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        <title>GkII73-1873_Persien</title>
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          <resp>Transcribed with</resp>
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        <p>This work is protected by copyright or related property rights but available in Open Access. The right of use and especially the right to reproduction is only granted within the legal limits of copyright law or due to the consent of the copyright holder.</p>
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          <title>Aussichten der Mission in Persien, Bd. 17, S. 3-22</title>
          <author>Gundert, Hermann</author>
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        <line lrx="1024" lry="1981" ulx="532" uly="1938">N11 41223937 021</line>
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        <line lrx="1287" lry="2098" ulx="1071" uly="2062">U8 Tübingen</line>
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      <zone lrx="1438" lry="2229" type="textblock" ulx="303" uly="948">
        <line lrx="1434" lry="987" ulx="448" uly="948"> da die Schiffstrümmer und den durch das Toben der</line>
        <line lrx="1435" lry="1037" ulx="470" uly="998">Elemente verurſachten Schaden zu ſchätzen, ſo meldet</line>
        <line lrx="1434" lry="1087" ulx="486" uly="1047">Miſſionar Bruce jetzt aus Perſien einzelne Thatſachen,</line>
        <line lrx="1434" lry="1137" ulx="304" uly="1097">die etwas ahnen laſſen von den Folgen der dortigen Nothzeit. —</line>
        <line lrx="1433" lry="1187" ulx="307" uly="1146">Ein Mitglied des perſiſchen Hilfskomites beerdigte vor etlichen Mo⸗</line>
        <line lrx="1434" lry="1236" ulx="303" uly="1196">naten auf einer zehntägigen Reiſe von Iſpahan nach Kaſchan und</line>
        <line lrx="1435" lry="1287" ulx="304" uly="1245">zurück 35 Leichen! In Kaſchan ſelbſt aber hatte der mit dem Tele⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="1336" ulx="305" uly="1295">graphendienſt betraute Sergeant an einer Stelle 106, an einer an⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="1384" ulx="304" uly="1345">dern 88 Leichen beerdigt. Vor der Hungersnoth war dieſe Stadt</line>
        <line lrx="1434" lry="1435" ulx="304" uly="1394">ein blühender Ort und der Hauptſitz der Seidenweberei dieſer Gegend</line>
        <line lrx="1434" lry="1484" ulx="304" uly="1444">mit einer Bevölkerung von 35,000 Seelen. Jetzt hat ſie noch</line>
        <line lrx="1432" lry="1535" ulx="304" uly="1489">8000 Einwohner, und die Webſtühle ſind ſämmtlich abgebrochen und</line>
        <line lrx="1437" lry="1584" ulx="305" uly="1544">um Brod verkauft oder zur Feuerung benützt worden. — Ned⸗</line>
        <line lrx="1433" lry="1634" ulx="304" uly="1587">ſchefabad war eine ungemein ſchöne, ſtundenweit von Weinbergen</line>
        <line lrx="1436" lry="1683" ulx="304" uly="1643">umgebene Stadt, deren Bevölkerung ſich jedenfalls auf mehr als</line>
        <line lrx="1435" lry="1731" ulx="306" uly="1692">30,000 belief. Der noch vorhandene Reſt wird auf 5000 Seelen</line>
        <line lrx="1436" lry="1782" ulx="306" uly="1742">geſchätzt! Viele ſind ausgewandert, aber niemand weiß, was aus</line>
        <line lrx="1436" lry="1831" ulx="305" uly="1791">ihnen geworden; Tauſende armer Wanderer wurden auf den Land⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="1881" ulx="304" uly="1841">ſtraßen geſehen, und Schaaren ſind ohne Zweifel umgekommen. In</line>
        <line lrx="1437" lry="1931" ulx="306" uly="1891">Iſpahan ſelbſt, wo 4000 Seidewebſtühle geſtanden ſein ſollen, iſt</line>
        <line lrx="1436" lry="1980" ulx="306" uly="1941">der Sage nach jetzt kaum mehr ein Dutzend vorhanden. Mag daran</line>
        <line lrx="1436" lry="2030" ulx="308" uly="1990">auch viel Uebertreibung ſein, ſo laſſen dieſe Angaben dennoch einen</line>
        <line lrx="1436" lry="2079" ulx="306" uly="2039">Blick thun in die erſchreckende Größe der vergangenen Noth, während</line>
        <line lrx="1434" lry="2130" ulx="307" uly="2089">deren weder weltliche noch geiſtliche Behörden irgend eine Anſtrengung</line>
        <line lrx="1437" lry="2180" ulx="306" uly="2138">machten, für Beſchäftigung oder Unterſtützung ihrer Untergebenen zu</line>
        <line lrx="1438" lry="2229" ulx="306" uly="2183">ſorgen. Nur der erſte Miniſter machte in dieſer Beziehung eine rühm⸗</line>
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      <zone lrx="1409" lry="2234" type="textblock" ulx="268" uly="358">
        <line lrx="1403" lry="399" ulx="271" uly="358">liche Ausnahme und that ſein Möglichſtes zur Linderung des Elends.</line>
        <line lrx="1405" lry="448" ulx="272" uly="408">Was vermag aber ein einzelner Mann ſelbſt von ſeinem Range,</line>
        <line lrx="1406" lry="499" ulx="271" uly="458">wenn das ganze Gewicht der Regierungsmaſchine und der öffentlichen</line>
        <line lrx="1199" lry="548" ulx="271" uly="507">Stimmung alle ſeine Bewegungen hemmt ſtatt fördert?</line>
        <line lrx="1405" lry="598" ulx="354" uly="558">Es iſt bekannt, welche Anſtrengungen von Indien, von England,</line>
        <line lrx="1407" lry="647" ulx="270" uly="608">von Deutſchland, und in dieſem beſonders von Württemberg aus</line>
        <line lrx="1404" lry="697" ulx="273" uly="657">gemacht wurden, um den darbenden Nebenmenſchen in weite Ferne</line>
        <line lrx="1406" lry="747" ulx="270" uly="707">hinüber eine rettende Hand zu reichen, während deren Stammgenoſſen</line>
        <line lrx="1403" lry="797" ulx="269" uly="757">und Glaubensbrüder ſie vor ihren Augen hinſterben ſahen, ohne ſich</line>
        <line lrx="1405" lry="847" ulx="271" uly="805">ihrer Nothdurft zu erbarmen, oder ſie auch nur zu begraben. „Die</line>
        <line lrx="1406" lry="896" ulx="270" uly="855">paar reichen Kaufleute in Iſpahan haben faſt nichts für die Armen</line>
        <line lrx="1406" lry="946" ulx="272" uly="904">gethan.“ Und als im Frühling 1872 mit der Schneeſchmelze die</line>
        <line lrx="1406" lry="998" ulx="271" uly="955">Getreidepreiſe bis zur Hälfte ihrer vorigen Höhe herabzuſinken be⸗</line>
        <line lrx="1403" lry="1046" ulx="269" uly="1004">gannen, da führte ſogar der Hoheprieſter der Moslem durch wucheri⸗</line>
        <line lrx="1406" lry="1095" ulx="268" uly="1054">ſchen Kornhandel eine neue Steigerung herbei. Kein Wunder, daß</line>
        <line lrx="1402" lry="1144" ulx="270" uly="1103">beim Anblick ſeiner gefüllten Scheunen, aus denen die Bäcker nur</line>
        <line lrx="1407" lry="1194" ulx="269" uly="1152">zu ungeheuren Preiſen ihren Bedarf beziehen konnten, eine tiefe Un⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="1243" ulx="270" uly="1203">zufriedenheit ſich des Volks bemächtigte, und deſ Achtung vor den</line>
        <line lrx="684" lry="1293" ulx="274" uly="1253">Prieſtern ungeheuer ſank.</line>
        <line lrx="1402" lry="1342" ulx="352" uly="1301">Andrerſeits erwachte, nachdem eine reiche Ernte das Ende der</line>
        <line lrx="1407" lry="1391" ulx="270" uly="1351">Noth in Ausſicht ſtellte, beſonders in Württemberg in den Herzen</line>
        <line lrx="1408" lry="1441" ulx="269" uly="1401">derer, die den leiblich Hungernden ſo bereitwillig ihr Brod gebrochen</line>
        <line lrx="1407" lry="1490" ulx="270" uly="1449">hatten, ein großer Wunſch, dieſelben nun auch mit dem Brod des</line>
        <line lrx="1406" lry="1540" ulx="269" uly="1499">Lebens zu bedienen. In dieſem Sinn richtete im Auguſt des vorigen</line>
        <line lrx="1407" lry="1589" ulx="270" uly="1549">Jahres das perſiſche Hilfskomite in Württemberg an die Kom⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="1640" ulx="270" uly="1599">mittee der Basler Miſſionsgeſellſchaft den Antrag, dieſelbe möge</line>
        <line lrx="1407" lry="1689" ulx="270" uly="1649">zur Verſorgung wenigſtens eines kleinen Theils der vielen tauſend</line>
        <line lrx="1401" lry="1739" ulx="270" uly="1699">Waiſenkinder, welche die Hungersnoth geſchaffen hat, ein Waiſenhaus</line>
        <line lrx="1409" lry="1788" ulx="270" uly="1742">in Perſien, wo möglich in Iſpahan, errichten und damit die Bas⸗</line>
        <line lrx="1406" lry="1838" ulx="272" uly="1796">ler Miſſion in Perſien, wie ſie in den dreißiger Jahren etwa drei</line>
        <line lrx="1408" lry="1886" ulx="271" uly="1847">Jahre beſtanden hatte, wieder aufnehmen. Armeniſche und perſiſche</line>
        <line lrx="1407" lry="1936" ulx="271" uly="1895">Waiſenknaben haben ſich bereits den dortigen Miſſionaren ſo beharr⸗</line>
        <line lrx="1406" lry="1986" ulx="273" uly="1946">lich angeſchloſſen, daß ſie dieſelben nicht haben wegtreiben können.</line>
        <line lrx="1403" lry="2034" ulx="272" uly="1993">Sie erbieten ſich, bei der Gründung eines Waiſenhauſes mitzuhelfen,</line>
        <line lrx="1404" lry="2085" ulx="272" uly="2043">können aber deſſen künftige Leitung nicht ganz übernehmen. Sie hal⸗</line>
        <line lrx="1408" lry="2133" ulx="270" uly="2092">ten ſeine Errichtung für möglich, wenn man vorſichtig zu Werke</line>
        <line lrx="1324" lry="2184" ulx="272" uly="2143">gehe, um den Fanatismus der Muhammedaner nicht zu reizen.</line>
        <line lrx="1407" lry="2234" ulx="355" uly="2190">Schon zwei Jahre zuvor war von Konſtantinopel aus auch eine</line>
      </zone>
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      <zone lrx="1424" lry="2242" type="textblock" ulx="282" uly="372">
        <line lrx="1418" lry="417" ulx="291" uly="372">Anforderung an Baſel ergangen, in Perſien eine neue Miſſion zu</line>
        <line lrx="1422" lry="465" ulx="292" uly="424">gründen; damals aber war die Sache einfach abgewieſen worden,</line>
        <line lrx="1423" lry="514" ulx="290" uly="473">weil die Kommittee ſeit einem Vierteljahrhundert nicht daran denken</line>
        <line lrx="1424" lry="564" ulx="290" uly="523">konnte, ihre Thätigkeit auf weitere Gebiete der nichtchriſtlichen Welt</line>
        <line lrx="1419" lry="613" ulx="293" uly="573">auszudehnen. Hat ſie doch bis auf den heutigen Tag Mühe und</line>
        <line lrx="1419" lry="665" ulx="290" uly="622">ſchwere Sorgen, mit den dargebotenen Mitteln und den vorhandenen</line>
        <line lrx="1419" lry="711" ulx="291" uly="670">Arbeitskräften die bereits von ihr beſetzten Gebiete auf der Goldküſte</line>
        <line lrx="1416" lry="762" ulx="290" uly="720">Weſtafrikas, in Oſtindien und im ſüdlichen China gehörig zu verſorgen</line>
        <line lrx="1421" lry="813" ulx="288" uly="770">und das auf denſelben begonnene Werk kräftig fortzuführen! — Eine ſpä⸗</line>
        <line lrx="1422" lry="861" ulx="290" uly="820">ter wiederholte Einladung aus Konſtantinopel wurde aus eben dieſen</line>
        <line lrx="1421" lry="911" ulx="290" uly="868">Gründen bei Seite gelegt; auch die gleichzeitig aus Württemberg</line>
        <line lrx="1422" lry="960" ulx="291" uly="917">eingetroffene Anfrage in Betreff der Ueberſiedlung von perſiſchen</line>
        <line lrx="1418" lry="1008" ulx="290" uly="966">Waiſenkindern in die oſtindiſchen Waiſenhäuſer der Basler Miſſion</line>
        <line lrx="874" lry="1056" ulx="288" uly="1017">mußte abſchlägig beſchieden werden.</line>
        <line lrx="1420" lry="1108" ulx="370" uly="1059">Als nun aber im Auguſt dieſer neue ausführlich begründete</line>
        <line lrx="1419" lry="1158" ulx="288" uly="1113">Antrag wegen Perſiens an die Kommittee kam; als der Ueberbringer</line>
        <line lrx="1418" lry="1205" ulx="288" uly="1163">deſſelben, ihr alter Freund und einſtiger Miſſionar in Gruſien und</line>
        <line lrx="1421" lry="1255" ulx="288" uly="1211">Perſien (der penſionirte Stadtpfarrer Haas in Ludwigsburg), ihr zu die⸗</line>
        <line lrx="1418" lry="1305" ulx="289" uly="1262">ſem Unternehmen eine für die erſten Jahre ausreichende Summe zur</line>
        <line lrx="1418" lry="1352" ulx="289" uly="1309">Verfügung ſtellte und ſie an ihre frühere Arbeit in Perſien erinnerte,</line>
        <line lrx="1420" lry="1401" ulx="290" uly="1359">da war es ihr doch, als dürfe ſie nicht ohne Weiteres auf ihrem</line>
        <line lrx="1420" lry="1452" ulx="290" uly="1407">Nein beharren und habe in ernſtliche Erwägung zu ziehen, ob hier</line>
        <line lrx="871" lry="1498" ulx="286" uly="1456">nicht ein Wink des Herrn vorliege.</line>
        <line lrx="1411" lry="1551" ulx="368" uly="1505">Europäiſche Arbeiter hatte ſie für Perſien zwar abſolut nicht</line>
        <line lrx="1411" lry="1599" ulx="285" uly="1556">abzugeben, aber an zwei ihrer armeniſchen Zöglinge, Abraham</line>
        <line lrx="1419" lry="1647" ulx="283" uly="1604">Amirchanjanz und Melkom Aſduadſadrian, konnte ſie denken. Beide</line>
        <line lrx="1412" lry="1697" ulx="284" uly="1653">arbeiten jetzt unabhängig von der Basler Geſellſchaft, die in Vorder⸗</line>
        <line lrx="1417" lry="1749" ulx="285" uly="1703">aſien keine Miſſion hat, unter ihren Volksgenoſſen; der Erſtere in</line>
