          <resp>Transcribed with</resp>
          <name>Tesseract</name>
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        <p>This work is protected by copyright or related property rights but available in Open Access. The right of use and especially the right to reproduction is only granted within the legal limits of copyright law or due to the consent of the copyright holder.</p>
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          <title>Noch einmal Freretown, Bd. 20, S. 226-236</title>
          <author>Gundert, Hermann</author>
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        <line lrx="1369" lry="1931" ulx="1153" uly="1898">U8 Tübingen</line>
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        <line lrx="1267" lry="516" ulx="543" uly="440">Noch einmal Freretown.</line>
      </zone>
      <zone lrx="1490" lry="2273" type="textblock" ulx="325" uly="522">
        <line lrx="1464" lry="579" ulx="408" uly="522">Im Aprilheft dieſes Jahrgangs haben wir ſchon ausführlich</line>
        <line lrx="1464" lry="626" ulx="325" uly="576">über die Gründung des Sklavenaſyls Freretown in Oſtafrika be⸗</line>
        <line lrx="1467" lry="678" ulx="325" uly="627">richtet. Seither ſind uns aber noch eingehendere Mittheilungen aus</line>
        <line lrx="1465" lry="728" ulx="326" uly="677">dem Tagebuch von Miſſ. Price zugekommen, welche den Zeitraum</line>
        <line lrx="1466" lry="777" ulx="326" uly="725">von Ende September vorigen bis Anfang Februar dieſes Jahres</line>
        <line lrx="1467" lry="827" ulx="326" uly="775">umfaſſen, und gewiß erweiſen wir unſern Leſern einen Dienſt, wenn</line>
        <line lrx="1251" lry="875" ulx="327" uly="826">wir das Wichtigſte daraus im Auszug hier wiedergeben.</line>
        <line lrx="1469" lry="926" ulx="409" uly="874">Was zuerſt die Verſorgung der befreiten Sklaven</line>
        <line lrx="1470" lry="976" ulx="327" uly="924">betrifft, ſo verſichert der übrigens allezeit muthig und friſch zugrei⸗</line>
        <line lrx="1471" lry="1025" ulx="329" uly="972">fende Price, daß dieſelbe „kein Spaß“ ſei. Man denke ſich beinahe</line>
        <line lrx="1471" lry="1075" ulx="330" uly="1024">300 (jetzt 375) Männer, Frauen und Kinder, in verkommenem</line>
        <line lrx="1474" lry="1125" ulx="330" uly="1073">Zuſtand, ausgehungert, nackt, krank, mißtrauiſch, unwiſſend, an allerlei</line>
        <line lrx="1473" lry="1175" ulx="330" uly="1122">Laſter gewöhnt, dazu eine Sprache oder gar mehrere Sprachen</line>
        <line lrx="1475" lry="1224" ulx="331" uly="1167">ſprechend, von welcher ihre weißen Wohlthäter auch nicht ein Wort</line>
        <line lrx="1474" lry="1274" ulx="332" uly="1222">verſtehen. Aber mit langen Reden und Unterhaltungen wäre auch</line>
        <line lrx="1474" lry="1325" ulx="334" uly="1273">gar nicht gedient. Vor allem müſſen die Armen zu eſſen kriegen</line>
        <line lrx="1475" lry="1375" ulx="334" uly="1323">und irgendwie untergebracht werden. Was ſie brauchen iſt zwar</line>
        <line lrx="1478" lry="1425" ulx="335" uly="1372">wenig und einfach genug, aber im elenden Mombas ſind auch die</line>
        <line lrx="1479" lry="1475" ulx="336" uly="1421">gewöhnlichſten Lebensmittel, zumal für eine ſolche Menge nicht leicht</line>
        <line lrx="1480" lry="1528" ulx="338" uly="1469">aufzutreiben. Und wenn die Einkäufe gemacht ſind, dann muß erſt</line>
        <line lrx="1480" lry="1578" ulx="337" uly="1520">noch gekocht, ausgetheilt und zugeſehen werden, daß dabei alles mit</line>
        <line lrx="1480" lry="1628" ulx="337" uly="1570">rechten Dingen zugeht. Denn von Ordnung, Anſtand und dergl.</line>
        <line lrx="1482" lry="1679" ulx="338" uly="1625">haben dieſe Sklaven keine Ahnung. Ja, es ſind einige unruhige</line>
        <line lrx="1483" lry="1727" ulx="340" uly="1676">Geiſter unter ihnen, welche nicht nur das größte Mißtrauen gegen</line>
        <line lrx="1483" lry="1776" ulx="340" uly="1723">die Europäer haben, ſondern auch ihren Mitbefreiten bange machen</line>
        <line lrx="1484" lry="1826" ulx="341" uly="1773">und ſie aufhetzen. Da muß bei aller Liebe aufs Strengſte verfahren</line>
        <line lrx="1483" lry="1874" ulx="342" uly="1823">werden. Die Freiheit würde bald wieder in ihr Gegentheil um⸗</line>
        <line lrx="1485" lry="1927" ulx="342" uly="1872">ſchlagen, wenn ſie nicht weiſe beſchränkt würde. Die Geſunden werden</line>
        <line lrx="1485" lry="1979" ulx="344" uly="1922">zur Arbeit angehalten, die Kranken nur mit Mühe zur rechten Be⸗</line>
        <line lrx="1486" lry="2026" ulx="344" uly="1972">nutzung der dargereichten Mittel vermocht. Aber ſie ſind eigenſinnig</line>
        <line lrx="1487" lry="2076" ulx="345" uly="2022">und träge, und es iſt ſchwer es auch nur Einem recht zu machen.</line>
        <line lrx="1488" lry="2123" ulx="348" uly="2072">Eine der erſten Maßregeln iſt unter ſolchen Umſtänden, nachdem</line>
        <line lrx="1488" lry="2172" ulx="349" uly="2121">alle Namen aufgeſchrieben, die Alten und die Jungen, die Männer</line>
        <line lrx="1490" lry="2221" ulx="348" uly="2169">und die Weiber, die Mädchen und die Knaben in Gruppen eingetheilt</line>
        <line lrx="1483" lry="2273" ulx="349" uly="2219">und unter Dach gebracht ſind, die Aufſtellung eines ſchwarzen Po⸗</line>
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        <line lrx="1457" lry="351" ulx="1408" uly="324">227</line>
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        <line lrx="1459" lry="425" ulx="322" uly="380">lizeicorps. Acht Mann wurden hiezu auserſehen und mit der</line>
        <line lrx="1458" lry="474" ulx="320" uly="430">Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung betraut, zwei davon aus⸗</line>
        <line lrx="1458" lry="524" ulx="320" uly="479">ſchließlich für den Nachtdienſt. Aber o weh! eines Sonntags wird</line>
        <line lrx="1459" lry="574" ulx="321" uly="529">Einer dieſer Beamten betrunken gefunden und muß ſelbſt ſtreng be⸗</line>
        <line lrx="1459" lry="624" ulx="319" uly="578">ſtraft werden. Der „tembo“, ein ſtark berauſchendes Getränk, das</line>
        <line lrx="1460" lry="673" ulx="319" uly="628">die Eingebornen jener Gegend ſelbſt bereiten und oft bloß deßwegen</line>
        <line lrx="1458" lry="723" ulx="318" uly="677">trinken, um im Rauſch ihr Elend zu vergeſſen, iſt neben der Sklaven⸗</line>
        <line lrx="1043" lry="771" ulx="319" uly="727">wirthſchaft ein Hauptfluch des Landes.</line>
        <line lrx="1458" lry="822" ulx="400" uly="776">Aber freilich, dieſe letztere iſt das Schlimmſte. Schon ſchwärmen,</line>
        <line lrx="1459" lry="873" ulx="318" uly="825">ſcheint's, gewiſſe Menſchenfänger um die neugegründete Freiſtätte</line>
        <line lrx="1459" lry="922" ulx="318" uly="874">herum, um auch in dieſem Teich um ſo bequemer ihre Fiſche ins</line>
        <line lrx="1457" lry="972" ulx="319" uly="925">Netz zu bringen. Gleich am erſten Tag der Landung, wo freilich</line>
        <line lrx="1458" lry="1020" ulx="318" uly="974">bei der allgemeinen Verwirrung noch manches drunter und drüber</line>
        <line lrx="1458" lry="1071" ulx="287" uly="1024">gieng, war es ſolch einem Spitzbuben gelungen zwei der eben erſt</line>
        <line lrx="1457" lry="1120" ulx="317" uly="1072">befreiten Weiber zu entführen und wieder in die Sklaverei zu ver⸗</line>
        <line lrx="1458" lry="1170" ulx="317" uly="1120">kaufen. Ein anderes Mal wurde ein Suaheli⸗Mann noch zu rechter</line>
        <line lrx="1458" lry="1219" ulx="318" uly="1169">Zeit dabei ertappt, wie er Einen der befreiten Sklaven zu beſchwatzen</line>