        <line lrx="1415" lry="1797" ulx="283" uly="1752">Konſtantinopel, der Letztere in Karput (Kurdiſtan). An ſie erließ</line>
        <line lrx="1417" lry="1846" ulx="283" uly="1802">ſie denn auch die Anfrage, ob ſie eine Unterſuchungsreiſe nach Perſien</line>
        <line lrx="1417" lry="1896" ulx="283" uly="1851">unternehmen könnten und wollten, und verwilligte ihnen für den</line>
        <line lrx="1413" lry="1944" ulx="283" uly="1899">Fall ihrer Annahme die hiezu erforderlichen Mittel aus dem ſich auf</line>
        <line lrx="1418" lry="1994" ulx="285" uly="1949">20,000 fl. belaufenden Angeld, welches das perſiſche Hilfskomite</line>
        <line lrx="1417" lry="2044" ulx="285" uly="1993">in Württemberg ihr entgegenbrachte als den noch verfügbaren Reſt</line>
        <line lrx="1121" lry="2092" ulx="283" uly="2048">der ihm zugefloſſenen Gaben für die Hungernden.</line>
        <line lrx="1416" lry="2140" ulx="366" uly="2098">Da beide armeniſche Lehrer verheirathet ſind und eine der</line>
        <line lrx="1416" lry="2192" ulx="284" uly="2147">Gründung des Waiſenhauſes vorangehende Unterſuchungreiſe mit</line>
        <line lrx="1412" lry="2242" ulx="282" uly="2195">Zurücklaſſung ihrer Familien die Koſten bedeutend ſteigern würde,</line>
      </zone>
      <zone lrx="1424" lry="345" type="textblock" ulx="1409" uly="320">
        <line lrx="1424" lry="345" ulx="1409" uly="320">5</line>
      </zone>
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        <line lrx="287" lry="355" ulx="270" uly="329">6</line>
        <line lrx="1406" lry="425" ulx="270" uly="379">hat man ſich in Baſel entſchloſſen, auf eine ſolche vorläufige Reiſe</line>
        <line lrx="1402" lry="475" ulx="271" uly="428">zu verzichten und ſogleich das Werk ſelbſt in Angriff zu nehmen.</line>
        <line lrx="1407" lry="520" ulx="270" uly="477">Beide Brüder ſind daher aufgefordert worden, mit ihren Familien</line>
        <line lrx="1407" lry="574" ulx="271" uly="527">nach Iſpahan aufzubrechen; zur Reiſe ſowie zur erſten Anſiedlung</line>
        <line lrx="1216" lry="622" ulx="271" uly="578">wurden ihnen die nöthig ſcheinenden Mittel zugeſtellt. —</line>
        <line lrx="1407" lry="667" ulx="356" uly="627">Ein einleitender Schritt iſt damit vorerſt geſchehen; daß das</line>
        <line lrx="1408" lry="722" ulx="274" uly="676">ganze Unternehmen zunächſt aber doch nur als ein im Glauben ge⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="772" ulx="272" uly="726">wagter Verſuch zu betrachten iſt, dürfen wir uns angeſichts der</line>
        <line lrx="1201" lry="821" ulx="272" uly="775">religiös⸗politiſchen Verhältniſſe Perſiens nicht verbergen.</line>
        <line lrx="1408" lry="867" ulx="359" uly="824">Wir haben uns bemüht, im Januarheft 1872 einen möglichſt</line>
        <line lrx="1411" lry="916" ulx="274" uly="874">klaren Blick in dieſelben, ſowie eine kurze Ueberſicht über die ſeit⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="968" ulx="275" uly="923">herigen Miſſionsverſuche in Perſien zu geben. Wenn wir jetzt dar⸗</line>
        <line lrx="1410" lry="1017" ulx="273" uly="972">auf zurückkommen und ergänzend einige weitere Betrachtungen daran</line>
        <line lrx="1410" lry="1067" ulx="277" uly="1021">anknüpfen, geſchieht das ſicher nicht, um den Muth irgend eines</line>
        <line lrx="1409" lry="1117" ulx="275" uly="1071">freudigen Beters und Gebers zu dämpfen, ſondern vielmehr um durch</line>
        <line lrx="1411" lry="1165" ulx="276" uly="1120">die Andeutung der ungeheuren Hinderniſſe, die der Verkündigung des</line>
        <line lrx="1412" lry="1214" ulx="277" uly="1169">Evangeliums in Perſien noch immer im Wege ſtehen, diejenigen, die</line>
        <line lrx="1413" lry="1265" ulx="276" uly="1219">ein Herz haben für dieſes unglückliche Land, zu um ſo herzlicherer</line>
        <line lrx="612" lry="1314" ulx="276" uly="1275">Fürbitte zu ſpornen.</line>
        <line lrx="1412" lry="1363" ulx="358" uly="1319">Zunächſt werde hier erwähnt, was ein Miſſionar in Perſien</line>
        <line lrx="1412" lry="1409" ulx="276" uly="1369">über die kleinen Reſte der alten Kirchen ſagt, welche ſich</line>
        <line lrx="1412" lry="1461" ulx="276" uly="1417">neben den Muhammedanern daſelbſt vorfinden. Es ſoll uns freuen,</line>
        <line lrx="1413" lry="1510" ulx="276" uly="1467">wenn die beiden evangeliſchen Arbeiter, welche vorausſichtlich das</line>
        <line lrx="1414" lry="1558" ulx="275" uly="1517">Land betreten werden, daſelbſt Anknüpfungspunkte unter ihren ar⸗</line>
        <line lrx="1191" lry="1611" ulx="275" uly="1566">meniſchen Landsleuten finden. Der Miſſionar ſchreibt:</line>
        <line lrx="1415" lry="1660" ulx="361" uly="1616">„Die armeniſche ſowohl als die römiſche Kirche iſt ſeit mehr</line>
        <line lrx="1414" lry="1711" ulx="280" uly="1666">als zwei Jahrhundertrn in dieſem Lande vertreten, aber beide haben</line>
        <line lrx="1415" lry="1757" ulx="277" uly="1715">das Wort Gottes ſo unter abergläubiſche Gebräuche verſchüttet, daß</line>
        <line lrx="1414" lry="1808" ulx="276" uly="1764">ſie ſichtlich dahinſchwinden; auch hat keine je einen Anlauf genommen,</line>
        <line lrx="1414" lry="1858" ulx="278" uly="1813">die heilige Schrift zu überſetzen oder zu verbreiten. — Vor etlichen</line>
        <line lrx="1416" lry="1908" ulx="278" uly="1862">Jahren war noch alles in den Händen der Prieſter, und der Ein⸗</line>
        <line lrx="1416" lry="1958" ulx="277" uly="1914">fluß der Chriſten war nicht zum Guten. Von den Muhammedanern</line>
        <line lrx="1413" lry="2007" ulx="279" uly="1963">gehaßt und verfolgt, bezahlten ſie Haß mit Haß und dachten gar</line>
        <line lrx="1413" lry="2055" ulx="279" uly="2012">nicht an die Möglichkeit, ihre Religion unter den Perſern zu ver⸗</line>
        <line lrx="1416" lry="2102" ulx="280" uly="2060">breiten. Der von Weſten gekommene Einfluß hat an vielen Orten</line>
        <line lrx="1416" lry="2152" ulx="279" uly="2110">unter Gottes Segen die orientaliſchen Kirchen auf einen höhern</line>
        <line lrx="1417" lry="2204" ulx="280" uly="2159">Standpunkt gebracht, den Aberglauben, der die Wahrheit über⸗</line>
        <line lrx="1415" lry="2254" ulx="280" uly="2210">wucherte, zerſtreut und Evangeliſten für die Muhammedaner aus</line>
      </zone>
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        <line lrx="1401" lry="313" ulx="1386" uly="287">7</line>
      </zone>
      <zone lrx="1414" lry="2117" type="textblock" ulx="268" uly="346">
        <line lrx="1399" lry="393" ulx="268" uly="346">ihnen erweckt. Viele Perſer ſind kürzlich in Bombay, Smyrna und</line>
        <line lrx="1401" lry="442" ulx="269" uly="395">Konſtantinopel vom Chriſtenthum angefaßt und mehrere getauft</line>
        <line lrx="1402" lry="491" ulx="269" uly="444">worden. Auch in Perſien ſelbſt fehlt es nicht ganz an Leuten, die</line>
        <line lrx="1401" lry="541" ulx="270" uly="494">willig ſind, um des Evangeliums willen Leben und Eigenthum aufs</line>
        <line lrx="654" lry="591" ulx="271" uly="551">Spiel zu ſetzen.</line>
        <line lrx="1404" lry="640" ulx="356" uly="592">„In zwei wichtigen Punkten nnterſcheidet die armeniſche Kirche</line>
        <line lrx="1403" lry="690" ulx="270" uly="642">ſich von der römiſchen. Sie gibt nämlich das Wort Gottes ihren</line>
        <line lrx="1406" lry="737" ulx="273" uly="691">Gliedern ohne Vorbehalt in ihrer Mutterſprache, obwohl nicht in</line>
        <line lrx="1400" lry="786" ulx="271" uly="741">der neu⸗, ſondern in der alt⸗armeniſchen. Sodann iſt ſie mit allen</line>
        <line lrx="1404" lry="839" ulx="272" uly="789">chriſtlichen Kirchen in Liebe verbunden. Viele ihrer Prieſter ſind</line>
        <line lrx="1400" lry="887" ulx="271" uly="838">unſre Freunde, nehmen herzlichen Antheil an unſrem Werke und</line>
        <line lrx="1401" lry="938" ulx="272" uly="887">glauben die Zeit gekommen, in Perſien eine Arbeit zu beginnen.</line>
        <line lrx="1405" lry="984" ulx="273" uly="937">Viele ſind auch bereit zu Anſtrengungen behufs einer Reformation</line>
        <line lrx="1407" lry="1034" ulx="273" uly="987">und Erleuchtung ihrer Kirche. Beten Sie für uns, daß uns Gnade</line>
        <line lrx="1406" lry="1086" ulx="275" uly="1036">geſchenkt werde, uns dieſem Werk recht hinzugeben, und daß unſer</line>
        <line lrx="1342" lry="1135" ulx="274" uly="1087">ganzes Gemeinlein bewahrt werde vor der Macht des Feindes.“</line>
        <line lrx="1408" lry="1180" ulx="356" uly="1137">Aber wieviel auch unter Neſtorianern und Armeniern vorgear⸗</line>
        <line lrx="1409" lry="1232" ulx="276" uly="1185">beitet ſein möge, ihr Einfluß auf die herrſchende muhammedaniſche</line>
        <line lrx="1186" lry="1280" ulx="274" uly="1236">Bevölkerung iſt noch immer ein verſchwindend geringer.</line>
        <line lrx="1404" lry="1331" ulx="361" uly="1283">Heute noch ſteht dort, wie vor Jahren, auf dem Uebertritt eines</line>
        <line lrx="1410" lry="1380" ulx="280" uly="1333">Moslem zum Chriſtenthum der Tod. Der direkte Erfolg aller ſeit⸗</line>
        <line lrx="1410" lry="1430" ulx="280" uly="1383">herigen Miſſionsbeſtrebungen beſchränkt ſich daher auf etliche verein⸗</line>
        <line lrx="1409" lry="1480" ulx="281" uly="1432">zelte Seelen, die wie einſt Nikodemus bei Nacht dem Worte des</line>
        <line lrx="1412" lry="1527" ulx="280" uly="1482">Lebens lauſchten. Welches waren aber die indirekten Wirkungen der</line>
        <line lrx="1411" lry="1576" ulx="281" uly="1531">hl. Schrift? Die volle Antwort auf dieſe Frage entzieht ſich ſelbſt⸗</line>
        <line lrx="1411" lry="1625" ulx="282" uly="1581">verſtändlich jedem menſchlichen Auge; nur einzelne Zeichen treten</line>
        <line lrx="1412" lry="1674" ulx="284" uly="1630">davon zu Tage, die jeder nach ſeiner eigenthümlichen Auffaſſung</line>
        <line lrx="1414" lry="1724" ulx="280" uly="1678">zu ſchätzen und zu deuten verſuchen wird. Hören wir denn einmal</line>
        <line lrx="1414" lry="1772" ulx="282" uly="1727">die kürzlich im Druck erſchienene Anſicht eines engliſchen Miſſions⸗</line>
        <line lrx="456" lry="1821" ulx="281" uly="1782">freundes. *)</line>
        <line lrx="1408" lry="1868" ulx="366" uly="1826">„Es ſind in Perſien ungeheure Anſtrengungen gemacht worden,</line>
        <line lrx="1411" lry="1919" ulx="282" uly="1875">das Evangelium auszuſchließen, und dem Anſchein nach mit Erfolg.</line>
        <line lrx="1413" lry="1969" ulx="282" uly="1925">Doch war da und dort ein geiſtlicher Hunger und ein tiefes Verlangen</line>
        <line lrx="1413" lry="2018" ulx="283" uly="1974">nach einer gehaltreicheren und befriedigenderen Lehre vorhanden, als</line>
        <line lrx="1413" lry="2067" ulx="284" uly="2024">die verſchiedenen muhammedaniſchen Sekten des Landes ſie boten.</line>
        <line lrx="1414" lry="2117" ulx="284" uly="2072">Durch ganz Central⸗Aſien, von Bagdad an nach Perſien, Nordindien</line>
      </zone>
      <zone lrx="963" lry="2215" type="textblock" ulx="351" uly="2180">
        <line lrx="963" lry="2215" ulx="351" uly="2180">*) The Church Miss. Intell. June 1872.</line>
      </zone>
    </surface>
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        <line lrx="307" lry="301" ulx="291" uly="277">8</line>
      </zone>
      <zone lrx="1449" lry="2212" type="textblock" ulx="276" uly="334">
        <line lrx="1449" lry="382" ulx="292" uly="334">und in die Mongolei hinüber, iſt ſeit Jahren ein Suchen und Seh⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="433" ulx="291" uly="385">nen erwacht nach etwas, das die nagende Leere in den Herzen ſtillen</line>
        <line lrx="1418" lry="487" ulx="290" uly="433">und ihnen ſtatt bloßer Schatten etwas Weſenhaftes bieten ſoll.</line>
        <line lrx="1423" lry="531" ulx="289" uly="481">Allenthalben, wohin in dieſen Ländern ein Strahl des Chriſten⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="580" ulx="289" uly="532">thums drang, tritt eine merkwürdige Neigung hervor, von den neue⸗</line>
        <line lrx="1421" lry="629" ulx="289" uly="582">ren Syſtemen zur Ur⸗Religion zurückzukehren. Wie in Indien bei</line>
        <line lrx="1421" lry="679" ulx="288" uly="633">den Brahmas und in China bei den Taipings, ſo iſt in Perſien bei</line>
        <line lrx="1422" lry="729" ulx="287" uly="682">der ſeit 1843 entſtandenen Sekte der Babi ein gewiſſer Einfluß der</line>
        <line lrx="1422" lry="778" ulx="289" uly="732">evangeliſchen Wahrheit unverkennbar; nicht minder klar iſt aber,</line>
        <line lrx="1417" lry="828" ulx="287" uly="773">daß ſie alle ſich nicht ganz unter dieſelbe beugen, ihr Lehrgebäude</line>
        <line lrx="1422" lry="879" ulx="285" uly="830">nicht völlig von ihr durchdringen laſſen wollten, ſondern ſtatt ſich von ihr zu</line>
        <line lrx="1417" lry="928" ulx="286" uly="881">den Füßen Jeſu führen zu laſſen, vielmehr zurückgriffen zu dem, was</line>
        <line lrx="1418" lry="975" ulx="284" uly="929">ihnen in ihren eigenen Ueberlieferungen das Beſte und Haltbarſte</line>
        <line lrx="1419" lry="1030" ulx="284" uly="978">ſchien. Das Höchſte, was ſich von ſolchen religiöſen Bewegungen</line>
        <line lrx="1417" lry="1074" ulx="288" uly="1028">ſagen läßt, wird wohl ſein, daß ſie unter Gottes geheimnißvollem</line>
        <line lrx="1421" lry="1124" ulx="286" uly="1076">Walten den Nutzen haben, die falſchen Lehrſyſteme, in welchen ſeit</line>
        <line lrx="1418" lry="1175" ulx="284" uly="1126">Jahrhunderten die Nationen feſtgebannt waren, zu lockern und zu</line>
        <line lrx="459" lry="1215" ulx="285" uly="1176">zerbröckeln.</line>
        <line lrx="1420" lry="1272" ulx="369" uly="1226">„Das chriſtliche Element, das ſie durchdringt, hat ohne allen Zweifel</line>
        <line lrx="1434" lry="1325" ulx="283" uly="1275">einen belebenden Einfluß ausgeübt und wird ihn auch künftig üben,</line>
        <line lrx="1418" lry="1371" ulx="282" uly="1322">obgleich es bis jetzt ſich nicht ſtark genug erwies, um den ihm ſo unbedenk⸗</line>
        <line lrx="1417" lry="1425" ulx="283" uly="1372">lich beigemiſchten menſchlichen Einfällen wirkſam entgegenzuarbeiten.</line>
        <line lrx="1418" lry="1478" ulx="282" uly="1421">Von ihren alten Vorurtheilen und allen daran hängenden Einrichtungen</line>
        <line lrx="1411" lry="1520" ulx="281" uly="1471">los gewordene Leute werden in der Folge vielleicht eher bereit ſein,</line>
        <line lrx="1414" lry="1571" ulx="280" uly="1520">die Wahrheit anzunehmen. Augenblicklich aber ſcheint die Einfüh⸗</line>
        <line lrx="1416" lry="1621" ulx="279" uly="1570">rung dieſer neuen Religionen dem Chriſtenthum eher hinderlich zu</line>
        <line lrx="1418" lry="1669" ulx="280" uly="1618">ſein. Denjenigen, welche unruhig und durch ihren alten Aberglau⸗</line>
        <line lrx="1413" lry="1724" ulx="279" uly="1668">ben unbefriedigt waren, wird innerhalb deſſelben jetzt etwas Einleuch⸗</line>
        <line lrx="1411" lry="1768" ulx="280" uly="1717">tenderes, Vernünftigeres, Anziehenderes geboten. Es iſt zwar nur</line>
        <line lrx="1411" lry="1815" ulx="280" uly="1765">ein Irrthum ſtatt eines andern, ſie glauben jedoch, nun Etwas ſtatt</line>
        <line lrx="1412" lry="1866" ulx="279" uly="1814">Nichts zu haben, und fühlen ſich dadurch momentan beruhigt und be⸗</line>
        <line lrx="1410" lry="1915" ulx="278" uly="1865">friedigt. In Perſien hat ſich der erwachte religiöſe Enthuſiasmus</line>
        <line lrx="1413" lry="1966" ulx="277" uly="1915">und das Streben nach Heiligung auf den Bab und die von ihm ge⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="2014" ulx="278" uly="1964">lehrten Geheimniſſe geworfen; andere Glaubensbekenntniſſe, das</line>
        <line lrx="1412" lry="2065" ulx="278" uly="2012">Chriſtenthum mit inbegriffen, ſind vergleichungsweiſe unbeachtet ge⸗</line>
        <line lrx="395" lry="2094" ulx="278" uly="2062">blieben.</line>
        <line lrx="1411" lry="2164" ulx="362" uly="2112">„Auch noch in anderer, freilich durchaus unabſichtlicher Weiſe, iſt</line>
        <line lrx="1406" lry="2212" ulx="276" uly="2160">die Babi⸗Sekte dem Evangelium, oder wenigſtens jedem offenen Be⸗</line>
      </zone>
    </surface>
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        <line lrx="1416" lry="312" ulx="1400" uly="287">9</line>
      </zone>
      <zone lrx="1486" lry="2221" type="textblock" ulx="283" uly="346">
        <line lrx="1414" lry="389" ulx="283" uly="346">kenntniß deſſelben hinderlich geworden. Nach dem heißen Kampf,</line>
        <line lrx="1486" lry="439" ulx="284" uly="395">der zu ihrer Unterdrückung entbrannte, und den Gefahren, womit ſie—</line>
        <line lrx="1486" lry="488" ulx="285" uly="441">den Thron und alle weltlichen und geiſtlichen Behörden bedrohte,</line>
        <line lrx="1416" lry="537" ulx="284" uly="494">herrſcht jetzt auf Seiten der Regierung natürlich die eiferſüchtigſte</line>
        <line lrx="1485" lry="587" ulx="286" uly="545">Wachſamkeit und der feſte Entſchluß, alles was nach Abziehen von—</line>
        <line lrx="1486" lry="636" ulx="286" uly="596">der beſtehenden Landesreligion riecht, mit Gewalt zu unterdrücken. —</line>
        <line lrx="1414" lry="687" ulx="286" uly="644">Jede Bemühung zur Ausbreitung des Chriſtenthums muß darum,</line>
        <line lrx="1417" lry="736" ulx="287" uly="696">den Mittheilungen von Miſſ. Bruce zufolge, geheim gehalten wer⸗.</line>
        <line lrx="1486" lry="785" ulx="286" uly="737">den und iſt für alle dabei Betheiligten mit Gefahr verknüpft; die</line>
        <line lrx="1416" lry="835" ulx="285" uly="794">Annahme des Chriſtenthums iſt ein todeswürdiges Staatsverbrechen.</line>
        <line lrx="1412" lry="885" ulx="286" uly="842">Dieß wäre noch das Geringere; aber ein Chriſtenthum, das nicht</line>
        <line lrx="1418" lry="934" ulx="287" uly="892">auf den Leuchter geſtellt werden kann, ſondern unter einen Scheffel</line>
        <line lrx="1413" lry="982" ulx="285" uly="937">verſteckt werden muß, ſcheint doch eine Waare von ſehr zweifelhaftem</line>
        <line lrx="1414" lry="1032" ulx="286" uly="992">Werth. Wo keine Wahrſcheinlichkeit vorhanden iſt, ſo weit Toleranz</line>
        <line lrx="1416" lry="1085" ulx="286" uly="1040">zu finden, daß ein zum Chriſtenthum Bekehrter ſeines Lebens einiger⸗</line>
        <line lrx="1418" lry="1132" ulx="287" uly="1090">maßen ſicher iſt, hat Gott der Kirche Chriſti noch keine offene Thüre</line>
        <line lrx="1419" lry="1182" ulx="289" uly="1140">gegeben. Bis jetzt wäre der einzige Ausweg für einen Bekehrten</line>
        <line lrx="1417" lry="1231" ulx="288" uly="1190">die Flucht in ein anderes Land; der offene Uebertritt zu einem an⸗</line>
        <line lrx="1418" lry="1280" ulx="289" uly="1240">dern Glaubensbekenntniß iſt ſichrer Tod. Selbſt wenn der Schah</line>
        <line lrx="1418" lry="1331" ulx="288" uly="1289">bereit wäre, ein Toleranz⸗Edikt zu gewähren, folgt daraus noch nicht,</line>
        <line lrx="1415" lry="1380" ulx="288" uly="1339">daß er im Stande wäre, den Fanatismus des Klerus zu bändigen.</line>
        <line lrx="1419" lry="1430" ulx="289" uly="1389">Es beſteht in Perſien eine ſtarke und unabhängige geiſtliche Macht,</line>
        <line lrx="1416" lry="1480" ulx="288" uly="1439">ſo gut wie eine weltliche. Beide liegen oft miteinander im Streit,</line>
        <line lrx="1363" lry="1530" ulx="290" uly="1489">aber in einem ſolchen Fall vereinigen ſie ſich gegen den Neuerer.</line>
        <line lrx="1416" lry="1579" ulx="375" uly="1539">„Noch iſt auch zu bemerken, wie ſchwierig, ja wie bedenklich es</line>
        <line lrx="1420" lry="1628" ulx="289" uly="1585">iſt, auf günſtige Erfolge von den neueſten chriſtlichen Anſtrengungen</line>
        <line lrx="1416" lry="1678" ulx="288" uly="1637">zur Linderung der Noth unter der verhungernden Bevölkerung des</line>
        <line lrx="1421" lry="1727" ulx="289" uly="1687">Landes zu zählen. Es war eine unverkennbare Pflicht, dieſen Jam⸗</line>
        <line lrx="1421" lry="1780" ulx="288" uly="1737">mer zu lindern, und wir freuen uns zu denken, daß dabei eine wirk⸗</line>
        <line lrx="1420" lry="1825" ulx="287" uly="1786">liche Anſtrengung gemacht wurde, die Liebe und Theilnahme an den</line>
        <line lrx="1419" lry="1876" ulx="288" uly="1836">Tag zu legen, welche das Chriſtenthum den Leidenden entgegenbringt.</line>
        <line lrx="1420" lry="1925" ulx="288" uly="1884">Aber auch bei der äußerſten Sorgfalt und Umſicht, die unſres Wiſſens</line>
        <line lrx="1421" lry="1975" ulx="289" uly="1935">angewandt wurde, um das Bekehrungswerk gänzlich getrennt zu</line>
        <line lrx="1419" lry="2023" ulx="288" uly="1984">halten von der Fürſorge für die leiblichen Bedürfniſſe, iſt es während</line>
        <line lrx="1421" lry="2073" ulx="290" uly="2031">einer ſolchen Kriſis ſelbſt für die ängſtlichſte Wachſamkeit nicht leicht</line>
        <line lrx="1421" lry="2123" ulx="288" uly="2083">zu unterſcheiden, wie weit auch niedrere Beweggründe bei denen mit⸗</line>
        <line lrx="1417" lry="2171" ulx="288" uly="2132">wirken mögen, welche ſich als Wahrheitsſuchende einſtellen. Sagte</line>
        <line lrx="1419" lry="2221" ulx="291" uly="2181">doch unſer Herr ſelbſt, als das Volk Ihn ſuchte: Ihr ſuchet mich</line>
      </zone>
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        <line lrx="308" lry="316" ulx="278" uly="291">10</line>
      </zone>
      <zone lrx="1418" lry="2228" type="textblock" ulx="276" uly="348">
        <line lrx="1409" lry="388" ulx="276" uly="348">nicht darum, daß ihr Zeichen geſehen habt, ſondern daß ihr von dem</line>
        <line lrx="1410" lry="438" ulx="276" uly="397">Brote gegeſſen habt und ſeid ſatt geworden.“’“ Wäre es zu verwun⸗</line>
        <line lrx="1411" lry="488" ulx="278" uly="447">dern, wenn zur Zeit einer ſo furchtbaren Heimſuchung wie die, welche</line>
        <line lrx="1408" lry="537" ulx="278" uly="497">Perſien betraf, ſich Schaaren um einen Miſſionar verſammelten, und</line>
        <line lrx="1410" lry="587" ulx="277" uly="547">wenn er willig wäre, ihre Dürftigkeit zu benützen, ihrerſeits ſich</line>
        <line lrx="1413" lry="639" ulx="278" uly="597">gerne wenigſtens zum geduldigen Anhören ſeiner Unterweiſungen her⸗</line>
        <line lrx="1410" lry="687" ulx="277" uly="646">beiließen? Mit großer Befriedigung erſehen wir auch aus Miſſionar</line>
        <line lrx="1412" lry="736" ulx="277" uly="696">Bruce's neueſten Mittheilungen wieder, wie ſehr er bemüht war, die</line>
        <line lrx="1413" lry="787" ulx="278" uly="746">leiblichen und geiſtlichen Handreichungen ſtreng zu ſcheiden; wir zweifeln</line>
        <line lrx="1411" lry="836" ulx="279" uly="796">aber, ob vor dem Eintreten günſtigerer Zeiten irgend Jemand das</line>
        <line lrx="1412" lry="888" ulx="280" uly="845">gegenwärtige Verhalten der Perſer zum Chriſtenthum richtig zu</line>
        <line lrx="1410" lry="936" ulx="278" uly="894">ſchätzen vermag, oder ob die für ihre Leiden bezeugte Theilnahme</line>
        <line lrx="1412" lry="985" ulx="281" uly="944">wirklich dazu gedient hat, ihre Herzen zur Aufnahme der in Jeſu</line>
        <line lrx="1413" lry="1036" ulx="279" uly="994">geoffenbarten Wahrheit vorzubereiten. Von Seiten der Behörden iſt</line>
        <line lrx="1409" lry="1084" ulx="278" uly="1044">trotz aller dieſer menſchenfreundlichen Bemühungen auch nicht die</line>
        <line lrx="1412" lry="1135" ulx="280" uly="1093">geringſte Veränderung in ihrer eiferſüchtigen, argwöhniſchen Haltung</line>
        <line lrx="1411" lry="1184" ulx="282" uly="1143">eingetreten, ſo ſorglos und müßig ſie ſich auch den Nöthen ihrer</line>
        <line lrx="786" lry="1234" ulx="279" uly="1194">Unterthanen gegenüber zeigten.</line>
        <line lrx="1412" lry="1284" ulx="364" uly="1242">„Der Chriſt kann nicht anders, als für den geiſtlichen Zuſtand</line>
        <line lrx="1414" lry="1333" ulx="281" uly="1292">Perſiens, durch deſſen chaotiſche, anarchiſche Wirren hindurch man</line>
        <line lrx="1414" lry="1383" ulx="277" uly="1342">kaum irgend etwas vom Wehen des Geiſtes Gottes fühlt, noch tiefere</line>
        <line lrx="1414" lry="1433" ulx="279" uly="1391">Theilnahme zu empfinden, als für den äußeren Zerfall des Landes;</line>
        <line lrx="1415" lry="1481" ulx="279" uly="1441">aber es iſt leichter, den Schaden zu erkennen als das Heilmittel zu</line>
        <line lrx="1416" lry="1533" ulx="278" uly="1490">reichen, wo ſo viele feindſelige Einflüſſe ſich der Verbreitung der</line>
        <line lrx="1416" lry="1581" ulx="279" uly="1538">evangeliſchen Wahrheit entgegenſtemmen. Hoffen wir, daß Er, der</line>
        <line lrx="1415" lry="1630" ulx="279" uly="1589">den Schlüſſel Davids hat, in Bälde aufthun wird, was jetzt noch</line>
        <line lrx="536" lry="1682" ulx="278" uly="1641">verſchloſſen iſt!“</line>
        <line lrx="1417" lry="1730" ulx="362" uly="1689">Ja gewiß kann Ek, der einſt zu einem Cyrus ſprach: „Er iſt</line>
        <line lrx="1413" lry="1779" ulx="279" uly="1739">mein Hirte und ſoll allen meinen Willen vollenden,“ abermals einen</line>
        <line lrx="1416" lry="1830" ulx="279" uly="1788">König von Perſien erwecken, durch den dieſem zertretenen Lande der</line>
        <line lrx="1415" lry="1880" ulx="280" uly="1837">Segen religiöſer Duldung zu Theil wird, ſo daß die Füße der Friedens⸗</line>
        <line lrx="1416" lry="1929" ulx="279" uly="1887">boten über ſeine Gebirgswälle herbeieilen können. Und ſollten die</line>
        <line lrx="1414" lry="1978" ulx="280" uly="1937">Gebete deutſcher und engliſcher Chriſten dieſe Zeit nicht beſchleunigen</line>