        <line lrx="1456" lry="1271" ulx="317" uly="1222">ſuchte, daß er ihm folge — verſteht ſich in ein vorgeſpiegeltes Glück,</line>
        <line lrx="1458" lry="1319" ulx="319" uly="1271">in Wirklichkeit aber in die alte Knechtſchaft. Natürlich wurde dieſer</line>
        <line lrx="1457" lry="1363" ulx="316" uly="1320">Verführer ergriffen und dem Wali oder Gouverneur von Mombas</line>
        <line lrx="1457" lry="1418" ulx="316" uly="1370">übergeben, während auch der engliſche Konſul Bericht über die Sache</line>
        <line lrx="1456" lry="1467" ulx="319" uly="1419">erhielt. Nichtsdeſtoweniger wurden etwas ſpäter wieder ſechs befreite</line>
        <line lrx="1451" lry="1516" ulx="318" uly="1467">Makua⸗Leute vermißt. Möglicher Weiſe waren ſie aus eigenem An⸗</line>
        <line lrx="1456" lry="1565" ulx="317" uly="1518">trieb davongelaufen, möglicher Weiſe aber auch unter irgendwelchen</line>
        <line lrx="1454" lry="1616" ulx="316" uly="1567">Vorſpiegelungen ins Elend gelockt worden. Im Vergleich mit ſolchen</line>
        <line lrx="1455" lry="1665" ulx="317" uly="1617">betrübenden Erfahrungen waren manch' äußere Unglücksfälle leicht</line>
        <line lrx="1454" lry="1715" ulx="318" uly="1669">zu ertragen. Zweimal brachen heftige Gewitterregen mit Sturm</line>
        <line lrx="1453" lry="1765" ulx="317" uly="1715">über die noch im Entſtehen begriffene Anſiedlung los und durch⸗</line>
        <line lrx="1453" lry="1814" ulx="316" uly="1766">näßten eine ganze Reihe der leicht gebauten Wohnungen. Doch</line>
        <line lrx="1453" lry="1863" ulx="315" uly="1815">blieben gerade die befreiten Sklaven in ihren Hütten ziemlich trocken,</line>
        <line lrx="1453" lry="1912" ulx="316" uly="1865">was um ſo dankenswerther war, da ſie noch nicht recht mit Kleidern</line>
        <line lrx="1452" lry="1962" ulx="315" uly="1914">und mit Bettwerk gar nicht verſehen waren. Später bekam dann</line>
        <line lrx="1452" lry="2012" ulx="315" uly="1963">jeder eine Matte zum Schlafen, die Dächer wurden ausgebeſſert,</line>
        <line lrx="1452" lry="2062" ulx="315" uly="2012">wo der Regen eingedrungen war und alles immer feſter und wohn⸗</line>
        <line lrx="606" lry="2104" ulx="317" uly="2061">licher eingerichtet.</line>
        <line lrx="1452" lry="2160" ulx="399" uly="2111">Natürlich ſtieg nun in den Meiſten auch der Wunſch nach einer</line>
        <line lrx="1452" lry="2210" ulx="316" uly="2160">Art Familienleben auf. Einige waren ſchon früher verheirathet ge⸗</line>
        <line lrx="1451" lry="2260" ulx="315" uly="2211">weſen, andere wollten es werden. Jedenfalls konnten die ſchwarzen</line>
      </zone>
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        <line lrx="368" lry="366" ulx="317" uly="339">228</line>
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      <zone lrx="1775" lry="2281" type="textblock" ulx="317" uly="386">
        <line lrx="1455" lry="434" ulx="319" uly="386">Männer und Weiber nicht wohl begreifen, warum ſie getrennt von</line>
        <line lrx="1456" lry="485" ulx="318" uly="432">einander leben ſollten, und den Miſſionaren blieb nichts übrig, als</line>
        <line lrx="1455" lry="537" ulx="318" uly="482">auch in dieſer Beziehung ſich der natürlichen Bedürfniſſe ihrer Pfleg⸗</line>
        <line lrx="1457" lry="587" ulx="317" uly="533">befohlenen anzunehmen und dafür zu ſorgen, daß doch wenigſtens</line>
        <line lrx="1458" lry="636" ulx="319" uly="582">alles in Ehren zugehe. So wurden denn die heirathsluſtigen Männer</line>
        <line lrx="1458" lry="686" ulx="318" uly="632">und Frauen in zwei Reihen aufgeſtellt und dann Einer nach dem</line>
        <line lrx="1459" lry="736" ulx="319" uly="682">Andern gefragt, welche der hier anweſenden Schönen er ſich zur</line>
        <line lrx="1460" lry="786" ulx="320" uly="731">Ehefrau auserkoren habe. In einigen Fällen beſtand ſchon vorher</line>
        <line lrx="1460" lry="835" ulx="320" uly="781">ein Einverſtändniß zwiſchen den Betheiligten, mehrere Männer wählten</line>
        <line lrx="1460" lry="886" ulx="319" uly="834">ſich aber auch erſt bei dieſer Gelegenheit ihre Bräute und ein armer</line>
        <line lrx="1461" lry="935" ulx="320" uly="882">Tropf gerieth dabei in ſolche Verlegenheit, daß man ihn trotz ſeiner</line>
        <line lrx="1461" lry="986" ulx="321" uly="932">ſchwarzen Haut faſt erröthen ſah und er endlich mit einem kurioſen</line>
        <line lrx="1459" lry="1036" ulx="322" uly="977">Zucken der Schultern ſtammelte: „ich würde ſie alle gern heirathen,</line>
        <line lrx="1461" lry="1085" ulx="323" uly="1031">aber ich weiß nicht, welche von ihnen mich haben will“. Natürlich</line>
        <line lrx="1462" lry="1134" ulx="323" uly="1077">brach alles in lautes Gelächter aus und der beſcheidene Jüngling</line>
        <line lrx="1463" lry="1183" ulx="324" uly="1131">mußte für dießmal unverrichteter Sache wieder abziehen. Noch</line>
        <line lrx="1463" lry="1234" ulx="322" uly="1181">komiſcher war eine andere Scene. Eine der Erwählten nämlich ſchien</line>
        <line lrx="1463" lry="1287" ulx="324" uly="1231">ſich ihrem Liebhaber nicht ſo ohne Weiteres ergeben zu wollen, ſondern</line>
        <line lrx="1465" lry="1338" ulx="325" uly="1281">ſpielte die Spröde, wandte dem Werber den Rücken und ſtierte ganz</line>
        <line lrx="1465" lry="1388" ulx="326" uly="1330">gleichgültig ins Blaue hinein. Wie erſchrak ſie aber, als es alsbald</line>
        <line lrx="1466" lry="1436" ulx="325" uly="1380">hieß: nun gut, es werde Niemand gezwungen, der Mann müſſe eben</line>
        <line lrx="1466" lry="1485" ulx="330" uly="1429">auf ſie verzichten. Sie hatte bloß noch etwas hofirt werden wollen,</line>
        <line lrx="1467" lry="1534" ulx="326" uly="1479">beeilte ſich aber jetzt, wo es Ernſt wurde, ihren Fehler wieder gut</line>
        <line lrx="1467" lry="1585" ulx="328" uly="1530">zu machen. Auf dieſe Weiſe kamen ſchließlich 14 Paare zuſammen.</line>
        <line lrx="1467" lry="1634" ulx="328" uly="1578">Miſſ. Price nahm jedes beſonders, legte ihre Hände in einander,</line>
        <line lrx="1468" lry="1684" ulx="329" uly="1628">ließ ſie eine Art Gelübde ablegen, und wies ihnen dann ihre neuen</line>
        <line lrx="1468" lry="1737" ulx="329" uly="1677">Hütten an. Wären noch mehr ſolche Wohnungen fertig geweſen,</line>
        <line lrx="1469" lry="1785" ulx="327" uly="1726">ſo hätten auch noch mehr Ehen geſchloſſen werden können, da jedes</line>
        <line lrx="1775" lry="1832" ulx="328" uly="1776">Paar doch ſeine eigene Wohnung haben mußte. Die Andern mußten</line>
        <line lrx="1775" lry="1881" ulx="329" uly="1829">eben noch warten.</line>
        <line lrx="1470" lry="1931" ulx="412" uly="1874">Ferner wurden 26 Knaben ausgeſucht, um unter den Werk⸗</line>
        <line lrx="1471" lry="1983" ulx="330" uly="1923">meiſtern Last und Pearſon das Maurer⸗ und Schreinerhandwerk</line>
        <line lrx="1471" lry="2033" ulx="331" uly="1973">zu erlernen und für ihre Beaufſichtigung und Beköſtigung beſondere</line>
        <line lrx="1471" lry="2081" ulx="331" uly="2024">Vorſorge getroffen, während 20 junge Mädchen nach Kiſuludini ge⸗</line>
        <line lrx="1775" lry="2131" ulx="331" uly="2072">bracht wurden, um unter Polly's Leitung das Leſen und Schreiben,</line>
        <line lrx="1471" lry="2179" ulx="333" uly="2121">Nähen und Kochen zu erlernen. Die übrige Jugend wurde in</line>
        <line lrx="1470" lry="2231" ulx="333" uly="2170">Freretown ſelbſt der Fürſorge des guten Jakob Wainwright über⸗</line>