        <line lrx="1416" lry="2028" ulx="279" uly="1988">können? Bis jetzt indeß zeugen alle Nachrichten nur davon, daß „das</line>
        <line lrx="1418" lry="2079" ulx="279" uly="2036">Recht zurückgetrieben und Gerechtigkeit ferne getreten iſt, die Wahr⸗</line>
        <line lrx="1370" lry="2129" ulx="279" uly="2087">heit auf der Gaſſe fällt, und Richtigkeit nicht einhergehen kann.“</line>
        <line lrx="1416" lry="2177" ulx="363" uly="2136">So auch die Mittheilungen des Miſſionars Gordon, der auf</line>
        <line lrx="1417" lry="2228" ulx="280" uly="2185">dem Wege nach ſeinem ſüdindiſchen Arbeitsfeld wie Bruce gleich⸗</line>
      </zone>
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      </zone>
      <zone lrx="1416" lry="2236" type="textblock" ulx="267" uly="361">
        <line lrx="1398" lry="413" ulx="267" uly="361">ſam durch widrige Winde in Perſien feſtgebannt blieb und jenem</line>
        <line lrx="1397" lry="464" ulx="268" uly="411">zu Anfang des vorigen Jahrs bei der Ernährung, Kleidung und</line>
        <line lrx="1400" lry="512" ulx="269" uly="461">Beherbergung von 800 Landleuten aus Feridan zur Seite ſtand.</line>
        <line lrx="1397" lry="558" ulx="272" uly="512">Als dann der Schnee geſchmolzen und die Wege wieder offen waren,</line>
        <line lrx="1403" lry="611" ulx="270" uly="560">ſo daß dieſe Armen mit einigen Unterſtützungen verſehen in ihre</line>
        <line lrx="1401" lry="661" ulx="271" uly="605">Gebirgsheimat zurückgeſandt werden konnten, zog Gordon nach</line>
        <line lrx="1401" lry="710" ulx="271" uly="654">Schiras hinab, wo die Noth minder groß war, um dort etliche</line>
        <line lrx="1404" lry="759" ulx="272" uly="710">Monate hindurch ungeſtörter als dieß in Iſpahan möglich geweſen</line>
        <line lrx="1405" lry="809" ulx="272" uly="755">wäre, dem Studium der Sprache obzuliegen, das ihn nach Perſien</line>
        <line lrx="1399" lry="861" ulx="273" uly="806">geführt hatte. Einige ſeiner Mittheilungen ſind zu charakteriſtiſch</line>
        <line lrx="1404" lry="909" ulx="273" uly="857">für Perſien, um hier nicht eine Stelle zu finden. Im April z. B.</line>
        <line lrx="654" lry="959" ulx="273" uly="917">ſchrieb er aus Schiras:</line>
        <line lrx="1406" lry="1008" ulx="358" uly="957">„Gerade vor meiner Abreiſe von Iſpahan hörte ich noch, daß</line>
        <line lrx="1404" lry="1054" ulx="274" uly="1006">die armen Feridaner, von denen eine bedeutende Anzahl mit hin⸗</line>
        <line lrx="1406" lry="1105" ulx="274" uly="1056">reichenden Mitteln für ihre Familien entlaſſen werden konnten, auf</line>
        <line lrx="1407" lry="1155" ulx="275" uly="1109">ihrem Heimweg von etlichen Perſern angefallen und ihrer ganzen</line>
        <line lrx="1405" lry="1204" ulx="278" uly="1157">Habe von 900 fl. beraubt wurden. Hilfe wird, wie ich fürchte, von</line>
        <line lrx="1074" lry="1254" ulx="278" uly="1209">den perſiſchen Behörden wenig zu erlangen ſein.</line>
        <line lrx="1405" lry="1302" ulx="362" uly="1254">„Der Weg von Iſpahan nach Schiras war zur Zeit meiner</line>
        <line lrx="1408" lry="1350" ulx="280" uly="1303">Abreiſe nicht ſehr ſicher, ſo daß ich genöthigt war, für einen Theil</line>
        <line lrx="1411" lry="1400" ulx="279" uly="1353">deſſelben eine bewaffnete Eskorte mitzunehmen und mich ſelbſt auch</line>
        <line lrx="1410" lry="1450" ulx="280" uly="1402">zu bewaffnen. Es gieng das Gerücht, eine Truppe von 150 Bach⸗</line>
        <line lrx="1411" lry="1497" ulx="279" uly="1452">tiaris (ein räuberiſcher Nomadenſtamm) ſei im Beſitz eines zu über⸗</line>
        <line lrx="1411" lry="1548" ulx="279" uly="1502">ſchreitenden Gebirgspaſſes und plündere jede vorbeiziehende Karawane</line>
        <line lrx="1411" lry="1595" ulx="280" uly="1551">aus. Von der Wahrheit dieſes Gerüchts konnte ich mich auf meiner</line>
        <line lrx="1410" lry="1645" ulx="280" uly="1600">Weiterreiſe ſattſam überzeugen. Nur ſehr wenige Kafilas hatten</line>
        <line lrx="1415" lry="1694" ulx="280" uly="1649">den Muth, die Reiſe zu unternehmen, und diejenigen, denen wir be⸗</line>
        <line lrx="1415" lry="1744" ulx="281" uly="1698">gegneten, waren immer von Männern mit langen Flinten und Pi⸗</line>
        <line lrx="1411" lry="1793" ulx="281" uly="1748">ſtolen begleitet. Dieſe Kafilas, die aus 10—20 Maulthieren be⸗</line>
        <line lrx="1409" lry="1842" ulx="281" uly="1799">ſtehen, ſind die Frachtzüge Perſiens. Sie bewegen ſich ſehr langſam</line>
        <line lrx="1416" lry="1889" ulx="281" uly="1846">vorwärts und ſind mit Handelsartikeln, wie Reis, Baumwolle, Tü⸗</line>
        <line lrx="1416" lry="1939" ulx="284" uly="1896">chern u. dgl. beladen. Oft vertreten auch Kameele die Stelle der</line>
        <line lrx="473" lry="1993" ulx="286" uly="1945">Maulthiere.</line>
        <line lrx="1414" lry="2039" ulx="369" uly="1995">„Meine Reiſe dauerte zwölf Tage; auf der Mitte des Wegs</line>
        <line lrx="1416" lry="2086" ulx="284" uly="2045">verweilte ich über den Sonntag auf der Telegraphenſtation O badeh.</line>
        <line lrx="1416" lry="2136" ulx="286" uly="2095">Ich fand dort eine kleine Gemeinde, da Hauptmann Pierſon, der</line>
        <line lrx="1415" lry="2185" ulx="286" uly="2144">Oberaufſeher der Telegraphenlinie, am gleichen Tage auf ſeinem</line>
        <line lrx="1414" lry="2236" ulx="287" uly="2194">Wege von Schiras nach Teheran durchkam, begleitet von ſeiner Frau,</line>
      </zone>
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        <line lrx="224" lry="2269" ulx="214" uly="1985">— — — — - —</line>
      </zone>
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        <line lrx="340" lry="315" ulx="309" uly="291">12</line>
      </zone>
      <zone lrx="1443" lry="2238" type="textblock" ulx="286" uly="349">
        <line lrx="1443" lry="394" ulx="308" uly="349">deren Dienſtmädchen, einem Telegraphenbedienſteten und drei Ser⸗</line>
        <line lrx="1443" lry="446" ulx="307" uly="401">geanten. Zwei weitere Sergeanten, engliſche Ingenieure, vervoll⸗</line>
        <line lrx="1442" lry="499" ulx="305" uly="449">ſtändigten unſre für einen ſo entlegenen Platz ungewöhnlich zahlreiche</line>
        <line lrx="790" lry="542" ulx="307" uly="495">Geſellſchaft. .</line>
        <line lrx="1436" lry="598" ulx="389" uly="549">„Da der Hauptmann ein großer Mann in Perſien iſt, hatte</line>
        <line lrx="1438" lry="653" ulx="304" uly="599">der König ihm eine Eskorte von 100 Reitern gegeben, um den Weg</line>
        <line lrx="1440" lry="699" ulx="302" uly="650">von den Bachtiaris zu ſäubern; ſomit war der Reſt meiner Reiſe ganz</line>
        <line lrx="1438" lry="747" ulx="302" uly="699">gefahrlos. Ich hörte jedoch, daß dieſe Berittenen, die vor mir her</line>
        <line lrx="1438" lry="796" ulx="302" uly="749">nach Schiras zurückkehrten, ein Zuſammentreffen mit den Bachtiaris</line>
        <line lrx="1437" lry="845" ulx="300" uly="798">hatten und anſtatt dieſelben gefangen zu nehmen, mit Verluſt von</line>
        <line lrx="993" lry="892" ulx="299" uly="848">zwei der Ihrigen zurückgeſchlagen wurden.</line>
        <line lrx="1436" lry="946" ulx="384" uly="897">„Auf der Weiterreiſe zeigte ſich bald, daß die gewöhnlich ſo</line>
        <line lrx="1432" lry="1000" ulx="297" uly="947">ſaumſeligen perſiſchen Behörden nun doch zu dem Bewußtſein erwacht</line>
        <line lrx="1436" lry="1045" ulx="298" uly="997">waren, daß einige Vorſorge für die Sicherheit der Straße getroffen</line>
        <line lrx="1436" lry="1094" ulx="300" uly="1047">werden müſſe. Wir waren noch keine Tagereiſe von Obadeh ent⸗</line>
        <line lrx="1431" lry="1144" ulx="298" uly="1095">fernt, als uns eine Truppe von 150 Mann, theils zu Fuß, theils</line>
        <line lrx="1429" lry="1195" ulx="296" uly="1145">zu Pferd begegnete, die aus den benachbarten Dörfern zur Verfolgung</line>
        <line lrx="1430" lry="1248" ulx="296" uly="1195">der Räuber aufgeboten worden war. Es waren lauter ſtarke, kriegeriſch</line>
        <line lrx="1433" lry="1294" ulx="296" uly="1245">ausſehende Leute von kurdiſcher Abſtammung, aber ſie nahmen gerade</line>
        <line lrx="1432" lry="1343" ulx="295" uly="1294">die entgegengeſetzte Richtung von dem Feinde, der vermuthlich der</line>
        <line lrx="1426" lry="1391" ulx="295" uly="1345">letzte Gedanke war, welcher ihnen in den Sinn kam. Alles, was</line>
        <line lrx="1430" lry="1442" ulx="294" uly="1395">ſie begehrten, war, ihrer Inſtruktion buchſtäblich Folge zu leiſten und</line>
        <line lrx="1432" lry="1497" ulx="295" uly="1443">auf der Landſtraße fortzumarſchiren, anſtatt ihre Verfolgung in die Berge</line>
        <line lrx="1429" lry="1541" ulx="294" uly="1494">auszudehnen. Die Folge davon wird wahrſcheinlich ſein, daß ſobald ſich</line>
        <line lrx="1430" lry="1589" ulx="292" uly="1541">die Aufregung etwas gelegt hat, dieſe Friedenswächter die Waffen nieder⸗</line>
        <line lrx="1429" lry="1639" ulx="291" uly="1592">legen und berichten werden, ihre Arbeit ſei gethan, und daß dann die</line>
        <line lrx="1428" lry="1690" ulx="292" uly="1640">Bachtiaris in aller Ruhe wiederkommen und ihre Raubzüge fortſetzen</line>
        <line lrx="1427" lry="1741" ulx="291" uly="1692">wie zuvor. Dieſe Rekrutenbanden ſind ſehr ſchlecht bezahlt und</line>
        <line lrx="1428" lry="1790" ulx="290" uly="1741">treiben, da ſie kein Gewiſſensbedenken davon abhält, zuweilen auch ein</line>
        <line lrx="1423" lry="1839" ulx="291" uly="1791">wenig Brandſchatzung auf eigene Rechnung. Schwerlich würde ein</line>
        <line lrx="1427" lry="1887" ulx="291" uly="1840">Reiſender, der beim Einbruch der Nacht in ihre Hände fiele, dabei</line>
        <line lrx="1279" lry="1938" ulx="289" uly="1890">viel beſſer fahren als in den Händen der Bachtiaris . . . . .</line>
        <line lrx="1425" lry="1990" ulx="374" uly="1940">„Bei meiner Ankunft in Schiras fand ich auch hier in Folge</line>
        <line lrx="1423" lry="2037" ulx="290" uly="1990">der Hungersnoth viel Jammer, und Viele waren während des Win⸗</line>
        <line lrx="1425" lry="2088" ulx="288" uly="2040">ters aus Mangel an Nahrung umgekommen. Zudem war ſoeben</line>
        <line lrx="1424" lry="2137" ulx="289" uly="2089">der Gouverneur von Schiras geſtorben, der den Reichen eine Taxe</line>
        <line lrx="1422" lry="2187" ulx="289" uly="2138">auferlegt und davon etwa 1200 Bettler geſpeist hatte, und der neue</line>
        <line lrx="1417" lry="2238" ulx="286" uly="2187">Gouverneur hatte keine Luſt, ſich um die Sache zu bekümmern. So</line>
      </zone>
    </surface>
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      <zone lrx="1404" lry="2233" type="textblock" ulx="267" uly="301">
        <line lrx="1399" lry="327" ulx="1368" uly="301">13</line>
        <line lrx="1400" lry="402" ulx="268" uly="359">waren dieſe armen Bettler total verlaſſen, und ich wurde auf meinen</line>
        <line lrx="1395" lry="453" ulx="268" uly="409">täglichen Spaziergängen wiederholt von ihnen um Brod angeſprochen.</line>
        <line lrx="1398" lry="503" ulx="267" uly="458">Ich verlor daher keine Zeit, unter den Mitgliedern des Telegraphen⸗</line>
        <line lrx="1397" lry="551" ulx="267" uly="509">weſens ein Hilfskomite zu bilden und wir telegraphirten nach allen</line>
        <line lrx="1399" lry="600" ulx="268" uly="559">Seiten hin um Beiträge. Zu meiner Freude haben wir ſoeben durch</line>
        <line lrx="1396" lry="650" ulx="268" uly="608">den Telegraphen 12,000 fl. aus England und 2400 fl. aus Indien</line>
        <line lrx="1287" lry="700" ulx="268" uly="661">erhalten, ſo daß wir wenigſtens etwas unternehmen können.</line>
        <line lrx="1395" lry="750" ulx="353" uly="708">„Es ſind hier zwei Waiſenhäuſer für Knaben, die ihre Eltern</line>
        <line lrx="1399" lry="798" ulx="269" uly="758">durch die Hungersnoth verloren haben, und das iſt ſo ziemlich Alles,</line>
        <line lrx="1397" lry="848" ulx="267" uly="808">was die engliſchen Reſidenten hier thun können. Sie ernähren jetzt</line>
        <line lrx="1396" lry="896" ulx="268" uly="857">etwa 200 Waiſen. Als ich alle dieſe Knaben ſah, die weder leſen</line>
        <line lrx="1399" lry="947" ulx="269" uly="906">noch ſchreiben können, fühlte ich den natürlichen Wunſch, ſie in dieſen</line>
        <line lrx="1401" lry="997" ulx="269" uly="957">Elementarfächern unterrichtet zu ſehen, aber mein dahin gehender</line>
        <line lrx="1400" lry="1046" ulx="267" uly="1006">Antrag wurde von dem Komite verworfen, weil die Perſer jede</line>
        <line lrx="1215" lry="1096" ulx="269" uly="1055">Einmiſchung in die Erziehung übel vermerken würden!</line>
        <line lrx="1399" lry="1144" ulx="354" uly="1105">„Ich beſuchte neulich den Gouverneur von Schiras in der Hoff⸗</line>
        <line lrx="1403" lry="1196" ulx="270" uly="1155">nung, ihn veranlaſſen zu können, etwas für ſeine nothleidenden Lands⸗</line>
        <line lrx="1403" lry="1245" ulx="276" uly="1205">leute zu thun. Er empfieng mich ſehr höflich, aber auf ſeinem Ge⸗</line>
        <line lrx="1401" lry="1293" ulx="272" uly="1255">ſicht ſtand geſchrieben, was er war, nämlich einer der reichſten und</line>
        <line lrx="1403" lry="1348" ulx="273" uly="1304">kargſten Einwohner von Schiras. Er ſagte mir, er habe von dem</line>
        <line lrx="1401" lry="1393" ulx="274" uly="1353">erſten Miniſter die telegraphiſche Weiſung erhalten, Unterſtützungen</line>
        <line lrx="1400" lry="1442" ulx="272" uly="1402">für die Nothleidenden zu erheben (ſie war die Folge eines Telegramms,</line>
        <line lrx="1403" lry="1491" ulx="271" uly="1451">das wir an die britiſche Legation in Teheran geſandt hatten), er</line>
        <line lrx="1402" lry="1541" ulx="269" uly="1500">habe aber um weitere Inſtruktionen' zurücktelegraphirt. Dieſe wei⸗</line>
        <line lrx="1403" lry="1590" ulx="271" uly="1550">tern Inſtruktionen' werden vermuthlich nie kommen und jedenfalls</line>
        <line lrx="1067" lry="1642" ulx="272" uly="1598">wird von Seiten dieſes Mannes nichts geſchehen.</line>
        <line lrx="1403" lry="1689" ulx="356" uly="1648">„Ich wohne hier in dem Hauſe eines Perſers und habe einen</line>
        <line lrx="1404" lry="1738" ulx="274" uly="1698">großen Garten zu meiner Benützung. Es iſt, wie ich glaube, das⸗</line>
        <line lrx="1404" lry="1787" ulx="272" uly="1747">ſelbe, in welchem Henry Martyn lebte, denn heute hörte ich, mein</line>
        <line lrx="1401" lry="1837" ulx="273" uly="1796">Hauswirth ſei der Enkel des ſeinen, und das Haus habe ſich von</line>
        <line lrx="1401" lry="1886" ulx="273" uly="1846">Vater auf Sohn vererbt. Das verleiht meinem Stübchen, das mir</line>
        <line lrx="1402" lry="1937" ulx="272" uly="1895">als Schlaf⸗, Wohn⸗ und Eßzimmer zugleich dient, ein ganz neues</line>
        <line lrx="1404" lry="1987" ulx="271" uly="1945">Intereſſe für mich.“ So war denn nach 60 Jahren ein engliſcher</line>
        <line lrx="1398" lry="2036" ulx="272" uly="1994">Miſſionar wieder in denſelben Raum eingezogen, den Henry Martyn</line>
        <line lrx="1398" lry="2084" ulx="272" uly="2043">einſt durch ſeine Gebete weihte. Gordon wurde durch ſeinen Haus⸗</line>
        <line lrx="1401" lry="2134" ulx="271" uly="2093">wirth zu einem ſehr alten Manne geführt, der ſich Martyns deut⸗</line>
        <line lrx="1401" lry="2183" ulx="272" uly="2143">lich erinnerte und denſelben genau beſchrieb. Er ſagte Gordon, ſein</line>
        <line lrx="1402" lry="2233" ulx="272" uly="2191">Zimmer ſogar ſei dasſelbe, in welchem Martyn ſeine Bibel überſetzte</line>
      </zone>
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        <line lrx="353" lry="321" ulx="322" uly="296">14</line>
      </zone>
      <zone lrx="1459" lry="2234" type="textblock" ulx="314" uly="352">
        <line lrx="1459" lry="396" ulx="320" uly="352">und mit Mullahs und Sufis diſputirte. Ob aber die 60 Jahre</line>
        <line lrx="1457" lry="446" ulx="321" uly="401">einen merklichen Unterſchied im Grade der Einführung von Duldung</line>
        <line lrx="1035" lry="492" ulx="319" uly="450">Andersdenkender aufwieſen, blieb zweifelhaft.</line>
        <line lrx="1458" lry="544" ulx="402" uly="501">Später (12. Juni 1872) ſchrieb Gordon aus der Chriſten⸗</line>
        <line lrx="630" lry="590" ulx="320" uly="551">vorſtadt Iſpahans:</line>
        <line lrx="1456" lry="645" ulx="404" uly="600">„Es ſind hier etwa 1500 Juden, und in Schiras, das ich</line>
        <line lrx="1454" lry="693" ulx="317" uly="650">kürzlich beſuchte, ungefähr 5000. Dort fand ich, daß der Patriotis⸗</line>
        <line lrx="1457" lry="744" ulx="319" uly="700">mus Sir M. Montefiores ihnen ſeit dem Winter regelmäßige Unter⸗</line>
        <line lrx="1452" lry="793" ulx="317" uly="750">ſtützungen zukommen ließ, ſo daß nur wenige, wenn überhaupt einige,</line>
        <line lrx="1449" lry="842" ulx="318" uly="800">Hungers ſtarben, während Tauſende von Muhammedanern umkamen.</line>
        <line lrx="1452" lry="892" ulx="318" uly="849">Ich beſuchte eine ihrer Synagogen und beſprach mich mit ihren</line>
        <line lrx="1456" lry="942" ulx="318" uly="899">Vorſtehern. Sie ſagten, ſie haben vier Synagogen, wovon eine jetzt</line>
        <line lrx="1455" lry="992" ulx="319" uly="949">zerfallen ſei, zu deren Wiederaufbau ſie Geld brauchen. Ich ſprach den</line>
        <line lrx="1455" lry="1041" ulx="320" uly="998">Wunſch aus, einer Austheilung des von Sir M. Montefiore geſand⸗</line>
        <line lrx="1455" lry="1091" ulx="317" uly="1048">ten Geldes beizuwohnen, und wurde angewieſen, vor dem Frühſtück</line>
        <line lrx="1451" lry="1139" ulx="318" uly="1097">in die Synagoge zu gehen. Ich ſaß neben dem Mullah, wie er das</line>
        <line lrx="1452" lry="1189" ulx="320" uly="1146">Geld oder vielmehr einen kleinen Theil deſſelben vertheilte, aber es</line>
        <line lrx="1454" lry="1239" ulx="318" uly="1198">war ein ſolcher Lärm und die Leute drängten ſich ſo dicht um uns</line>
        <line lrx="1452" lry="1290" ulx="318" uly="1247">her, daß er genöthigt war, aufzuhören und ſie wegzuſchicken. Die</line>
        <line lrx="1453" lry="1339" ulx="317" uly="1297">Leute haben hier zu Lande keinen Begriff von Ordnung in derlei</line>
        <line lrx="1455" lry="1389" ulx="317" uly="1346">Dingen und, wie ich fürchte, ebenſo wenig von Gerechtigkeit, da ihr</line>
        <line lrx="1450" lry="1439" ulx="319" uly="1397">erſtes Anliegen iſt, ſich ſelbſt mit Geld zu verſorgen, mögen ſie nun</line>
        <line lrx="1451" lry="1488" ulx="319" uly="1443">Juden, Armenier oder Muhammedaner ſein. In ganz Perſien wird</line>
        <line lrx="1243" lry="1535" ulx="317" uly="1495">es kaum einen Menſchen geben, dem man trauen kann.</line>
        <line lrx="1451" lry="1587" ulx="405" uly="1545">„Ich gieng vorige Nacht mit Miſſ. Bruce nach Iſpahan, um</line>
        <line lrx="1452" lry="1638" ulx="316" uly="1594">ihm bei der monatlichen Vertheilung der Gaben für die hieſigen</line>
        <line lrx="1451" lry="1686" ulx="320" uly="1644">Juden zu helfen. Das war ein merkwürdiger Kontraſt. Wir ſtiegen</line>
        <line lrx="1452" lry="1734" ulx="317" uly="1693">am Eingang in einen großen Hof von unſern Pferden. Die Juden</line>
        <line lrx="1446" lry="1786" ulx="316" uly="1743">ſaßen nach den Stadttheilen, in welchen ſie wohnen, ſowie nach</line>
        <line lrx="1452" lry="1834" ulx="316" uly="1791">Familien und Namen geordnet, reihenweiſe im Schatten da. Dann</line>
        <line lrx="1449" lry="1882" ulx="316" uly="1842">machten wir mit zwei Liſten die Runde, indem er ein Stadtviertel</line>
        <line lrx="1451" lry="1934" ulx="315" uly="1892">und ich ein anderes nahm. Wir verlaſen die Namen und vertheil⸗</line>
        <line lrx="1450" lry="1985" ulx="315" uly="1941">ten die Franken nach den auf der Liſte angegebenen Zahlen, welche</line>
        <line lrx="1451" lry="2034" ulx="316" uly="1991">derjenigen der Glieder jeder einzelnen Familie entſprachen. Jeder</line>
        <line lrx="1451" lry="2083" ulx="316" uly="2039">blieb an ſeinem Platze ſitzen und gieng fort, wenn er ſein Geld em⸗</line>
        <line lrx="1449" lry="2133" ulx="315" uly="2089">pfangen hatte, ſo daß das ganze Geſchäft in weniger als einer Viertel⸗</line>
        <line lrx="1449" lry="2181" ulx="314" uly="2138">ſtunde beendet war. Auf dieſe Weiſe ſind wir gewiß, daß jeder Jude</line>
        <line lrx="1449" lry="2234" ulx="315" uly="2183">ſeinen Antheil erhält und das Geld nicht in die Taſchen der Mullahs</line>
      </zone>
      <zone lrx="1496" lry="2310" type="textblock" ulx="1338" uly="2302">
        <line lrx="1496" lry="2310" ulx="1338" uly="2302">— —</line>
      </zone>
    </surface>
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        <line lrx="1418" lry="329" ulx="1387" uly="303">15</line>
      </zone>
      <zone lrx="1441" lry="2245" type="textblock" ulx="290" uly="362">
        <line lrx="1423" lry="415" ulx="294" uly="362">geht. Ich bemerkte in ihrem Ausſehen ſeit früheren Austheilungen</line>
        <line lrx="1422" lry="462" ulx="290" uly="413">im Laufe des ſtrengen Winters eine weſentliche Veränderung zum</line>
        <line lrx="1422" lry="511" ulx="291" uly="460">Guten, und obgleich einige Hungers geſtorben ſind, ſteht das doch</line>
        <line lrx="1422" lry="559" ulx="291" uly="510">in keinem Verhältniß zu den Todesfällen unter den Muhammedanern.</line>
        <line lrx="1423" lry="610" ulx="291" uly="558">Bruce hat durch unſre Miſſion in Teheran verſchiedene Male Geld</line>
        <line lrx="1424" lry="657" ulx="291" uly="607">von Sir M. Montefiore erhalten, aber es ſind ihm aus England</line>
        <line lrx="1425" lry="709" ulx="292" uly="659">und Indien ſo bedeutende Summen zur Erleichterung der Noth zu⸗</line>
        <line lrx="1422" lry="761" ulx="294" uly="708">gekommen, daß er alle Denominationen, Juden, Armenier und Perſer,</line>
        <line lrx="846" lry="811" ulx="295" uly="766">gleicher Weiſe unterſtützen konnte.</line>
        <line lrx="1426" lry="860" ulx="380" uly="803">„Es geht ein Gerücht, als wolle der obbeſagte Sir M. Montefiore</line>
        <line lrx="1425" lry="909" ulx="296" uly="856">ſelbſt herreiſen, um ſich nach den Beſchwerden ſeiner Landsleute in</line>
        <line lrx="1428" lry="958" ulx="296" uly="906">Perſien zu erkundigen und bei dem Schah Fürſprache für ſie ein⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="1008" ulx="296" uly="956">zulegen. — Selbſt im Vergleich mit andern Klaſſen der Bevölkerung</line>
        <line lrx="1430" lry="1055" ulx="297" uly="1006">dieſes Landes der Bedrückung, ſind ſie ein ſehr in den Staub ge⸗</line>
        <line lrx="1428" lry="1105" ulx="296" uly="1055">tretenes Geſchlecht. Es iſt hier ſchwer, ſtatiſtiſche Angaben irgend</line>
        <line lrx="1428" lry="1155" ulx="298" uly="1105">einer Art zu ſammeln, aber ſo lange ich in Schiras war, zog ich</line>
        <line lrx="1428" lry="1205" ulx="298" uly="1154">ſowohl bei Engländern als bei Perſern Erkundigungen über ſie ein.</line>
        <line lrx="1430" lry="1253" ulx="300" uly="1205">Man ſagte mir, ein Ferman des Schah lege ihnen eine Steuer von</line>
        <line lrx="1430" lry="1301" ulx="301" uly="1253">50 tomans auf. (Ein toman iſt etwa 4 fl. 40 kr.) Das iſt nicht viel,</line>
        <line lrx="1428" lry="1348" ulx="301" uly="1305">aber der Gouverneur von Schiras macht daraus 200 tomans, und</line>
        <line lrx="1432" lry="1402" ulx="301" uly="1353">ſeine Unterbeamten vermehren dieſe wahrſcheinlich auf 1000. Ferner</line>
        <line lrx="1431" lry="1452" ulx="302" uly="1400">hörte ich, ſie müſſen eine Taxe von 1600 tomans dafür bezahlen,</line>
        <line lrx="1428" lry="1502" ulx="302" uly="1453">daß ſie Wein bereiten, was einer ihrer Erwerbszweige iſt, und daß</line>
        <line lrx="1432" lry="1550" ulx="303" uly="1503">ein Betracht der Unterſtützungen, die ſie aus England erhalten', noch</line>
        <line lrx="1117" lry="1597" ulx="303" uly="1557">weitere 1000 tomans von ihnen gefordert werden.</line>
        <line lrx="1433" lry="1649" ulx="388" uly="1602">„Der britiſche Agent in Schiras ſagte mir, es ſei ihm gelungen,</line>
        <line lrx="1435" lry="1699" ulx="305" uly="1652">dieſe letztgenannte Steuer zu beſeitigen; da er aber ein geborner</line>
        <line lrx="1436" lry="1748" ulx="306" uly="1701">Perſer iſt, weiß ich nicht, welches Vertrauen ich in ſeine Angaben</line>
        <line lrx="1437" lry="1798" ulx="307" uly="1750">ſetzen darf. Die perſiſchen Behörden würden natürlich dieſen Vor⸗</line>
        <line lrx="1435" lry="1848" ulx="305" uly="1800">wurf leugnen; Beſtechung und Betrügerei herrſchen aber in dem</line>
        <line lrx="1436" lry="1897" ulx="306" uly="1851">Maße, daß etwas der Art leicht ohne oder mit Wiſſen des Gouver⸗</line>
        <line lrx="1437" lry="1947" ulx="307" uly="1901">neurs geſchehen kann. Jedermann glaubt in Perſien das Recht zu</line>
        <line lrx="1438" lry="1997" ulx="308" uly="1950">haben, einen Juden zu verhöhnen. In Schiras iſt es keinem Juden</line>
        <line lrx="1436" lry="2045" ulx="310" uly="2000">erlaubt, auf der Straße zu reiten. Ihren Frauen iſt es verboten,</line>
        <line lrx="1439" lry="2097" ulx="307" uly="2049">ſich gleich den Perſerinnen zu verſchleiern, und wenn Eine ungewöhn⸗</line>
        <line lrx="1438" lry="2146" ulx="308" uly="2099">liche Reize beſitzt, nimmt irgend ein Perſer ſie für ſein Harem weg.</line>
        <line lrx="1439" lry="2196" ulx="309" uly="2147">Ich ſelbſt ſah zu, wie ein perſiſcher Knabe eine vorübergehende Jüdin</line>
        <line lrx="1441" lry="2245" ulx="310" uly="2197">auf der Straße ſchlug, ohne daß ſie ſich zu beklagen wagte. Ein</line>
      </zone>
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        <line lrx="321" lry="322" ulx="291" uly="298">16</line>