        <line lrx="1473" lry="2281" ulx="333" uly="2222">geben, bis am 20. Jan. d. J. ein eigener Schulmeiſter, Namens</line>
      </zone>
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      <zone lrx="1458" lry="356" type="textblock" ulx="1408" uly="330">
        <line lrx="1458" lry="356" ulx="1408" uly="330">229</line>
      </zone>
      <zone lrx="1455" lry="2276" type="textblock" ulx="302" uly="391">
        <line lrx="1455" lry="437" ulx="320" uly="391">Handford, aus England für ſie ankam. Welche Freude für den</line>
        <line lrx="1455" lry="489" ulx="320" uly="443">unermüdlich um alles ſich annehmenden und überall ſelbſt Hand</line>
        <line lrx="1454" lry="537" ulx="320" uly="492">anlegenden Price, als er am 27. Jan. einen unerwarteten Beſuch</line>
        <line lrx="1454" lry="587" ulx="318" uly="541">im neu errichteten Schulſaal machte und hier alles in der ſchönſten</line>
        <line lrx="1454" lry="633" ulx="317" uly="590">Ordnung traf! Nicht nur waren die Wände bereits mit Landkarten</line>
        <line lrx="1454" lry="686" ulx="317" uly="640">und ſchönen Bibelſprüchen geſchmückt, ſondern unter Jakob und drei</line>
        <line lrx="1453" lry="736" ulx="316" uly="689">Monitoren waren die ſchwarzen Jungen in Gruppen eingetheilt und</line>
        <line lrx="1454" lry="783" ulx="316" uly="740">an der Spitze des Ganzen ſchaltete und waltete bereits der neue</line>
        <line lrx="1453" lry="836" ulx="314" uly="789">Lehrer, wie wenn er längſt unter dieſen kleinen Kobolden zu Hauſe</line>
        <line lrx="1452" lry="885" ulx="315" uly="840">geweſen wäre. Sie hatten gerade eine Singſtunde bei ihm und</line>
        <line lrx="1451" lry="934" ulx="315" uly="889">lernten die Tonleiter. Es gieng alles ganz gut und zum Schluß</line>
        <line lrx="1451" lry="983" ulx="312" uly="937">knieten ſie alle hin und ſprachen ihrem Lehrer ein kurzes engliſches</line>
        <line lrx="1450" lry="1032" ulx="313" uly="987">Gebetlein laut nach. Das war freilich ein herzerfreuender Anblick,</line>
        <line lrx="1169" lry="1079" ulx="313" uly="1037">und Gott dankend gieng Price wieder von dannen.</line>
        <line lrx="1448" lry="1132" ulx="394" uly="1086">Wie aber ſteht es mit dem Unterricht der Erwachſenen, mit</line>
        <line lrx="1448" lry="1182" ulx="311" uly="1135">der Verkündigung des Evangeliums an dieſe ſchwarzen Heiden?</line>
        <line lrx="1449" lry="1231" ulx="311" uly="1185">wird mancher ungeduldige Miſſionsfreund fragen. Nun, zu ſeiner</line>
        <line lrx="1446" lry="1280" ulx="309" uly="1234">Beruhigung können wir ſagen, daß auch hiemit ſchon ein kleiner</line>
        <line lrx="1449" lry="1330" ulx="309" uly="1284">Anfang gemacht iſt. Als im November vor. Jahres der Katechiſt</line>
        <line lrx="1446" lry="1382" ulx="310" uly="1333">Georg David aus Kiſuludini gekommen war und am Sonntag</line>
        <line lrx="1447" lry="1431" ulx="309" uly="1382">Morgen den Chriſten eine Suaheli⸗Predigt über die Worte „Ihr</line>
        <line lrx="1446" lry="1480" ulx="310" uly="1433">ſeid das Salz der Erde, gehalten hatte, wurden am Nachmittag</line>
        <line lrx="1446" lry="1529" ulx="309" uly="1482">auch etwa 200 der befreiten Sklaven verſammelt, um ihre erſte</line>
        <line lrx="1445" lry="1579" ulx="307" uly="1531">Lektion im Chriſtenthum zu erhalten. Aber wie gieng es dabei zu?</line>
        <line lrx="1444" lry="1628" ulx="307" uly="1582">Einfach genug! Wie man mit den kleinſten Kindern verfährt, ſo</line>
        <line lrx="1444" lry="1679" ulx="306" uly="1632">mußte man es hier angreifen. Georg hatte ſich vorgenommen, ihnen</line>
        <line lrx="1442" lry="1728" ulx="306" uly="1682">für diesmal nur zwei Grundwahrheiten beizubringen, erſtlich: Es</line>
        <line lrx="1442" lry="1779" ulx="306" uly="1731">gibt einen Gott! und zweitens: Dieſer Gott iſt allgegenwärtig!</line>
        <line lrx="1443" lry="1827" ulx="307" uly="1780">Nachdem er ihnen dieſe zwei Sätze zur Genüge erklärt hatte, theilte</line>
        <line lrx="1442" lry="1877" ulx="305" uly="1830">er ſeine Zuhörerſchaft in kleinere Gruppen und ſprach ihnen dann</line>
        <line lrx="1440" lry="1927" ulx="304" uly="1879">dieſelben ſolange vor, bis ſie alles richtig auf Suaheli nachſprechen</line>
        <line lrx="1441" lry="1978" ulx="303" uly="1929">konnten. Das Ganze dauerte anderthalb Stunden und der geduldige</line>
        <line lrx="1439" lry="2026" ulx="304" uly="1979">Prediger hatte die neue Formel wohl 300 Mal zu wiederholen, bis</line>
        <line lrx="1438" lry="2073" ulx="304" uly="2028">alle dieſelbe gefaßt hatten, eine ſchwere Arbeit! Und das alles um</line>
        <line lrx="1437" lry="2126" ulx="304" uly="2077">einer Formel willen? Wir hoffen doch nicht, ſondern wie Kinder,</line>
        <line lrx="1437" lry="2179" ulx="303" uly="2129">wenn ſie das Einmaleins lernen müſſen auch noch keine Ahnung</line>
        <line lrx="1437" lry="2228" ulx="303" uly="2177">davon haben, was für Wunderdinge ſie durch daſſelbe ihr ganzes</line>
        <line lrx="1435" lry="2276" ulx="302" uly="2226">Leben lang ausrichten werden, ſo mag jener Unterricht den armen</line>
      </zone>
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        <line lrx="354" lry="374" ulx="303" uly="347">230</line>
      </zone>
      <zone lrx="1459" lry="2286" type="textblock" ulx="284" uly="396">
        <line lrx="1440" lry="444" ulx="303" uly="396">Sklaven auch noch gar trocken und inhaltslos erſchienen ſein, nichts⸗</line>
        <line lrx="1446" lry="496" ulx="304" uly="446">deſtoweniger aber in das ABC einer neuen unſichtbaren Welt ſie</line>
        <line lrx="1446" lry="547" ulx="305" uly="495">eingeleitet haben, in welcher ſie einſt noch Leben und Seligkeit</line>
        <line lrx="1446" lry="596" ulx="304" uly="545">finden können. Wer übrigens eine beſſere Methode weiß, der iſt</line>
        <line lrx="1446" lry="646" ulx="305" uly="596">gebeten ſie bekannt zu machen, oder noch beſſer: der gehe ſelbſt an</line>
        <line lrx="1445" lry="693" ulx="305" uly="645">Ort und Stelle und verſuche einmal ſeine Kunſt! Niemand wird</line>
        <line lrx="1445" lry="746" ulx="305" uly="690">froher darüber ſein als Miſſ. Price, der keinen Anſtand nimmt, ſich</line>
        <line lrx="1445" lry="795" ulx="304" uly="744">jeder Hilfe auf dieſem Gebiete zu bedienen, von welcher Seite dieſelbe</line>
        <line lrx="621" lry="845" ulx="307" uly="803">auch kommen mag.</line>
        <line lrx="1448" lry="892" ulx="389" uly="844">So ließ er am 26. Sept. den methodiſtiſchen Miſſionar Wake⸗</line>
        <line lrx="1448" lry="945" ulx="307" uly="894">field ſeinen afrikaniſchen Chriſten eine Predigt halten und ſchrieb</line>
        <line lrx="1449" lry="992" ulx="307" uly="945">dann in ſein Tagebuch: „Hr. Wakefield ſprach mit Ernſt uund Nach⸗</line>
        <line lrx="1450" lry="1042" ulx="307" uly="994">druck und feſſelte die Aufmerkſamkeit ſeiner Zuhörer 40 Minuten</line>
        <line lrx="1450" lry="1093" ulx="308" uly="1044">lang, und das in einem Zimmer, wo es ſo heiß wie in einem Treib⸗</line>
        <line lrx="1452" lry="1144" ulx="307" uly="1095">hauſe war. Ich bin immer froh, wenn ich jemand bekomme, der</line>
        <line lrx="1451" lry="1192" ulx="308" uly="1145">die Sprache fließend ſprechen kann und den Leuten eine Predigt</line>
        <line lrx="1453" lry="1243" ulx="308" uly="1194">hält. Zwar fürchte ich, daß gewiſſe gute Chriſten daheim mich für</line>
        <line lrx="1452" lry="1294" ulx="309" uly="1244">recht unorthodox halten werden; doch hoffe ich immer noch ein ganz</line>
        <line lrx="1451" lry="1342" ulx="310" uly="1292">loyaler Sohn unſrer theuren alten engliſchen Kirche zu ſein; ich</line>
        <line lrx="1452" lry="1392" ulx="310" uly="1342">liebe ihre Einrichtungen und die Grundſätze, auf welchen ſie ruht,</line>
        <line lrx="1454" lry="1443" ulx="312" uly="1392">ich liebe ihr Bekenntniß und ihre Liturgie — aber angeſichts des</line>
        <line lrx="1455" lry="1494" ulx="311" uly="1442">rieſigen Berges von Heidenthum und Verderben, vor dem wir in</line>
        <line lrx="1454" lry="1542" ulx="310" uly="1492">dieſem Lande ſtehen, erſcheinen jene Fragen, welche daheim die reli⸗</line>
        <line lrx="1456" lry="1593" ulx="312" uly="1543">giöſe Welt ſo mächtig bewegen, als bloße Kleinigkeiten und der</line>
        <line lrx="1454" lry="1642" ulx="311" uly="1593">Unterſchied zwiſchen Methodiſten und Episkopalen ſinkt zur Bedeutungs⸗</line>
        <line lrx="1454" lry="1692" ulx="312" uly="1642">loſigkeit herab. Unſer Motto iſt: Friede ſei über alle, die da lieb</line>
        <line lrx="1455" lry="1742" ulx="311" uly="1691">haben unſern Herren Jeſum Chriſtum aus reinem Herzen’.“ Auch</line>
        <line lrx="1457" lry="1790" ulx="314" uly="1742">als am 30. Dez. der große Miſſionsbettag gefeiert wurde, nahm</line>
        <line lrx="1457" lry="1840" ulx="313" uly="1791">der oben genannte Miſſionar, welcher zur ſog. Frei⸗Methodiſtenkirche</line>
        <line lrx="1457" lry="1892" ulx="314" uly="1840">gehört, daran Theil, ein neuer und ſchöner Beweis für die im Geiſt</line>
        <line lrx="1165" lry="1937" ulx="314" uly="1891">und in der Wahrheit unirende Kraft der Miſſion.</line>
        <line lrx="1457" lry="1987" ulx="397" uly="1940">Seit übrigens am 2. Jan. d. J. der ſchwarze Katechiſt Willi am</line>
        <line lrx="1457" lry="2041" ulx="314" uly="1990">Jones mit 40 andern Afrikanern aus Bombay in Freretown ein⸗</line>
        <line lrx="1459" lry="2091" ulx="315" uly="2040">getroffen iſt, hat er die Predigtarbeit für die Suaheli⸗Gemeinde</line>
        <line lrx="1458" lry="2135" ulx="315" uly="2091">übernommen, welche ſich regelmäßig früher im Miſſionshaus in</line>
        <line lrx="1458" lry="2187" ulx="316" uly="2140">Mombas, jetzt im Schulſaal von Freretown zum Gottesdienſt ein⸗</line>
        <line lrx="1458" lry="2238" ulx="284" uly="2189">findet. Von den befreiten Sklaven haben bis jetzt natürlich nur die</line>
        <line lrx="1459" lry="2286" ulx="317" uly="2240">kleineren Kinder durch die Taufe in die Gemeinde aufgenommen</line>
      </zone>
      <zone lrx="1775" lry="2374" type="textblock" ulx="1760" uly="2013">
        <line lrx="1775" lry="2374" ulx="1760" uly="2013">ł‚P—</line>
      </zone>
    </surface>
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        <line lrx="1459" lry="365" ulx="1410" uly="338">23³1</line>
      </zone>
      <zone lrx="1461" lry="2276" type="textblock" ulx="315" uly="392">
        <line lrx="1461" lry="439" ulx="324" uly="392">werden können. Eins dieſer Schäflein iſt auch bereits vom guten</line>
        <line lrx="1460" lry="487" ulx="321" uly="441">Hirten heimgeholt worden. Es war eins von 28 Mädchen, die am</line>
        <line lrx="1459" lry="539" ulx="321" uly="491">21. Dez. getauft worden waren, und ſtarb ſchon 14 Tage darauf.</line>
        <line lrx="1459" lry="587" ulx="321" uly="540">Bei dieſer Gelegenheit wurde denn auch ein Platz als Gottesacker</line>
        <line lrx="1459" lry="637" ulx="321" uly="590">abgeſteckt und das erſte chriſtliche Leichenbegängniß in Freretown</line>
        <line lrx="1459" lry="688" ulx="321" uly="634">gefeiert. Ubrigens fiengen die hiezu mitgenommenen Mädchen ſo zu</line>
        <line lrx="1459" lry="737" ulx="321" uly="690">ſchreien und zu weinen an, daß man ſie ſchnell wieder entfernen</line>
        <line lrx="1459" lry="787" ulx="320" uly="741">mußte. Arme Geſchöpfe! ſie fürchteten wohl, man habe ſie zum</line>
        <line lrx="1459" lry="835" ulx="321" uly="790">Todtenopfer auserſehen und jetzt gehe es ihnen ans Leben. Seither</line>
        <line lrx="1458" lry="886" ulx="321" uly="840">ſind noch drei Perſonen in Freretown geſtorben, im Ganzen aber</line>
        <line lrx="1458" lry="936" ulx="320" uly="889">iſt der Geſundheitsſtand daſelbſt nicht ſchlecht geweſen. Auch den</line>
        <line lrx="1457" lry="984" ulx="321" uly="939">Europäern gefällt es dort beſſer als im unſauberen Mombas, wo</line>
        <line lrx="1457" lry="1037" ulx="320" uly="989">der gute Seewind durch die ſtinkenden Dünſte der Stadt unwirkſam</line>
        <line lrx="1457" lry="1086" ulx="321" uly="1039">gemacht wird. An Krankheit hat es deßwegen doch nicht gefehlt.</line>
        <line lrx="1458" lry="1133" ulx="320" uly="1087">Miſſ. Price ſelbſt hatte wieder viel zu leiden, was aber kein Wunder</line>
        <line lrx="1456" lry="1184" ulx="319" uly="1138">iſt, wenn man an die beſtändige Anſpannung aller Leibes⸗ und</line>
        <line lrx="1457" lry="1236" ulx="319" uly="1187">Seelenkräfte denkt, welche eine ſo verantwortungsvolle, alle Tage</line>
        <line lrx="1455" lry="1285" ulx="319" uly="1237">neue Sorgen bringende Arbeit nothwendig herbeiführen muß. Auch</line>
        <line lrx="1453" lry="1334" ulx="318" uly="1286">ſeine Frau hatte von neuem ſchwere Fieberanfälle und war ſo krank,</line>
        <line lrx="1454" lry="1384" ulx="319" uly="1336">daß ſie z. B. die am 20. Jan. angekommenen Briefe von ihren ei⸗</line>
        <line lrx="1456" lry="1435" ulx="318" uly="1385">genen Kindern nicht einmal leſen oder auch nur ſich vorleſen laſſen</line>
        <line lrx="1454" lry="1482" ulx="316" uly="1436">konnte. Dieſelbe Poſt brachte u. A. auch die Nachricht von der neuen</line>
        <line lrx="1454" lry="1532" ulx="317" uly="1485">Miſſion, welche in König Mteſas Reich gegründet werden ſoll, und</line>
        <line lrx="1455" lry="1583" ulx="318" uly="1535">es iſt ſehr bezeichnend, wenn Price ſchreibt, an jenem Abend ſei er</line>
        <line lrx="1455" lry="1633" ulx="317" uly="1584">mit entſchiedenen Symptomen von „Uganda“ (⸗Fieber) ins Bett ge⸗</line>
        <line lrx="1455" lry="1681" ulx="317" uly="1636">gangen. Seine Frau brachte er dann nach Kiſuludini, wohin es</line>
        <line lrx="1454" lry="1732" ulx="317" uly="1684">diesmal auf dem bequemen Schifflein „Alice“ und dann auf dem</line>
        <line lrx="1347" lry="1781" ulx="317" uly="1734">neugebahnten Wege viel leichter zu reiſen war als je vorher.</line>
        <line lrx="1453" lry="1830" ulx="398" uly="1784">Auch in Kiſuludini ſelbſt ſieht es anders aus, als zuvor. „Reb⸗</line>
        <line lrx="1454" lry="1881" ulx="316" uly="1834">mann's⸗Heim“, wie ſie jetzt das alte Miſſionshaus nennen, iſt zwar</line>
        <line lrx="1454" lry="1931" ulx="316" uly="1884">immer noch nicht ganz ausgebaut, dagegen ſteht jetzt auch ein eiſernes</line>
        <line lrx="1453" lry="1982" ulx="319" uly="1932">„Krapf⸗Haus“, drei Fuß über dem Boden ſich erhebend, ganz wohnlich</line>
        <line lrx="1451" lry="2028" ulx="315" uly="1983">da. Ueberdies ſind jene 40 Schwarzen aus Bombay, lauter Acker⸗</line>
        <line lrx="1453" lry="2080" ulx="315" uly="2032">bauer, dort angeſiedelt und haben angefangen ihr Feldgeſchäft zu</line>
        <line lrx="1454" lry="2128" ulx="315" uly="2082">treiben, wobei es für die einfältigen Landeskinder manches anzuſtaunen</line>
        <line lrx="1453" lry="2178" ulx="316" uly="2131">und wohl auch mit Kopfſchütteln zu bekritteln gibt. Uebrigens ſind</line>