      </zone>
      <zone lrx="1425" lry="2238" type="textblock" ulx="272" uly="356">
        <line lrx="1425" lry="405" ulx="289" uly="356">entſchieden ſchwermüthiger Ausdruck ſcheint die Juden trotz ihrer An⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="455" ulx="288" uly="405">bequemung an die perſiſche Tracht auf einen gewiſſen Grad zu kenn⸗</line>
        <line lrx="1423" lry="505" ulx="288" uly="455">zeichnen. Es iſt kein Wunder, wenn ihre Herabwürdigung ſie ſo</line>
        <line lrx="1004" lry="552" ulx="287" uly="505">ſchlecht macht, wie man es ihnen nachſagt.</line>
        <line lrx="1419" lry="605" ulx="371" uly="555">„Ich habe noch von keinen Judenmiſſionaren in Perſien gehört,</line>
        <line lrx="1423" lry="659" ulx="286" uly="604">außer von Stern und ſeinem Begleiter, die vor Jahren einmal durch</line>
        <line lrx="1422" lry="703" ulx="285" uly="652">Iſpahan und Schiras kamen. So wie die Dinge bis jetzt ſtehen,</line>
        <line lrx="1421" lry="751" ulx="284" uly="703">würde ich fürchten, dieſelbe Unduldſamkeit, welche die Miſſion unter</line>
        <line lrx="1422" lry="801" ulx="284" uly="751">den Perſern unmöglich macht, würde ſich auch gegenüber von der</line>
        <line lrx="1417" lry="851" ulx="286" uly="802">Judenmiſſion geltend machen. Hr. Bruce iſt nicht als ein Miſſionar</line>
        <line lrx="1416" lry="901" ulx="284" uly="851">für die Perſer bekannt, wird auch nicht als ſolcher betrachtet, ſonſt</line>
        <line lrx="1421" lry="949" ulx="286" uly="901">würde er ſicher des Landes verwieſen, wenn nicht gar ſein Leben in</line>
        <line lrx="518" lry="989" ulx="286" uly="950">Gefahr ſtünde.</line>
        <line lrx="1419" lry="1047" ulx="367" uly="1000">„Seine Stellung zur Erleichterung des Elends während der</line>
        <line lrx="1417" lry="1097" ulx="284" uly="1049">Hungersnoth hilft ihm ſeine jetzige behaupten, zu der unſre Kommittee</line>
        <line lrx="1415" lry="1148" ulx="282" uly="1100">vor der Hand ihre Zuſtimmung gibt, obgleich ſie die Zeit zur Grün⸗</line>
        <line lrx="1414" lry="1199" ulx="281" uly="1148">dung einer perſiſchen Miſſion noch nicht gekommen glaubt. Er hat</line>
        <line lrx="1413" lry="1248" ulx="280" uly="1196">insgeheim etwa 30 Glieder perſiſcher Familien getauft, aber ſie wagen</line>
        <line lrx="1002" lry="1291" ulx="277" uly="1246">nicht, ihren Glauben öffentlich zu bekennen.</line>
        <line lrx="1411" lry="1347" ulx="363" uly="1296">„Es wäre hohe Zeit, daß etwas zu Gunſten der Toleranz unter</line>
        <line lrx="1414" lry="1396" ulx="278" uly="1345">Juden wie Muhammedanern geſchähe, oder von den europäiſchen Re⸗</line>
        <line lrx="1411" lry="1445" ulx="278" uly="1393">gierungen ein Druck auf Perſien ausgeübt würde. Die Perſer ſind</line>
        <line lrx="1413" lry="1496" ulx="278" uly="1443">ein ſehr freidenkendes, in viele Sekten geſpaltenes Volk, und ich glaube,</line>
        <line lrx="1413" lry="1543" ulx="278" uly="1493">daß in mancher Hinſicht das Land für Miſſionsarbeit reif iſt. So</line>
        <line lrx="1413" lry="1594" ulx="279" uly="1540">wie jetzt, kann es jedenfalls nicht lange mehr fortgehen. Noch fünf</line>
        <line lrx="1412" lry="1642" ulx="278" uly="1593">Jahre, ſagte ein aufgeklärter Perſer zu mir, und unſer Land wird</line>
        <line lrx="1414" lry="1695" ulx="276" uly="1642">ſo tief geſunken ſein, daß irgend eine europäiſche Regierung einſchrei⸗</line>
        <line lrx="1412" lry="1743" ulx="277" uly="1694">ten muß.“’ Möge der Herr das Kommen ſeines Reiches in Perſien</line>
        <line lrx="1412" lry="1793" ulx="275" uly="1742">beſchleunigen und über ſeine Gebirgswälle bald Boten führen, die</line>
        <line lrx="1124" lry="1836" ulx="275" uly="1792">da Frieden verkündigen um ſeines Sohnes willen.“</line>
        <line lrx="1410" lry="1894" ulx="360" uly="1841">Zu leugnen iſt nun nicht, daß Miſſ. Bruce etwas hoffnungs⸗</line>
        <line lrx="1406" lry="1943" ulx="276" uly="1891">voller in die Zukunft blickt als Gordon. Bruce ſchrieb einmal nach</line>
        <line lrx="1407" lry="1991" ulx="275" uly="1939">Stuttgart: „Religionsfreiheit würde bei den allermeiſten Perſern</line>
        <line lrx="1407" lry="2040" ulx="275" uly="1990">ganz den Volkswünſchen entſprechen, und man hat Grund zu glauben,</line>
        <line lrx="1408" lry="2085" ulx="274" uly="2039">daß der König ſelbſt ihr nicht entgegen ſein würde.“ Und der ameri⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="2137" ulx="273" uly="2088">kaniſche Miſſ. Labaree äußert (Febr. 1872): „Ein tiefer Eindruck</line>
        <line lrx="1408" lry="2189" ulx="272" uly="2139">von der weitherzigen Eigenthümlichkeit unſres Chriſtenglaubens iſt</line>
        <line lrx="1407" lry="2238" ulx="272" uly="2187">hervorgebracht worden, welcher nicht ſobald wieder vergeſſen werden</line>
      </zone>
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        <line lrx="1411" lry="302" ulx="1381" uly="277">17</line>
      </zone>
      <zone lrx="1412" lry="2238" type="textblock" ulx="273" uly="330">
        <line lrx="1411" lry="371" ulx="281" uly="330">wird. Die Muhammedaner ſcheinen ganz ergriffen von ſtummem</line>
        <line lrx="1412" lry="421" ulx="280" uly="379">Staunen, wenn ſie unſere Gehilfen ſogar zu ihnen mit chriſtlichen</line>
        <line lrx="1412" lry="471" ulx="278" uly="429">Almoſen kommen ſehen.“ Und ſpäter fand er, bei der engliſchen</line>
        <line lrx="1408" lry="521" ulx="279" uly="479">Hilfe habe man noch einige Eigennützigkeit — des bedrohten Handels</line>
        <line lrx="1411" lry="572" ulx="278" uly="530">wegen — vorausgeſetzt; daß aber auch die fernen Deutſchen Perſien</line>
        <line lrx="1408" lry="621" ulx="279" uly="579">in der Stunde der Noth beiſprangen, habe ſich doch nur durch un⸗</line>
        <line lrx="1409" lry="671" ulx="279" uly="628">eigennützige Liebe erklären laſſen. Ferner ſei der deutſche Kaiſer durch</line>
        <line lrx="1411" lry="720" ulx="279" uly="679">ſeine Siegesproclamationen, worin er Gott die Ehre gab, ſozuſagen</line>
        <line lrx="1410" lry="770" ulx="278" uly="728">ein Miſſionar für Perſien geworden; auch daß er vor dem Krieg</line>
        <line lrx="1211" lry="819" ulx="277" uly="778">einen Bußtag gehalten, habe ihm die Herzen gewonnen.</line>
        <line lrx="1404" lry="869" ulx="359" uly="827">Dem ſtehen aber andere Anſichten gegenüber und zwar eben ſo</line>
        <line lrx="1410" lry="919" ulx="276" uly="878">beglaubigte. Bruce ſelbſt täuſcht ſich nicht über die Auslegung, welche</line>
        <line lrx="1411" lry="968" ulx="277" uly="927">wenigſtens die Prieſterſchaft ſeinen Bemühungen für die Hungernden</line>
        <line lrx="1412" lry="1017" ulx="277" uly="976">unterlegt. Er weiß, was dieſe Herren von ihm denken: 1) Seine Abſicht</line>
        <line lrx="1408" lry="1067" ulx="275" uly="1026">ſei doch nur die, Chriſten zu machen; 2) die Hälfte der Gaben habe er in</line>
        <line lrx="1405" lry="1116" ulx="275" uly="1076">ſeine eigene Taſche geſteckt; 3) es ſei aber wunderbar gut von ihm,</line>
        <line lrx="1408" lry="1165" ulx="276" uly="1126">daß er die Hälfte weggegeben; ſie würden alles behalten haben. —</line>
        <line lrx="799" lry="1215" ulx="275" uly="1175">Und indiſche Zeitungen melden:</line>
        <line lrx="1408" lry="1266" ulx="361" uly="1226">Ein großer Theil der Bevölkerung iſt durch die Hungersnoth</line>
        <line lrx="1410" lry="1314" ulx="277" uly="1275">ſo verarmt, daß er ſich jetzt auf den Straßenraub legt und die Tele⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="1364" ulx="276" uly="1320">graphenaufſeher und andere engliſche Reiſende ausplündert, die Wider⸗</line>
        <line lrx="1410" lry="1414" ulx="274" uly="1373">ſtehenden auch geradezu mordet. Das widerfuhr z. B. einem Ingenieur⸗</line>
        <line lrx="1404" lry="1463" ulx="273" uly="1422">ſergeant Collins, und es iſt wenig Ausſicht da, daß die Behörden den</line>
        <line lrx="1404" lry="1538" ulx="275" uly="1470">Miſſethätern ernſtlich zu Leibe gehen, weil ſie ziemlich mächtigen</line>
        <line lrx="619" lry="1561" ulx="275" uly="1521">Stämmen angehören.</line>
        <line lrx="1408" lry="1611" ulx="360" uly="1571">„Weder die Regierung noch das Volk Perſiens,“ chreibt ein</line>
        <line lrx="1405" lry="1660" ulx="275" uly="1614">engliſcher Reiſender, „ſcheint tiefere Eindrücke von allen den An⸗</line>
        <line lrx="1409" lry="1710" ulx="273" uly="1669">ſtrengungen bewahrt zu haben, die man in England für die Milde⸗</line>
        <line lrx="1405" lry="1759" ulx="274" uly="1719">rung des perſiſchen Elends gemacht hat.“ Da und dort ſcheint ſich</line>
        <line lrx="1405" lry="1809" ulx="274" uly="1769">ſogar ein Neid zu regen und bis zum Ingrimm zu ſteigern, dar⸗</line>
        <line lrx="1409" lry="1858" ulx="273" uly="1817">über, daß chriſtliche Nationen ſo viel glücklicher ſind als das Volk</line>
        <line lrx="1252" lry="1912" ulx="274" uly="1867">des Propheten.</line>
        <line lrx="1405" lry="1957" ulx="356" uly="1916">Unter ſolchen Umſtänden iſt es ein Wagniß im höchſten Sinne</line>
        <line lrx="1408" lry="2006" ulx="274" uly="1966">des Worts, Miſſionsarbeit unter den Perſern zu beginnen. Man</line>
        <line lrx="1407" lry="2055" ulx="273" uly="2016">fängt zwar mit den armeniſchen Waiſenkindern an, und möchte aus</line>
        <line lrx="1407" lry="2104" ulx="274" uly="2064">denſelben Schullehrer und Evangeliſten bilden, ſofern dies bei den</line>
        <line lrx="1408" lry="2154" ulx="273" uly="2113">Begabteren gelingt. Aber man weiß bereits, wie ſchwierig durch die</line>
        <line lrx="1407" lry="2204" ulx="273" uly="2163">wechſelnden Winde, welche vom Hof in Teheran ausgehen, den</line>
        <line lrx="1202" lry="2238" ulx="316" uly="2210">Miſſ. Mag. XVII. 2</line>
      </zone>
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      </zone>
      <zone lrx="1430" lry="2221" type="textblock" ulx="272" uly="347">
        <line lrx="1408" lry="388" ulx="272" uly="347">Amerikan ern ihr Wirken unter dem Chriſtenvölklein der Neſtorianer</line>
        <line lrx="1407" lry="440" ulx="274" uly="397">gemacht worden iſt. Jetzt wollen dieſelben in Tebris, Teheran und</line>
        <line lrx="1407" lry="488" ulx="275" uly="446">Hamadan neue Miſſionsſtationen errichten, und die Miſſionare ſind</line>
        <line lrx="1409" lry="539" ulx="274" uly="497">entſchloſſen, auch den erſten Muhammedaner, der ſich bekehre, friſch⸗</line>
        <line lrx="1408" lry="589" ulx="273" uly="547">weg zu taufen, komme was da wolle. Gewiß ein muthiger Entſchluß.</line>
        <line lrx="1410" lry="637" ulx="273" uly="596">Wenn aber unſere amerikaniſchen Brüder denſelben ausführen, ſtellen</line>
        <line lrx="1410" lry="687" ulx="273" uly="646">ſie damit nicht blos ihr eigenes Wirken unter den Neſtorianern aufs</line>
        <line lrx="1412" lry="738" ulx="274" uly="693">Spiel, ſondern bedrohen zugleich den Fortbeſtand jeder andern chriſt⸗</line>
        <line lrx="1409" lry="788" ulx="273" uly="745">lichen Unternehmung auf perſiſchem Boden. Vollends einer ſo ſchwach</line>
        <line lrx="1410" lry="835" ulx="273" uly="794">vertretenen, wie ein durch armeniſche Brüder geleitetes Waiſenhaus</line>
        <line lrx="1411" lry="886" ulx="273" uly="844">wäre, falls es nicht durch die Unſcheinbarkeit ſeines Wirkens ſich</line>
        <line lrx="989" lry="935" ulx="275" uly="897">etwa der Wucht des Sturmes entzieht. —</line>
        <line lrx="1412" lry="985" ulx="356" uly="943">Es erübrigt uns noch, auf die politiſchen Verhältniſſe Perſiens</line>
        <line lrx="1412" lry="1035" ulx="275" uly="993">einen Blick zu werfen, was wir an der Hand des wohlunterichteten</line>
        <line lrx="1412" lry="1083" ulx="274" uly="1041">Reiſenden Vambery unternehmen. Derſelbe urtheilt über die jetzige</line>
        <line lrx="922" lry="1134" ulx="274" uly="1094">Lage des Reichs im Weſentlichen alſo:</line>
        <line lrx="1411" lry="1182" ulx="359" uly="1141">Perſien hat aufs neue die Bahn der Reformen betreten; nach</line>
        <line lrx="1414" lry="1233" ulx="279" uly="1191">der langwierigen,, koſtſpieligen, aber fruchtloſen Ummodelung der</line>
        <line lrx="1414" lry="1282" ulx="276" uly="1239">Armee unter der Regierung Feth Ali Schahs und Muhammed Schahs</line>
        <line lrx="1415" lry="1333" ulx="276" uly="1289">hat die jetzige Regierung ſich durch Reformbeſtrebungen auf dem Ge⸗</line>
        <line lrx="1414" lry="1382" ulx="276" uly="1338">biete der Verwaltung und des ſozialen Lebens hervorgethan. Ein</line>
        <line lrx="1430" lry="1432" ulx="276" uly="1387">redlicher hochbegabter Mann, Emir Kebir (eigentlich Taki Chan),</line>
        <line lrx="1415" lry="1480" ulx="277" uly="1438">ſuchte es dem Wirken Raſchid Paſchas in der Türkei gleichzuthun;</line>