        <line lrx="1452" lry="2226" ulx="315" uly="2180">ſie freundlich und zugänglich, ſo daß ein eigens in Kiſuludini ſtatio⸗</line>
        <line lrx="1452" lry="2276" ulx="316" uly="2229">nirter Miſſionar bald Arbeit genug haben könnte. Dazu kommt</line>
      </zone>
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        <line lrx="375" lry="350" ulx="325" uly="324">232</line>
        <line lrx="1464" lry="422" ulx="325" uly="380">nun die kleine Gemeinde in Giriama, von wo z. B. am 12. Dez.</line>
        <line lrx="1464" lry="472" ulx="325" uly="431">vier der Neugetauften ſammt dem alten Abe Ngoa zum Abend⸗</line>
        <line lrx="720" lry="523" ulx="325" uly="481">mahl gekommen waren.</line>
        <line lrx="1463" lry="572" ulx="407" uly="530">Aber wir dürfen uns nicht zu lange und zu weit von Frere⸗</line>
        <line lrx="1462" lry="622" ulx="324" uly="581">town ſelbſt entfernen; denn noch gar manches iſt es, was wir uns</line>
        <line lrx="1464" lry="671" ulx="325" uly="630">von den Mühen und Sorgen des Miſſionars in dieſer Sklavenkolonie</line>
        <line lrx="1462" lry="722" ulx="324" uly="680">müſſen erzählen laſſen. Da erſcheint z. B. eines Tages eine ihrem</line>
        <line lrx="1465" lry="773" ulx="324" uly="730">Herrn entlaufene Sklavin und fleht um Schutz. Was iſt zu thun?</line>
        <line lrx="1465" lry="822" ulx="325" uly="780">Die Sklaverei iſt weder in Sanſibar noch in Mombas abgeſchafft,</line>
        <line lrx="1465" lry="871" ulx="325" uly="830">jene Verträge mit England unterſagen bloß die Ausfuhr der ſchwarzen</line>
        <line lrx="1464" lry="921" ulx="324" uly="879">Waare, laſſen aber jeden Sklavenbeſitzer im unbeſtrittenen Beſitze</line>
        <line lrx="1464" lry="970" ulx="324" uly="928">ſeines ſog. Eigenthums. Freretown iſt auch nicht in dem Sinne ein</line>
        <line lrx="1464" lry="1020" ulx="324" uly="978">Aſyl, daß jeder dahin Fliehende frei werden und Schutz finden</line>
        <line lrx="1465" lry="1070" ulx="323" uly="1029">würde, ſondern bloß ſo, daß die ſonſt irgendwie Befreiten dort eine</line>
        <line lrx="1465" lry="1121" ulx="323" uly="1079">Zufluchts⸗ und Erziehungsſtätte finden ſollen. Wohl iſt es nicht</line>
        <line lrx="1464" lry="1170" ulx="323" uly="1128">unmöglich, daß früher oder ſpäter zwiſchen dem Sultan von San⸗</line>
        <line lrx="1464" lry="1219" ulx="323" uly="1178">ſibar und der engliſchen Regierung noch eine Uebereinkunft getroffen</line>
        <line lrx="1465" lry="1268" ulx="323" uly="1227">würde, nach welcher Freretown als engliſcher Boden und eben damit</line>
        <line lrx="1463" lry="1318" ulx="323" uly="1277">als eine abſolute Freiſtätte für alle unrechtmäßig Gefangenen und</line>
        <line lrx="1464" lry="1368" ulx="323" uly="1326">Bedrückten erklärt werden würde.*). Aber bis jetzt iſt dieß nicht</line>
        <line lrx="1464" lry="1418" ulx="322" uly="1376">der Fall und die Miſſionare ſind verpflichtet, den Landesgeſetzen</line>
        <line lrx="1463" lry="1468" ulx="323" uly="1425">gemäß ſolch' flüchtige Sklaven ihren Gebietern wieder auszuliefern</line>
        <line lrx="1463" lry="1517" ulx="323" uly="1476">wenn dieſe es verlangen. So mußte denn auch jene Sklavin und</line>
        <line lrx="1464" lry="1568" ulx="323" uly="1525">bald darauf noch eine zweite herausgegeben werden, wenn auch nicht</line>
        <line lrx="1463" lry="1618" ulx="322" uly="1574">direkt in die Hände ihrer grauſamen Herren, ſo doch in die des</line>
        <line lrx="1463" lry="1726" ulx="388" uly="1690">*) Anmerkung. Ein gutes Zeichen iſt's, daß in einer Parlamentsſitzung vom</line>
        <line lrx="1460" lry="1767" ulx="320" uly="1732">4. April d. J. von einem der Staatsſekretäre öffentlich der Dank der Regie⸗</line>
        <line lrx="1464" lry="1809" ulx="320" uly="1773">rung an die engliſch⸗kirchliche M. G. ausgeſprochen wurde für das, was ſie</line>
        <line lrx="1462" lry="1851" ulx="321" uly="1815">bereits an den befreiten Sklaven gethan hat, zumal da dies die erſte Aner⸗</line>
        <line lrx="1464" lry="1892" ulx="321" uly="1856">kennung dieſer Art geweſen iſt, welche dieſer Geſellſchaft je von Seiten der</line>
        <line lrx="1463" lry="1933" ulx="322" uly="1897">Regierung im Parlamente zu Theil geworden iſt. Es iſt möglich, daß ſogar</line>
        <line lrx="1462" lry="1974" ulx="323" uly="1938">Einer der Laienmiſſionare in Freretown zum britiſchen Konſul ernannt wird</line>
        <line lrx="1463" lry="2016" ulx="321" uly="1980">und die Regierung ſich überhaupt noch viel direkter zu dieſem Unternehmen</line>
        <line lrx="1462" lry="2057" ulx="321" uly="2021">bekennt, als ſeither geſchehen iſt. Jedenfalls werden bald Schritte geſchehen,</line>
        <line lrx="1463" lry="2099" ulx="321" uly="2062">um auch dem Land⸗Sklavenhandel in Seijid Bargaſch's Ländereien ein Ende</line>
        <line lrx="1462" lry="2141" ulx="320" uly="2103">zu machen. Zur Erleichterung reſp. Ablöſung von Miſſ. Price wird demnächſt</line>
        <line lrx="1462" lry="2182" ulx="322" uly="2144">ein erfahrener See⸗Offizier, Commander Rußell, nach Freretown abgehn. Wie</line>
        <line lrx="1462" lry="2223" ulx="320" uly="2186">erfreulich daß ſich immer wieder ſolche Männer finden, welche ihre Kraft der</line>
        <line lrx="780" lry="2266" ulx="321" uly="2231">Miſſion zur Verfügung ſtellen!</line>
      </zone>
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        <line lrx="1448" lry="360" ulx="1398" uly="334">233</line>
      </zone>
      <zone lrx="1454" lry="2274" type="textblock" ulx="289" uly="386">
        <line lrx="1446" lry="434" ulx="309" uly="386">Wali von Mombas. Ein anderes Mal lief ſo ein armer Flüchtling</line>
        <line lrx="1447" lry="482" ulx="309" uly="436">dem Miſſ. Price ſogar bis Kiſuludini nach, da er ihn in Freretown</line>
        <line lrx="1447" lry="533" ulx="309" uly="486">nicht gefunden hatte. Derſelbe war auf einem Gang für ſeinen</line>
        <line lrx="1445" lry="583" ulx="308" uly="535">Herrn von Räubern ergriffen und fortgeſchleppt worden, hatte ſich</line>
        <line lrx="1445" lry="633" ulx="309" uly="586">aber wieder befreien können und war zu ſeinem rechtmäßigen Be⸗</line>
        <line lrx="1446" lry="680" ulx="307" uly="636">ſitzer zurückgekehrt. Dieſer hatte ſeiner Geſchichte aber keinen Glauben</line>
        <line lrx="1446" lry="732" ulx="308" uly="688">geſchenkt, ſondern ihn in den Stock gelegt. Der arme Menſch war</line>
        <line lrx="1443" lry="782" ulx="306" uly="738">wie zerbrochen durch dieſe Behandlung und hatte ſich ſchon vorge⸗</line>
        <line lrx="1444" lry="831" ulx="307" uly="788">nommen, wenn er wieder loskäme, in den Wald zu gehen und ſich</line>
        <line lrx="1442" lry="880" ulx="306" uly="837">das Leben zu nehmen. Aber da war ihm Freretown eingefallen.</line>
        <line lrx="1442" lry="930" ulx="306" uly="886">Ein indiſcher Kaufmann gab ihm eine Feile, mit der er ſich aus</line>
        <line lrx="1443" lry="979" ulx="305" uly="936">ſeinen Banden befreite, und dann lief er ſtracks nach der vermeint⸗</line>
        <line lrx="1442" lry="1030" ulx="305" uly="986">lichen Freiſtätte und von dort, wie ſchon bemerkt, nach Kiſuludini.</line>
        <line lrx="1443" lry="1080" ulx="304" uly="1036">Auch für ihn konnte Price nicht viel thun. Ein ander Mal trafen</line>
        <line lrx="1442" lry="1131" ulx="303" uly="1084">der Katechiſt Georg und jener alte Abe Ngoa, als ſie im Nov. nach</line>
        <line lrx="1442" lry="1178" ulx="303" uly="1135">Freretown kamen, unterwegs eine ganze Karawane von 37 Sklaven,</line>
        <line lrx="1441" lry="1230" ulx="302" uly="1184">die nach Melinda gebracht wurden und von denen ſie nur Einen,</line>
        <line lrx="1442" lry="1281" ulx="302" uly="1234">der ſeiner geſchwollenen Füße wegen kaum mehr weiter konnte, zu</line>
        <line lrx="1441" lry="1329" ulx="301" uly="1284">befreien im Stande waren. Der Sklavenhändler nämlich hatte an⸗</line>
        <line lrx="1441" lry="1378" ulx="300" uly="1334">fangs erklärt, die Karawane gehöre nicht ihm, ſondern dem Wali</line>
        <line lrx="1441" lry="1428" ulx="300" uly="1383">von Mombas und als darauf der Katechiſt geſagt: „nun, ſo wollen</line>
        <line lrx="1442" lry="1479" ulx="300" uly="1433">wir miteinander zum Wali gehen“, war er in ſolche Verlegenheit</line>
        <line lrx="1440" lry="1526" ulx="304" uly="1482">gerathen, daß er nicht zu proteſtiren wagte, wie jener den kranken</line>
        <line lrx="1440" lry="1579" ulx="301" uly="1532">Sklaven mit ſich nahm. Geſetzlich hätte der Katechiſt kein Recht</line>
        <line lrx="1439" lry="1629" ulx="297" uly="1581">hiezu gehabt, aber gewiß war es chriſtlich und recht von ihm ge⸗</line>
        <line lrx="1437" lry="1679" ulx="296" uly="1630">handelt, wenigſtens zur Befreiung dieſes Einen die günſtige Gelegen⸗</line>
        <line lrx="572" lry="1720" ulx="297" uly="1680">heit zu benutzen.</line>
        <line lrx="1438" lry="1776" ulx="379" uly="1730">Etwas Anderes war es freilich, als eines Tages ſich drei Männer</line>
        <line lrx="1454" lry="1827" ulx="295" uly="1779">aus Jibore und Melinda einſtellten und bekannten daß ſie, urſprüng⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="1877" ulx="294" uly="1829">lich auch entlaufene Sklaven, jetzt davon lebten, Kinder aufzufangen</line>
        <line lrx="1432" lry="1927" ulx="294" uly="1879">und zu verkaufen. Sie verſprachen ihre böſen Gewohnheiten auf⸗</line>
        <line lrx="1434" lry="1977" ulx="292" uly="1929">geben, ſich beſſern und in die Ordnung der Kolonie ſchicken zu wollen,</line>
        <line lrx="1431" lry="2026" ulx="293" uly="1980">und wenn man ſie freundlich behandle, ſo würden bald noch eine</line>
        <line lrx="1430" lry="2074" ulx="292" uly="2028">ganze Anzahl Ihresgleichen kommen und auch um Aufnahme bitten.</line>
        <line lrx="1434" lry="2127" ulx="291" uly="2077">Das war eine kurioſe Zumuthung an den Miſſionar, denn wie leicht</line>
        <line lrx="1432" lry="2176" ulx="289" uly="2126">konnte es der Fall ſein, daß dieſe Leute Heuchler waren, welche ſich</line>
        <line lrx="1430" lry="2226" ulx="289" uly="2177">bloß in Freretown einſchleichen wollten, um am Ende gar die ganze</line>
        <line lrx="1426" lry="2274" ulx="289" uly="2225">Kolonie zu ſprengen. Aber Price hatte Mitleid mit dieſen herren⸗</line>
      </zone>
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        <line lrx="374" lry="359" ulx="324" uly="332">23³3⁴4</line>
      </zone>
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        <line lrx="1463" lry="432" ulx="323" uly="390">und heimatloſen Leuten, deren ſich noch mehr als hundert in jener</line>
        <line lrx="1464" lry="482" ulx="326" uly="440">Gegend umherzutreiben pflegen und von denen viele zu einem ge⸗</line>
        <line lrx="1465" lry="532" ulx="324" uly="489">wiſſen M'baruk oder andern räuberiſchen Häuptlingen ſich halten.</line>
        <line lrx="1465" lry="581" ulx="326" uly="539">Er hoffte, daß wenn man ſich ihrer annehme und ihnen Schutz ge⸗</line>
        <line lrx="1465" lry="630" ulx="325" uly="588">währe, ſie wirklich an ein geordnetes, arbeitſames Leben gewöhnt</line>
        <line lrx="1465" lry="680" ulx="325" uly="638">werden könnten, und ſo nahm er ſie denn vorläufig für einen Mo⸗</line>
        <line lrx="1198" lry="730" ulx="325" uly="689">nat auf Probe auf und wies ihnen eine Arbeit an.</line>
        <line lrx="1466" lry="784" ulx="406" uly="739">Und in dieſem Styl geht es von Tag zu Tag fort: immer</line>
        <line lrx="1469" lry="830" ulx="326" uly="788">ueue Anſprüche, neue Sorgen und neue Aufgaben. Da erſcheint</line>
        <line lrx="1469" lry="881" ulx="326" uly="839">z. B. mit einemmal ein Eilbote aus Kiſuludini vom dortigen Kate⸗</line>
        <line lrx="1471" lry="931" ulx="327" uly="888">chiſten, welcher ſchreibt, die feindlichen Wamaſai ſeien im Begriff</line>
        <line lrx="1470" lry="980" ulx="326" uly="938">die Station zu überfallen und auszuplündern; wenn irgend möglich</line>
        <line lrx="1471" lry="1030" ulx="327" uly="988">ſolle man alsbald ein Boot ſchicken, um die Frauen und Kinder in</line>
        <line lrx="1472" lry="1081" ulx="328" uly="1038">Sicherheit zu bringen! Das Boot wird abgeſchickt und es kommen</line>
        <line lrx="1471" lry="1131" ulx="328" uly="1088">richtig 24 Weiber und Kinder darauf zurück. Sie müſſen aufge⸗</line>
        <line lrx="1471" lry="1180" ulx="330" uly="1137">nommen, untergebracht und beköſtigt werden, wieder keine kleine Mühe!</line>
        <line lrx="1472" lry="1230" ulx="328" uly="1187">Und kaum ſind ſie ein paar Tage dageweſen, ſo kommt die Nach⸗</line>
        <line lrx="1472" lry="1280" ulx="328" uly="1237">richt, daß nichts an der ganzen Sache geweſen, ſondern dieſelbe bloß</line>
        <line lrx="1472" lry="1329" ulx="330" uly="1287">aus dem dummen Geſchwätz eines ängſtlichen Mannes entſtanden</line>
        <line lrx="1473" lry="1381" ulx="329" uly="1336">ſei — wieder ſo ächt afrikaniſch und ganz wie auf der Weſtküſte, wo</line>
        <line lrx="1474" lry="1430" ulx="332" uly="1387">auch wirklich Kriege mit Kriegsgerüchten beſtändig abwechſeln und</line>
        <line lrx="1319" lry="1480" ulx="330" uly="1437">man nicht weiß, welche von beiden Plagen die größere iſt.</line>
        <line lrx="1474" lry="1528" ulx="413" uly="1485">Kaum iſt die Aufregung und Angſt dieſer Geſchichte vorbei, ſo</line>
        <line lrx="1476" lry="1577" ulx="330" uly="1535">kommt etwas Anderes an die Reihe. Eine Deputation vom Wali</line>
        <line lrx="1477" lry="1627" ulx="331" uly="1585">und dann der Wali ſelbſt kommt zum Miſſionar. Was gibt's? Zwei</line>
        <line lrx="1476" lry="1680" ulx="333" uly="1634">egyptiſche Kriegsſchiffe haben ſich an der Küſte gezeigt und was kön⸗</line>
        <line lrx="1476" lry="1728" ulx="331" uly="1684">nen ſie anders wollen, als Mombas angreifen! Da ſoll der euro⸗</line>
        <line lrx="1477" lry="1779" ulx="332" uly="1733">päiſche Miſſionar helfen und rathen, und er verſpricht auch zu thun</line>
        <line lrx="1477" lry="1828" ulx="333" uly="1783">was in ſeiner Macht ſteht, im Nothfall ſogar ſelbſt den feindlichen</line>
        <line lrx="1476" lry="1879" ulx="334" uly="1833">Schiffen entgegenzufahren und wegen des Friedens zu verhandeln.</line>
        <line lrx="1476" lry="1929" ulx="333" uly="1882">Und richtig, ein Kriegsſchiff erſcheint. Ganz Mombas iſt in Angſt.</line>
        <line lrx="1473" lry="1978" ulx="335" uly="1932">Der Wali aber iſt gerade in ſeinem Garten und ruht wahrſcheinlich</line>
        <line lrx="1476" lry="2029" ulx="335" uly="1982">von wichtigen Staatsgeſchäften aus. In ſeiner Abweſenheit geben</line>
        <line lrx="1478" lry="2079" ulx="336" uly="2033">ſeine Soldaten Feuer auf das verdächtige Schiff und bringen es</line>
        <line lrx="1479" lry="2130" ulx="337" uly="2081">richtig zum Stehen. Aber welche Schmach, als nun der Wali ſelbſt</line>
        <line lrx="1477" lry="2178" ulx="339" uly="2131">erſcheint und ohne viel Mühe in dem vermeintlichen Feinde ein</line>