        <line lrx="1416" lry="1530" ulx="278" uly="1487">und hätte ſein jugendlicher Fürſt ſich nicht von den Hofintriguen um⸗</line>
        <line lrx="1416" lry="1582" ulx="281" uly="1536">ſtricken laſſen, ſein Miniſter wäre vielleicht der größte morgenländiſche</line>
        <line lrx="1415" lry="1629" ulx="282" uly="1584">Reformator geworden. Doch der ſeltene Mann fiel 1852, und</line>
        <line lrx="1418" lry="1679" ulx="280" uly="1635">20 Jahre lang verſank Perſien immer tiefer in einen Zuſtand gänz⸗</line>
        <line lrx="655" lry="1728" ulx="280" uly="1689">licher Regungsloſigkeit.</line>
        <line lrx="1416" lry="1777" ulx="366" uly="1734">Immerhin hat der gewaltſame Tod jenes Miniſters dem Schah</line>
        <line lrx="1418" lry="1826" ulx="284" uly="1784">Nasreddin Gewiſſensbiſſe und Anflüge von Reformgelüſten zurück⸗</line>
        <line lrx="1415" lry="1877" ulx="285" uly="1833">gelaſſen. Vergrub er ſich auch, der Hofränke müde, in ſeinem Jagd⸗</line>
        <line lrx="1417" lry="1925" ulx="283" uly="1883">ſchloß, ſo ließ er doch neue Verſuche von Reformen zu. Perſien war</line>
        <line lrx="1416" lry="1975" ulx="282" uly="1926">faſt zum Vaſallen Rußlands herabgeſunken; wo es noch zu den Waffen</line>
        <line lrx="1417" lry="2025" ulx="284" uly="1980">griff, ward es nicht nur von den Engländern (1856), ſondern ſelbſt</line>
        <line lrx="1415" lry="2072" ulx="282" uly="2030">von turkomanniſchen Räuberhorden aufs ſchmählichſte geſchlagen.</line>
        <line lrx="1418" lry="2123" ulx="282" uly="2079">Doch errichtete man z. B. Fabriken; ſie giengen zu Grunde, weil die</line>
        <line lrx="1416" lry="2171" ulx="284" uly="2128">eingeführten europäiſchen Handwerker dem ſchamloſen Diebſtahl der</line>
        <line lrx="1416" lry="2221" ulx="283" uly="2177">perſiſchen Aufſeher gegenüber nichts ausrichten konnten. Alles gieng</line>
      </zone>
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        <line lrx="1415" lry="318" ulx="1383" uly="292">19</line>
      </zone>
      <zone lrx="1415" lry="537" type="textblock" ulx="281" uly="346">
        <line lrx="1413" lry="388" ulx="285" uly="346">drunter und drüber, und es bedurfte nur einer unerwarteten Geiſel,</line>
        <line lrx="1415" lry="437" ulx="284" uly="396">wie die letzte Hungersnoth war, um einerſeits alles noch wei⸗</line>
        <line lrx="1413" lry="487" ulx="281" uly="446">ter aus dem Geleiſe zu bringen, andrerſeits aber auch den rathloſen</line>
        <line lrx="1309" lry="537" ulx="281" uly="494">König auf die Gefahr ſeines Thrones aufmerkſam zu machen.</line>
      </zone>
      <zone lrx="1437" lry="587" type="textblock" ulx="367" uly="543">
        <line lrx="1437" lry="587" ulx="367" uly="543">Jetzt ſah ſich Nasreddin nach einem geſchickten und treuen Rath⸗</line>
      </zone>
      <zone lrx="1414" lry="2166" type="textblock" ulx="272" uly="594">
        <line lrx="1414" lry="636" ulx="288" uly="594">geber um; ſein Augenmerk fiel auf Mirza Huſein Chan, den</line>
        <line lrx="1414" lry="686" ulx="284" uly="643">perſiſchen Geſandten in Conſtantinopel. Das iſt auch ſo ziemlich der</line>
        <line lrx="1414" lry="735" ulx="282" uly="692">einzige Perſer, der die Wunden ſeines Vaterlandes genau kennt, von</line>
        <line lrx="1412" lry="785" ulx="280" uly="738">dem europäiſchen Geiſte und deſſen Wirken richtige Begriffe hat und</line>
        <line lrx="1414" lry="834" ulx="276" uly="791">die Fähigkeiten eines Reformators wenigſtens theilweiſe beſitzt. Er</line>
        <line lrx="1413" lry="885" ulx="279" uly="840">hat ſich in allen Kreiſen Conſtantinopels die höchſte Achtung zu ver⸗</line>
        <line lrx="1414" lry="932" ulx="279" uly="890">ſchaffen gewußt (der erſte Perſer, dem das gelang), und um die Gunſt</line>
        <line lrx="1413" lry="983" ulx="278" uly="939">ſeiner Landsleute durch den verunreinigenden Umgang mit Chriſten</line>
        <line lrx="1411" lry="1033" ulx="279" uly="989">nicht zu verſcherzen, war der ſonſt freidenkende Mann klug genug,</line>
        <line lrx="1412" lry="1081" ulx="279" uly="1039">durch eine Pilgerreiſe nach Mekka ſich auch den Ehrentitel eines</line>
        <line lrx="1412" lry="1132" ulx="280" uly="1087">Hadſchi zu verſchaffen. Jetzt iſt er an die Spitze der äußeren An⸗</line>
        <line lrx="628" lry="1176" ulx="280" uly="1138">gelegenheiten berufen.</line>
        <line lrx="1408" lry="1229" ulx="361" uly="1186">Mit Mirza Huſein Chan zugleich hat Nasreddin Schah einen Mann</line>
        <line lrx="1410" lry="1278" ulx="279" uly="1236">von nicht minder intereſſanter Perſönlichkeit an die Spitze der innern An⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="1327" ulx="281" uly="1285">gelegenheiten ſeines Landes geſtellt. Es iſt dies Mel kum Chan, von</line>
        <line lrx="1408" lry="1378" ulx="278" uly="1335">armeniſcher Abkunft (ſein Vater war noch Chriſt), ein Mann von ausge⸗</line>
        <line lrx="1404" lry="1426" ulx="277" uly="1384">zeichneten Geiſtesgaben und feiner orientaliſcher wie occidentaliſcher Bil⸗</line>
        <line lrx="1408" lry="1476" ulx="278" uly="1432">dung. Dieſer Melkum Chan war ſchon einſt in der Lage, über ſei⸗</line>
        <line lrx="1406" lry="1525" ulx="276" uly="1482">nen Fürſten einen außergewöhnlichen Einfluß auszuüben. Er hatte</line>
        <line lrx="1408" lry="1575" ulx="276" uly="1531">nämlich in jugendlicher Begeiſterung für das freidenkende Europa,</line>
        <line lrx="1409" lry="1623" ulx="276" uly="1581">zum großen Aerger der mächtigen ſchiitiſchen Prieſterklaſſe, die erſte</line>
        <line lrx="1406" lry="1672" ulx="275" uly="1630">Freimaurerloge in der perſiſchen Reſidenz organiſirt. Von Franc</line>
        <line lrx="1409" lry="1723" ulx="274" uly="1680">magçon chane (Haus der Freimaurerei) machte der Jargon Feramuſch⸗</line>
        <line lrx="1409" lry="1769" ulx="276" uly="1728">Chane, d. h. Haus der Vergeſſenheit, wo beim Eintritt aller Unter⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="1823" ulx="274" uly="1777">ſchied zwiſchen Stand, Geburt und Reichthum vergeſſen werden ſoll;</line>
        <line lrx="1406" lry="1872" ulx="274" uly="1826">und wenn ſelbſt bei uns dieſe Geſellſchaften noch immer eines ge⸗</line>
        <line lrx="1405" lry="1920" ulx="274" uly="1877">wiſſen Anflugs des Myſteriöſen ſich erfreuen, wie erſt in Perſien,</line>
        <line lrx="1404" lry="1971" ulx="274" uly="1926">wo Alles an Räthſelhaftem und Zaubervollem ſich ergötzt. Man ſprach</line>
        <line lrx="1406" lry="2019" ulx="273" uly="1975">nichts als von der Feramuſch⸗Chane und als ſelbſt der jugend⸗</line>
        <line lrx="1404" lry="2067" ulx="274" uly="2025">liche König daſelbſt eintrat und, die drei Seiten langen Titulaturen</line>
        <line lrx="1405" lry="2118" ulx="272" uly="2075">beiſeite laſſend, ſich als „Bruder“ anreden ließ, da mußte noth⸗</line>
        <line lrx="1404" lry="2166" ulx="274" uly="2124">gedrungen in dieſem alten Sitz aſiatiſcher Denkungsweiſe alles ſeinen</line>
      </zone>
      <zone lrx="1438" lry="2216" type="textblock" ulx="269" uly="2173">
        <line lrx="1438" lry="2216" ulx="269" uly="2173">Kopf verlieren, und beſonders war es die habgierige Mollawelt, die</line>
      </zone>
    </surface>
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        <line lrx="307" lry="319" ulx="274" uly="295">20</line>
      </zone>
      <zone lrx="1410" lry="2229" type="textblock" ulx="270" uly="350">
        <line lrx="1405" lry="392" ulx="275" uly="350">vom Untergang aller Religion und Sitte redete. Natürlich blieb</line>
        <line lrx="1406" lry="441" ulx="275" uly="400">dies nur eine leiſe Anwandlung im Gemüthe des jugendlichen Nas⸗</line>
        <line lrx="376" lry="484" ulx="270" uly="452">reddin.</line>
        <line lrx="1405" lry="542" ulx="354" uly="499">Um den jungen König von der Gefährlichkeit ſeines Schrittes</line>
        <line lrx="1406" lry="592" ulx="273" uly="550">zu überzeugen, wurde ihm eingeredet, daß der eigentliche Zweck des</line>
        <line lrx="1406" lry="641" ulx="272" uly="600">Feramuſch⸗Chane der Sturz ſeiner Dynaſtie ſei; die ſogenannten</line>
        <line lrx="1405" lry="690" ulx="272" uly="648">Freidenker wurden als Verſchwörer bezeichnet, und in kurzer Zeit</line>
        <line lrx="1407" lry="739" ulx="272" uly="698">war Melkum Chan nicht nur der Gunſt verluſtig, ſondern mußte in</line>
        <line lrx="1406" lry="790" ulx="273" uly="747">eiligſter Flucht ſich das Leben retten. Er irrte einige Zeit in der</line>
        <line lrx="1407" lry="839" ulx="272" uly="796">Türkei herum, ſpäter wurde er jedoch zum perſiſchen Conſul in Egyp⸗</line>
        <line lrx="1406" lry="888" ulx="271" uly="846">ten ernannt, und iſt jetzt auf Anrathen ſeines Gönners Mirza Huſein</line>
        <line lrx="1406" lry="940" ulx="273" uly="896">Chan zum Miniſter des Innern berufen worden. Melkum Chan</line>
        <line lrx="1407" lry="989" ulx="272" uly="945">zeichnet ſich durch eine gründliche Kenntniß der europäiſchen Verhält⸗</line>
        <line lrx="1405" lry="1038" ulx="271" uly="994">niſſe aus, und ſollte er ſich im reiferen Alter jene Begeiſterung für</line>
        <line lrx="1406" lry="1089" ulx="272" uly="1044">das Wohlergehen ſeines Vaterlandes, die in der Jugend ihn kenn⸗</line>
        <line lrx="1408" lry="1138" ulx="272" uly="1093">zeichnete, bewahrt haben, ſo wird ſeine Verwaltung in Perſien viel⸗</line>
        <line lrx="1154" lry="1190" ulx="272" uly="1145">leicht den Samen einer beſſeren Zukunft zurücklaſſen.</line>
        <line lrx="1407" lry="1236" ulx="354" uly="1193">Zu dieſem iſt noch in den letzten Monaten Haſſan Ali Chan</line>
        <line lrx="1409" lry="1285" ulx="275" uly="1243">als Miniſter der öffentlichen Arbeiten, eine ganz neue Branche der</line>
        <line lrx="1408" lry="1336" ulx="272" uly="1292">Verwaltung in Perſien, geſellt worden. Auch dieſer hat eine Zeit</line>
        <line lrx="1408" lry="1385" ulx="273" uly="1341">lang den perſiſchen Geſandtſchaftspoſten in Paris und London beklei⸗</line>
        <line lrx="1408" lry="1434" ulx="273" uly="1390">det und ſoll nun, obwohl er an Fähigkeiten den erſtgenannten weit</line>
        <line lrx="1270" lry="1483" ulx="271" uly="1441">nachſteht, dem Werk der Neuerung eine eifrige Hand leihen.</line>
        <line lrx="1408" lry="1539" ulx="352" uly="1490">Daß genannte Staatsmänner in ihren Beſtrebungen auf be⸗</line>
        <line lrx="1405" lry="1582" ulx="272" uly="1540">deutende Hinderniſſe ſtoßen werden, iſt ſelbſtverſtändlich. Trotz der</line>
        <line lrx="1407" lry="1633" ulx="272" uly="1590">großen Befähigung des iraniſchen Volkes iſt die Zahl derer, die von</line>
        <line lrx="1403" lry="1682" ulx="272" uly="1639">der Nothwendigkeit der Reformen durchdrungen ſind, verhältnißmäßig</line>
        <line lrx="1407" lry="1733" ulx="272" uly="1690">viel geringer als in der Türkei, und trotz des Mangels an ächt</line>
        <line lrx="1408" lry="1783" ulx="271" uly="1738">religiöſem Gefühl hat die Prieſterklaſſe hier einen weit größeren Ein⸗</line>
        <line lrx="1407" lry="1834" ulx="272" uly="1787">fluß als im erſtgenannten Lande. Die Mutſchtehids (Oberprieſter)</line>
        <line lrx="1407" lry="1881" ulx="273" uly="1837">wetteifern in Macht mit dem regierenden Fürſten; die⸗ Achonde und</line>
        <line lrx="1408" lry="1930" ulx="274" uly="1886">Saids, von welch letzteren kaum unter zehn Ein ächter Abkömmling</line>
        <line lrx="1409" lry="1980" ulx="274" uly="1935">aus der Familie des Propheten iſt, terroriſiren die Maſſen; und die</line>
        <line lrx="1405" lry="2031" ulx="273" uly="1986">im ſchmutzigſten Pfuhl der Immoralität verſunkenen Landesgroßen,</line>
        <line lrx="1408" lry="2081" ulx="274" uly="2035">denen jede Reformbewegung als Hinderniß im Handwerke des frechen</line>
        <line lrx="1410" lry="2131" ulx="274" uly="2085">Diebſtahls im Wege ſteht, werden und haben ſich auch ſchon ver⸗</line>
        <line lrx="1409" lry="2180" ulx="276" uly="2134">einigt, um den Neuerungen die heftigſte Oppoſition zu machen. Der</line>
        <line lrx="1408" lry="2229" ulx="276" uly="2184">erſte Verſuch der Obſcuranten, das Staatsoberhaupt dem Einfluß</line>
      </zone>
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      </zone>
      <zone lrx="1438" lry="2143" type="textblock" ulx="288" uly="354">
        <line lrx="1436" lry="403" ulx="307" uly="354">der Fortſchrittsmänner zu entziehen, hat entſchieden Fiasco gemacht,</line>
        <line lrx="1437" lry="457" ulx="306" uly="404">denn erſtens zeigt Nasreddin in ſeinem Vorhaben genügende Beharr⸗</line>
        <line lrx="1438" lry="504" ulx="305" uly="452">lichkeit, und zweitens war Mirza Huſein Chan klug genug, die</line>
        <line lrx="1436" lry="554" ulx="305" uly="502">europäiſchen Geſandtſchaften auch in ſein Bündniß hineinzuziehen;</line>