        <line lrx="1477" lry="2228" ulx="339" uly="2181">Schiff ſeines eigenen Herrn, des Sultans von Sanſibar, erkennt und</line>
        <line lrx="1478" lry="2277" ulx="339" uly="2230">durch recht demüthige Entſchuldigungen den Fehler wieder gut machen</line>
      </zone>
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      </zone>
      <zone lrx="1466" lry="2285" type="textblock" ulx="290" uly="401">
        <line lrx="1432" lry="445" ulx="291" uly="401">muß. Mit den egyptiſchen Schiffen hatte es übrigens dennoch ſeine</line>
        <line lrx="1432" lry="495" ulx="292" uly="452">Richtigkeit und Brava und Kiſima wurden ja wirklich von ihnen be⸗</line>
        <line lrx="1432" lry="545" ulx="291" uly="502">ſetzt, wenn auch Mombas ganz ungefährdet blieb. Für die Miſſion</line>
        <line lrx="1433" lry="595" ulx="292" uly="552">hatten jene Vorgänge aber noch eine beſondere Bedeutung. Als</line>
        <line lrx="1433" lry="645" ulx="292" uly="602">nämlich ganz Mombas ſo in Beſorgniß war und der Wali ſelbſt</line>
        <line lrx="1433" lry="694" ulx="290" uly="651">ſich nicht zu helfen wußte, da hatte Miſſ. Price einen Flaggenſtock</line>
        <line lrx="1433" lry="743" ulx="292" uly="701">in Freretown errichten laſſen, um im Nothfall die britiſche Fahne</line>
        <line lrx="1432" lry="794" ulx="292" uly="752">aufziehen und unter derſelben allen eine Zufluchtsſtätte zu gewähren,</line>
        <line lrx="1432" lry="843" ulx="290" uly="801">die davon Gebrauch machen wollten. Als nun die Gefahr vorüber</line>
        <line lrx="1432" lry="893" ulx="290" uly="851">war, da nahmen etliche feindſelige Geiſter in Mombas dieſe Flaggen⸗</line>
        <line lrx="1432" lry="943" ulx="294" uly="900">ſtange zum Vorwand, beſchuldigten die Miſſion verrätheriſcher Ab⸗</line>
        <line lrx="1434" lry="992" ulx="293" uly="950">ſichten, verbreiteten ſogar ein Gerücht, als werde in Freretown ein</line>
        <line lrx="1431" lry="1042" ulx="292" uly="999">Angriff auf Mombas geplant und waren nahe daran mit einem</line>
        <line lrx="1434" lry="1093" ulx="293" uly="1050">fanatiſchen Volkshaufen die harmloſe Miſſionsniederlaſſung zu über⸗</line>
        <line lrx="1435" lry="1141" ulx="293" uly="1099">fallen. Miſſ. Price fühlte, daß er auf vulkaniſchem Boden ſtehe</line>
        <line lrx="1434" lry="1192" ulx="295" uly="1149">und daß eine einzige unvorſichtige Handlung oder Aeußerung den</line>
        <line lrx="1435" lry="1241" ulx="293" uly="1200">zündenden Funken für eine Exploſion abgeben könnte. Der Wali</line>
        <line lrx="1433" lry="1292" ulx="291" uly="1250">zwar, dem er die Sache erklärte, verſicherte ihn ſeines Schutzes,</line>
        <line lrx="1433" lry="1342" ulx="293" uly="1300">aber darauf war freilich nicht viel zu geben, weßwegen denn auch</line>
        <line lrx="1434" lry="1391" ulx="293" uly="1349">Price ſich durch den engliſchen Konſul an ſeine Hoheit den Sultan</line>
        <line lrx="1432" lry="1440" ulx="292" uly="1398">ſelber wendete und von dieſem, wie wir ſchon früher erwähnt haben,</line>
        <line lrx="1432" lry="1491" ulx="294" uly="1448">wirklich die wichtige Erlaubniß erhielt, die britiſche Flagge in Frere⸗</line>
        <line lrx="727" lry="1538" ulx="296" uly="1497">town aufziehen zu dürfen.</line>
        <line lrx="1433" lry="1588" ulx="373" uly="1546">Und das war nicht das Einzige. Auch auf eine andere Bitte</line>
        <line lrx="1431" lry="1639" ulx="291" uly="1596">war der Sultan eingegangen. Einer der bedeutendſten Taufkandi⸗</line>
        <line lrx="1433" lry="1689" ulx="292" uly="1646">daten aus Giriama, der bei ſeinem Volke in hohem Anſehen ſtehende</line>
        <line lrx="1430" lry="1739" ulx="293" uly="1695">Yamezi, war von dem Gouverneur in Takanugu aufs Schmählichſte</line>
        <line lrx="1431" lry="1790" ulx="294" uly="1745">behandelt worden. Während er nämlich gerade auf einem Beſuch</line>
        <line lrx="1432" lry="1837" ulx="293" uly="1795">bei Miſſ. Price in Freretown ſich befand, waren die Soldaten des⸗</line>
        <line lrx="1432" lry="1888" ulx="295" uly="1845">ſelben nächtlicher Weile in ſein Haus eingedrungen, hatten 13 ſeiner</line>
        <line lrx="1432" lry="1938" ulx="295" uly="1895">Leute ſammt Ziegen, Geflügel und anderem Eigenthum davongeführt</line>
        <line lrx="1466" lry="1988" ulx="293" uly="1944">und ihm den größten Schaden zugefügt. Auf einen Brief von Miſſ.</line>
        <line lrx="1431" lry="2037" ulx="293" uly="1994">Price hin hatte ſich der Wali zwar aufs Höflichſte entſchuldigt, dann</line>
        <line lrx="1430" lry="2087" ulx="294" uly="2043">aber dem Gekränkten doch nicht Gerechtigkeit widerfahren laſſen, wo⸗</line>
        <line lrx="1431" lry="2136" ulx="294" uly="2092">rauf Price die Sache ebenfalls zur Kenntniß des Sultans gebracht</line>
        <line lrx="1430" lry="2186" ulx="292" uly="2142">hatte. Nun kam alſo hierauf die Entſcheidung, der Wali ſolle dem</line>
        <line lrx="1429" lry="2236" ulx="292" uly="2191">unſchuldigen Manne ſogleich alles Geraubte wieder zurückgeben,</line>
        <line lrx="1345" lry="2285" ulx="291" uly="2241">widrigenfalls er den Zorn des Sultans auf ſich laden würde.</line>
      </zone>
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        <line lrx="387" lry="361" ulx="338" uly="335">236</line>
      </zone>
      <zone lrx="1475" lry="1233" type="textblock" ulx="336" uly="389">
        <line lrx="1472" lry="432" ulx="420" uly="389">Das war nun allerdings ein erwünſchter Ausgang der Sache.</line>
        <line lrx="1472" lry="482" ulx="337" uly="439">Aber wie viel Noth, Mühe und Zeitverluſt bringen doch ſolche Ge⸗</line>
        <line lrx="1474" lry="533" ulx="336" uly="489">ſchichten mit ſich! Und mit welch' tiefem Schmerz muß es erſt die</line>
        <line lrx="1474" lry="581" ulx="337" uly="539">Seele eines Chriſten und Menſchenfreundes erfüllen, täglich ſoviel</line>
        <line lrx="1472" lry="631" ulx="337" uly="589">Elend und Unrecht mitanzuſehn ohne demſelben ſteuern zu können!</line>
        <line lrx="1473" lry="683" ulx="336" uly="638">Jener Sklave mit den geſchwollenen Füßen, der glücklich nach Frere⸗</line>
        <line lrx="1473" lry="733" ulx="336" uly="689">town gebracht wurde, hatte, als er hier ankam, noch das gabel⸗</line>
        <line lrx="1473" lry="782" ulx="336" uly="739">förmige nach unten in einen 6 Fuß langen Stock auslaufende Skla⸗</line>
        <line lrx="1474" lry="832" ulx="336" uly="789">venjoch um den Hals und mußte erſt mit Hülfe von Meißel und</line>
        <line lrx="1475" lry="883" ulx="336" uly="839">Hammer davon losgemacht werden! Nun, Miſſ. Price und ſeine</line>
        <line lrx="1473" lry="931" ulx="336" uly="889">Mitarbeiter thun wahrlich, was ſie können. Die mitgetheilten Tage⸗</line>
        <line lrx="1474" lry="982" ulx="336" uly="938">buchnotizen ſprechen deutlich genug hiefür. Und der Mann, den</line>
        <line lrx="1475" lry="1031" ulx="336" uly="989">uns unſer diesmaliges Bild darſtellt, wie er ſterbend auf ſeinen</line>
        <line lrx="1474" lry="1082" ulx="336" uly="1039">Knieen daliegt, der hat auch ſich redlich gemüht bis zum letzten</line>
        <line lrx="1475" lry="1132" ulx="337" uly="1089">Athemzug. Uns aber wird irgendwie die Stimme des barmherzigen</line>
        <line lrx="1475" lry="1182" ulx="337" uly="1139">Samariters aus dem allen ins Herz hineinrufen wollen: „Gehe⸗</line>
        <line lrx="892" lry="1233" ulx="337" uly="1190">hin und thue desgleichen!“</line>
      </zone>
      <zone lrx="1004" lry="1298" type="textblock" ulx="808" uly="1281">
        <line lrx="1004" lry="1298" ulx="808" uly="1281">— = =</line>
      </zone>
      <zone lrx="1473" lry="1456" type="textblock" ulx="337" uly="1380">
        <line lrx="1473" lry="1456" ulx="337" uly="1380">Die Miſſion unter den Muhammedanern.</line>
      </zone>
      <zone lrx="1476" lry="2277" type="textblock" ulx="338" uly="1470">
        <line lrx="1475" lry="1579" ulx="343" uly="1470">le Umſtände ſind in der letzten Zeit zuſammengekommen,</line>
        <line lrx="1476" lry="1630" ulx="350" uly="1584">8e welche die Aufmerkſamkeit der chriſtlichen Welt mehr als je</line>
        <line lrx="1476" lry="1679" ulx="384" uly="1635">Nauf den Islam und die von ihm beherrſchten Länder gelenkt</line>
        <line lrx="1475" lry="1730" ulx="339" uly="1684">haben. Der allem Anſchein nach bevorſtehende Zerfall des türki⸗</line>
        <line lrx="1475" lry="1780" ulx="339" uly="1734">ſchen Reiches, das Vordringen Rußlands in Centralaſien, die ara⸗</line>
        <line lrx="1476" lry="1829" ulx="338" uly="1784">biſche Propaganda unter den heidniſchen Afrikanern, das Verhalten</line>
        <line lrx="1474" lry="1875" ulx="339" uly="1830">der 40 Millionen Muhammedaner, welche in Indien ſich wider⸗</line>
        <line lrx="1475" lry="1928" ulx="340" uly="1882">willig einer chriſtlichen Regierung beugen müſſen, die Beſuchs⸗ und</line>
        <line lrx="1476" lry="1975" ulx="340" uly="1932">man kann wohl ſagen Bildungsreiſen, welche der Schah von Perſien</line>
        <line lrx="1476" lry="2024" ulx="341" uly="1981">und der Sultan von Sanſibar in Europa gemacht haben, der Krieg</line>
        <line lrx="1476" lry="2077" ulx="340" uly="2031">zwiſchen Egypten und Abeſſinien hat neben manchem Anderen hiezu</line>
        <line lrx="1475" lry="2127" ulx="341" uly="2081">beigetragen. Und es iſt gut, daß jetzt nicht bloß die Stubengelehrten,</line>
        <line lrx="1476" lry="2176" ulx="342" uly="2131">welche nur zu oft die Religion des falſchen Propheten in dem</line>
        <line lrx="1476" lry="2228" ulx="342" uly="2181">roſigſten Lichte darzuſtellen ſuchten, über dieſen Gegenſtand ſich hören</line>
        <line lrx="1474" lry="2277" ulx="342" uly="2230">laſſen, ſondern auch Staats⸗ und Finanzmänner ſich ernſtlich dar⸗</line>
      </zone>
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        <line lrx="1476" lry="352" ulx="1427" uly="326">227</line>
      </zone>
      <zone lrx="1477" lry="1018" type="textblock" ulx="329" uly="371">
        <line lrx="1477" lry="423" ulx="338" uly="371">lizeicorps. Acht Mann wurden hiezu auserſehen und mit der</line>
        <line lrx="1476" lry="473" ulx="336" uly="421">Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung betraut, zwei davon aus⸗</line>
        <line lrx="1475" lry="525" ulx="335" uly="470">ſchließlich für den Nachtdienſt. Aber o weh! eines Sonntags wird</line>
        <line lrx="1475" lry="575" ulx="336" uly="520">Einer dieſer Beamten betrunken gefunden und muß ſelbſt ſtreng be⸗</line>
        <line lrx="1475" lry="623" ulx="334" uly="569">ſtraft werden. Der „tembo“, ein ſtark berauſchendes Getränk, das</line>
        <line lrx="1476" lry="674" ulx="333" uly="619">die Eingebornen jener Gegend ſelbſt bereiten und oft bloß deßwegen</line>
        <line lrx="1474" lry="721" ulx="332" uly="669">trinken, um im Rauſch ihr Elend zu vergeſſen, iſt neben der Sklaven⸗</line>
        <line lrx="1057" lry="766" ulx="332" uly="719">wirthſchaft ein Hauptfluch des Landes.</line>
        <line lrx="1472" lry="823" ulx="413" uly="768">Aber freilich, dieſe letztere iſt das Schlimmſte. Schon ſchwärmen,</line>
        <line lrx="1473" lry="874" ulx="330" uly="817">ſcheint's, gewiſſe Menſchenfänger um die neugegründete Freiſtätte</line>
        <line lrx="1473" lry="923" ulx="330" uly="865">herum, um auch in dieſem Teich um ſo bequemer ihre Fiſche ins</line>
        <line lrx="1471" lry="973" ulx="331" uly="916">Netz zu bringen. Gleich am erſten Tag der Landung, wo freilich</line>
        <line lrx="1471" lry="1018" ulx="329" uly="965">bei der allgemeinen Verwirrung noch manches drunter und drüber</line>
      </zone>
      <zone lrx="1471" lry="1072" type="textblock" ulx="297" uly="1015">
        <line lrx="1471" lry="1072" ulx="297" uly="1015">gieng, war es ſolch einem Spitzbuben gelungen zwei der eben erſt</line>
      </zone>
      <zone lrx="1469" lry="2262" type="textblock" ulx="315" uly="1064">
        <line lrx="1469" lry="1121" ulx="328" uly="1064">befreiten Weiber zu entführen und wieder in die Sklaverei zu ver⸗</line>
        <line lrx="1469" lry="1171" ulx="327" uly="1114">kaufen. Ein anderes Mal wurde ein Suaheli⸗Mann noch zu rechter</line>
        <line lrx="1469" lry="1220" ulx="327" uly="1164">Zeit dabei ertappt, wie er Einen der befreiten Sklaven zu beſchwatzen</line>
        <line lrx="1467" lry="1269" ulx="326" uly="1213">ſuchte, daß er ihm folge — verſteht ſich in ein vorgeſpiegeltes Glück,</line>
        <line lrx="1468" lry="1320" ulx="327" uly="1263">in Wirklichkeit aber in die alte Knechtſchaft. Natürlich wurde dieſer</line>
        <line lrx="1466" lry="1362" ulx="324" uly="1312">Verführer ergriffen und dem Wali oder Gouverneur von Mombas</line>
        <line lrx="1466" lry="1419" ulx="324" uly="1362">übergeben, während auch der engliſche Konſul Bericht über die Sache</line>
        <line lrx="1465" lry="1469" ulx="326" uly="1411">erhielt. Nichtsdeſtoweniger wurden etwas ſpäter wieder ſechs befreite</line>
        <line lrx="1459" lry="1518" ulx="325" uly="1459">Makua⸗Leute vermißt. Möglicher Weiſe waren ſie aus eigenem An⸗</line>
        <line lrx="1463" lry="1568" ulx="323" uly="1511">trieb davongelaufen, möglicher Weiſe aber auch unter irgendwelchen</line>
        <line lrx="1461" lry="1618" ulx="322" uly="1559">Vorſpiegelungen ins Elend gelockt worden. Im Vergleich mit ſolchen</line>
        <line lrx="1461" lry="1668" ulx="322" uly="1609">betrübenden Erfahrungen waren manch' äußere Unglücksfälle leicht</line>
        <line lrx="1460" lry="1715" ulx="322" uly="1664">zu ertragen. Zweimal brachen heftige Gewitterregen mit Sturm</line>
        <line lrx="1459" lry="1767" ulx="322" uly="1708">über die noch im Entſtehen begriffene Anſiedlung los und durch⸗</line>
        <line lrx="1458" lry="1817" ulx="320" uly="1758">näßten eine ganze Reihe der leicht gebauten Wohnungen. Doch</line>
        <line lrx="1457" lry="1865" ulx="319" uly="1807">blieben gerade die befreiten Sklaven in ihren Hütten ziemlich trocken,</line>
        <line lrx="1458" lry="1914" ulx="319" uly="1859">was um ſo dankenswerther war, da ſie noch nicht recht mit Kleidern</line>
        <line lrx="1456" lry="1962" ulx="318" uly="1907">und mit Bettwerk gar nicht verſehen waren. Später bekam dann</line>
        <line lrx="1456" lry="2015" ulx="316" uly="1955">jeder eine Matte zum Schlafen, die Dächer wurden ausgebeſſert,</line>
        <line lrx="1455" lry="2064" ulx="317" uly="2005">wo der Regen eingedrungen war und alles immer feſter und wohn⸗</line>
        <line lrx="607" lry="2099" ulx="318" uly="2054">licher eingerichtet.</line>
        <line lrx="1455" lry="2163" ulx="400" uly="2105">Natürlich ſtieg nun in den Meiſten auch der Wunſch nach einer</line>
        <line lrx="1454" lry="2212" ulx="316" uly="2153">Art Familienleben auf. Einige waren ſchon früher verheirathet ge⸗</line>
        <line lrx="1453" lry="2262" ulx="315" uly="2204">weſen, andere wollten es werden. Jedenfalls konnten die ſchwarzen</line>
      </zone>
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