        <line lrx="1436" lry="602" ulx="304" uly="553">ja um deren Einfluß noch mächtiger zu machen, hat er die öſter⸗</line>
        <line lrx="1436" lry="649" ulx="303" uly="602">reichiſche Regierung dazu bewogen, daß dieſer ſonſt in Perſien nur</line>
        <line lrx="1436" lry="702" ulx="305" uly="651">wenig intereſſirte Staat dort eine regelmäßige Vertretung unterhal⸗</line>
        <line lrx="1434" lry="751" ulx="303" uly="701">ten wird. Der Schah wird nun wie ſein Bruder am Bosporus von</line>
        <line lrx="1434" lry="801" ulx="304" uly="750">Ruſſen, Franzoſen, Engländern und Deutſchen zugleich in der Schule</line>
        <line lrx="1432" lry="853" ulx="303" uly="801">der europäiſchen Civiliſation unterrichtet werden, und die Betreffenden</line>
        <line lrx="1429" lry="900" ulx="300" uly="850">werden in Ertheilung der Rathſchläge mit einander wetteifern (was</line>
        <line lrx="978" lry="945" ulx="301" uly="899">übrigens mehr ſchaden als nützen kann).</line>
        <line lrx="1431" lry="1007" ulx="383" uly="949">Es wäre eitel von dem etwaigen Erfolg der großen Aufgabe</line>
        <line lrx="1430" lry="1048" ulx="299" uly="999">im vorhinein ſprechen zu wollen. Iranier, die geiſtreichſten, unter⸗</line>
        <line lrx="1430" lry="1097" ulx="300" uly="1050">nehmendſten und gewiſſermaßen auch die aufgeklärteſten unter allen</line>
        <line lrx="1429" lry="1150" ulx="299" uly="1098">muhammedaniſchen Völkern, ſollten mit Hinblick auf den Glanz ihrer</line>
        <line lrx="1429" lry="1200" ulx="299" uly="1149">Vergangenheit wohl zu den größten Hoffnungen berechtigen; doch der</line>
        <line lrx="1427" lry="1251" ulx="298" uly="1198">Islam hat keine Japaner wie der Buddhismus in Oſtaſien, auch</line>
        <line lrx="1428" lry="1298" ulx="297" uly="1249">iſt die arge Fäulniß, welche die phyſiſchen, ſocialen und ethiſchen Ge⸗</line>
        <line lrx="1424" lry="1351" ulx="300" uly="1299">brechen im Körper des ganzen Islam verurſacht haben, ſchon zu</line>
        <line lrx="1425" lry="1396" ulx="297" uly="1348">weit ausgebreitet, ſchon zu tief eingedrungen, als daß man von der</line>
        <line lrx="1426" lry="1448" ulx="296" uly="1394">Heilung des einen oder andern Gliedes von vornherein gewiſſe Theorien</line>
        <line lrx="773" lry="1487" ulx="296" uly="1446">oder Lehren aufſtellen könnte.</line>
        <line lrx="1425" lry="1546" ulx="377" uly="1497">Für jetzt genügt es, den Leſer auf das Vorhandenſein einer</line>
        <line lrx="1419" lry="1598" ulx="293" uly="1546">Reformbewegung in Perſien aufmerkſam zu machen. Daß Mirza</line>
        <line lrx="1420" lry="1646" ulx="293" uly="1594">Huſein Chan die Macht der Preſſe zur Genüge kennt, das beweiſen</line>
        <line lrx="1420" lry="1696" ulx="293" uly="1645">die zeitweiligen aus Teheran über St. Petersburg nach Europa</line>
        <line lrx="1420" lry="1743" ulx="292" uly="1695">dringenden Senſations⸗Telegramme, in welchen das Publikum mit</line>
        <line lrx="1421" lry="1797" ulx="292" uly="1747">allerhand Nachrichten, als z. B. der Errichtung von 40 Spitälern,</line>
        <line lrx="1421" lry="1849" ulx="292" uly="1794">Hunderten von Schulen, Dutzenden von Fabriken und von Berufung</line>
        <line lrx="1422" lry="1896" ulx="291" uly="1844">einer Anzahl von Lehrern aus Frankreich und England beſchenkt</line>
        <line lrx="1420" lry="1945" ulx="289" uly="1894">wird. Wenn unter andern glücklichen Maßregeln auf dem neuen Pfad</line>
        <line lrx="1420" lry="1995" ulx="289" uly="1946">es dem Miniſter gelingt, ſeinen Souverain zu einer Reiſe nach Europa</line>
        <line lrx="1420" lry="2044" ulx="288" uly="1995">zu bewegen, ſo müſſen wir ihm dazu Glück wünſchen; denn eine Reiſe</line>
        <line lrx="1418" lry="2093" ulx="288" uly="2044">des Schah kann nicht ohne bedeutende Folgen für ſein Land ſein. —</line>
        <line lrx="1419" lry="2143" ulx="370" uly="2093">Es wird wirklich*) für ausgemacht angeſehen, daß der Schah von</line>
      </zone>
      <zone lrx="737" lry="2230" type="textblock" ulx="350" uly="2193">
        <line lrx="737" lry="2230" ulx="350" uly="2193">*) Our Ocean Highways.</line>
      </zone>
    </surface>
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        <line lrx="221" lry="297" ulx="218" uly="284">.</line>
        <line lrx="219" lry="381" ulx="217" uly="370">1</line>
      </zone>
      <zone lrx="318" lry="327" type="textblock" ulx="286" uly="302">
        <line lrx="318" lry="327" ulx="286" uly="302">22</line>
      </zone>
      <zone lrx="1428" lry="798" type="textblock" ulx="286" uly="356">
        <line lrx="1424" lry="397" ulx="286" uly="356">Perſien in dieſem Frühjahr Europa beſuchen will. Zehn Tage nach</line>
        <line lrx="1424" lry="448" ulx="287" uly="406">der Tag⸗ und Nachtgleiche, dem perſiſchen Nauroz (Neujahr) ſoll er</line>
        <line lrx="1426" lry="497" ulx="286" uly="456">ſich auf dem kaſpiſchen Meer nach Aſtrachan einſchiffen, zuerſt die</line>
        <line lrx="1424" lry="546" ulx="287" uly="506">beiden ruſſiſchen Hauptſtädte beſuchen und dann über Berlin nach</line>
        <line lrx="1425" lry="597" ulx="286" uly="556">London reiſen. Von England, heißt es, werde er über Paris und</line>
        <line lrx="1426" lry="646" ulx="287" uly="606">Wien ſich nach Conſtantinopel begeben, und die Reiſe durch eine</line>
        <line lrx="1426" lry="697" ulx="287" uly="656">Einkehr in Egypten und Mekka beſchließen. Wenn Se. Majeſtät</line>
        <line lrx="1428" lry="747" ulx="287" uly="706">nicht im Stande geweſen wäre, ſolcher Reiſe noch eine religiöſe Fär⸗</line>
        <line lrx="1425" lry="798" ulx="287" uly="756">bung zu geben, hätte ſie große Schwierigkeit gehabt, die Oppoſition</line>
      </zone>
      <zone lrx="1173" lry="858" type="textblock" ulx="270" uly="800">
        <line lrx="1173" lry="858" ulx="270" uly="800">der fanatiſchen Prieſterſchaft Perſiens zu überwinden.</line>
      </zone>
      <zone lrx="1431" lry="1592" type="textblock" ulx="289" uly="855">
        <line lrx="1429" lry="896" ulx="374" uly="855">Noch ein bedeutungsvolles Erreigniß darf nicht mit Still⸗</line>
        <line lrx="1428" lry="946" ulx="289" uly="906">ſchweigen übergangen werden. Am 24. November 1872 iſt endlich</line>
        <line lrx="1429" lry="996" ulx="289" uly="956">nach langen Verhandlungen dem Baron von Reuter durch den</line>
        <line lrx="1430" lry="1047" ulx="292" uly="1005">perſiſchen Geſandten in London eine Urkunde feierlich übergeben</line>
        <line lrx="1427" lry="1094" ulx="290" uly="1053">worden, welche ihm die ausſchließliche und definitive Conceſſion zur</line>
        <line lrx="1429" lry="1145" ulx="290" uly="1102">Anlegung von Eiſenbahnen und Kanälen, ſowie zur Ausbeutung</line>
        <line lrx="1429" lry="1193" ulx="295" uly="1152">der mineraliſchen Schätze in ganz Perſien ertheilt. Eine Bahnlinie</line>
        <line lrx="1431" lry="1245" ulx="293" uly="1202">vom kaſpiſchen Meer nach dem perſiſchen Golf ſoll zuerſt in Angriff</line>
        <line lrx="1429" lry="1294" ulx="294" uly="1252">genommen werden, und die Ingenieure dafür ſind bereits ernannt.</line>
        <line lrx="1429" lry="1345" ulx="292" uly="1302">Hat die Sache Beſtand, ſo wird damit eine große Nation der euro⸗</line>
        <line lrx="1228" lry="1394" ulx="292" uly="1353">päiſchen Staatenfamilien um ein Gutes näher gebracht.</line>
        <line lrx="1430" lry="1442" ulx="376" uly="1401">Hoffen wir, daß ſo nach und nach ein ſicherer Fortſchritt zum</line>
        <line lrx="1428" lry="1491" ulx="291" uly="1450">Beſſern auch in dieſem tief niedergedrückten Lande ſich anbahne. Hüten</line>
        <line lrx="1429" lry="1541" ulx="292" uly="1501">wir uns aber vor allen ſanguiniſchen Erwartungen; ſie ſind faſt</line>
        <line lrx="1268" lry="1592" ulx="293" uly="1550">nirgends weniger berechtigt als auf dieſem Miſſionsgebiet.</line>
      </zone>
      <zone lrx="1067" lry="1838" type="textblock" ulx="660" uly="1771">
        <line lrx="1067" lry="1838" ulx="660" uly="1771">Wliſſionar Goble.</line>
      </zone>
      <zone lrx="1436" lry="2233" type="textblock" ulx="296" uly="1929">
        <line lrx="1429" lry="2028" ulx="305" uly="1929">iner kürzlich in einer Baptiſten⸗Kirche zu London gehaltenen</line>
        <line lrx="1431" lry="2034" ulx="359" uly="1991">. Rede eines japaniſchen Miſſionars entnehmen wir Mitthei⸗</line>
        <line lrx="1434" lry="2084" ulx="306" uly="2028">N lungen, die an ſich ſchon von großem Intereſſe ſind, es aber</line>
        <line lrx="1436" lry="2134" ulx="320" uly="2088">4 noch in beſonderem Grade dadurch werden, daß ſie zeigen,</line>
        <line lrx="1431" lry="2183" ulx="297" uly="2140">was Gott auch einer vereinzelten Kraft gelingen läßt, wenn ſie ſich</line>
        <line lrx="1434" lry="2233" ulx="296" uly="2192">rückhaltslos Ihm zur Verfügung ſtellt. Wie Manche werden fort und</line>
      </zone>
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      <zone lrx="1444" lry="2227" type="textblock" ulx="309" uly="945">
        <line lrx="1441" lry="984" ulx="455" uly="945">/ da die Schiffstrümmer und den durch das Toben der</line>
        <line lrx="1442" lry="1035" ulx="477" uly="995">Elemente verurſachten Schaden zu ſchätzen, ſo meldet</line>
        <line lrx="1441" lry="1085" ulx="493" uly="1045">Miſſionar Bruce jetzt aus Perſien einzelne Thatſachen,</line>
        <line lrx="1441" lry="1135" ulx="310" uly="1095">die etwas ahnen laſſen von den Folgen der dortigen Nothzeit. —</line>
        <line lrx="1440" lry="1185" ulx="314" uly="1143">Ein Mitglied des perſiſchen Hilfskomites beerdigte vor etlichen Mo⸗</line>
        <line lrx="1441" lry="1233" ulx="309" uly="1194">naten auf einer zehntägigen Reiſe von Iſpahan nach Kaſchan und</line>
        <line lrx="1442" lry="1284" ulx="311" uly="1243">zurück 35 Leichen! In Kaſchan ſelbſt aber hatte der mit dem Tele⸗</line>
        <line lrx="1443" lry="1333" ulx="311" uly="1292">graphendienſt betraute Sergeant an einer Stelle 106, an einer an⸗</line>
        <line lrx="1443" lry="1382" ulx="311" uly="1342">dern 88 Leichen beerdigt. Vor der Hungersnoth war dieſe Stadt</line>
        <line lrx="1441" lry="1433" ulx="310" uly="1392">ein blühender Ort und der Hauptſitz der Seidenweberei dieſer Gegend</line>
        <line lrx="1441" lry="1483" ulx="310" uly="1442">mit einer Bevölkerung von 35,000 Seelen. Jetzt hat ſie noch</line>
        <line lrx="1439" lry="1533" ulx="310" uly="1487">8000 Einwohner, und die Webſtühle ſind ſämmtlich abgebrochen und</line>
        <line lrx="1443" lry="1582" ulx="311" uly="1541">um Brod verkauft oder zur Feuerung benützt worden. — Ned⸗</line>
        <line lrx="1440" lry="1632" ulx="311" uly="1584">ſchefabad war eine ungemein ſchöne, ſtundenweit von Weinbergen</line>
        <line lrx="1442" lry="1681" ulx="311" uly="1641">umgebene Stadt, deren Bevölkerung ſich jedenfalls auf mehr als</line>
        <line lrx="1442" lry="1729" ulx="313" uly="1690">30,000 belief. Der noch vorhandene Reſt wird auf 5000 Seelen</line>
        <line lrx="1442" lry="1781" ulx="313" uly="1740">geſchätzt! Viele ſind ausgewandert, aber niemand weiß, was aus</line>
        <line lrx="1442" lry="1829" ulx="311" uly="1789">ihnen geworden; Tauſende armer Wanderer wurden auf den Land⸗</line>
        <line lrx="1443" lry="1880" ulx="311" uly="1839">ſtraßen geſehen, und Schaaren ſind ohne Zweifel umgekommen. In</line>
        <line lrx="1443" lry="1929" ulx="312" uly="1889">Iſpahan ſelbſt, wo 4000 Seidewebſtühle geſtanden ſein ſollen, iſt</line>
        <line lrx="1443" lry="1979" ulx="312" uly="1939">der Sage nach jetzt kaum mehr ein Dutzend vorhanden. Mag daran</line>
        <line lrx="1442" lry="2028" ulx="314" uly="1988">auch viel Uebertreibung ſein, ſo laſſen dieſe Angaben dennoch einen</line>
        <line lrx="1442" lry="2077" ulx="313" uly="2037">Blick thun in die erſchreckende Größe der vergangenen Noth, während</line>
        <line lrx="1441" lry="2127" ulx="313" uly="2087">deren weder weltliche noch geiſtliche Behörden irgend eine Anſtrengung</line>
        <line lrx="1443" lry="2177" ulx="312" uly="2136">machten, für Beſchäftigung oder Unterſtützung ihrer Untergebenen zu</line>
        <line lrx="1444" lry="2227" ulx="312" uly="2182">ſorgen. Nur der erſte Miniſter machte in dieſer Beziehung eine rühm⸗</line>
      </zone>
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        <line lrx="1778" lry="968" ulx="1748" uly="733">O Salance Q</line>
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        <line lrx="1774" lry="1096" ulx="1754" uly="1022">Focus</line>
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        <line lrx="2010" lry="1477" ulx="1974" uly="1469">—</line>
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        <line lrx="2052" lry="467" ulx="2032" uly="281">Euroskala Offset</line>
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